| DIENSTAG, 06. MÄRZ 2001 ZÜRCHER UNTERLÄNDER |
| SCHÖFFLISDORF / Kulturkommission lud zu einem Abend der Romantik |
| Pendants im Grimmschen Märchenschatz |
Der Bratschist Bernd Haag und die Pianistin Madeleine Nussbaumer boten am Sonntagabend ein eindrücklich durchgestaltetes Konzert.
SUSANNE FRANKLIN |
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| Bernd Haag und Madeleine Nussbaumer spielten als gut aufeinander abgestimmtes Duo. (su) |
Im Singsaal des Schulhauses Rietli fand sich ein rund 40-köpfiges Publikum ein aus Insidern, Leuten, die selber Geige spielen, und aus etlichen Kindern. Bernd Haag kommentierte die gespielten Werke von Carl Reinecke, Robert Schumann, Heinrich von Herzogenberg und Johannes Brahms wohltuend verständlich.
Er machte darauf aufmerksam, dass Reinecke ein Bewunderer von Schumann und Herzogenberg ein Nachahmer von Brahms gewesen war und das Konzert darum gleich zweimal in Kopie und Original gegliedert sei. Solche mündlichen Informationen von Musikern sind selten in Konzerten, lassen aber das Hörerlebnis für den Laien nachhaltiger werden: Reineckes drei Fantasiestücke kamen sehr leidenschaftlich bewegt, mit viel Schmelz und unzähligen Modulationen quer durch die Tonarten daher, die Märchenbilder seines Vorbilds Schumann waren aber rhythmisch und technisch einiges reichhaltiger. Wer seine Gedanken schweifen liess, konnte im Grimmschen Märchenschatz einige Pendants zu den vier Sätzen finden.
Mehr als eine Begleitung
Nach der Pause spielte das gut aufeinander eingestimmte Duo drei Legenden von Heinrich von Herzogenberg, welche zeitweise so stark melodiebetont waren, dass man hätte mitsingen können. Die Pianistin Madeleine Nussbaumer hatte während des ganzen Abends weit mehr als Begleitfunktion, auch ihr Part war durchkomponiert.
Johannes Brahms? Sonate in Es-Dur war ursprünglich für Klarinette komponiert. In den ersten Ausgaben fügte der Meister eine Fussnote an: «Einem verlegerischen Bedürfnis nach grösserer Verbreitung entsprechend, sei diese Sonate auch für Viola oder Bratsche umgeschrieben worden.» Bernd Haag spielte darauf dieses letzte Werk, das kühner und reicher an Einfällen war als alle vorhergehenden, souverän und musikalisch sehr fein gestaltet. |
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