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Sie nannten ihn «Emir» 15 Jahre für Jihadisten beantragt

Einem 31-jährigen Waadtländer droht in Frankreich eine langjährige Gefängnisstrafe, weil er als Chef einer Gruppe Verschwörer Terroranschläge für den IS geplant haben soll.

Frankreich ist immer wieder Zielscheibe islamistischer Anschläge: Blumen für die Opfer von Nizza im Oktober 2020.
Frankreich ist immer wieder Zielscheibe islamistischer Anschläge: Blumen für die Opfer von Nizza im Oktober 2020.
Foto: Getty Images

Vor einem Gericht in Paris hat der Staatsanwalt 15 Jahre Gefängnis für einen Waadtländer gefordert, der angeblich Terroranschläge für den Islamischen Staat durchführen wollte. Milutin J. aus Yverdon liess sich als «Emir» einer Gruppe mutmasslicher Terroristen bezeichnen, die vornehmlich über den Messengerdienst Telegram kommunizierte und dabei die verschiedensten Anschlagspläne wälzte.

Mord an Kindern legitim

Von den mutmasslichen Verschwörern erwogen wurden etwa ein Angriff auf einen Militärkonvoi in der Nähe von Nizza, Attacken mit Messern oder Sturmgewehren, Entgleisung eines SBB-Zugs in der Romandie oder ein Massaker im Mad Club in Lausanne. Milutin J. experimentierte auch mit Schwarzpulver, um eine Bombe zu bauen. Mit ihm sind fünf weitere Männer angeklagt, für die der Staatsanwalt Gefängnisstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren beantragte.

Die Anklage basiert zu einem grossen Teil auf Konversationen, die von der Bundeskriminalpolizei mitgeschnitten wurden, am Telefon, in der Wohnung und im Auto von Milutin J. Einmal sagte der Mann dabei sogar, dass es legitim sei Kinder zu ermorden, solange es sich nicht um Muslime handle. Ein anderes Mal bekam die Schweizer Polizei auch mit, wie der 31-Jährige seine eigenen Kinder misshandelte. Sie wollte jedoch nicht eingreifen, um den Erfolg der Abhöraktion nicht zu gefährden. Nachdem der unter anderen wegen schwerer Körperverletzung verurteilte Mann bei den SBB gearbeitet hatte, bezog er im Waadtland Sozialhilfe. Weil er die Schweizer Sozialhilfe «besser als das islamische System» fand, setzte er seine anfänglichen Pläne, sich nach Syrien zu begeben, nicht um.

Der Attentäter von Morges

Als Milutin J. gegen Ende 2017 vorhatte, nach Frankreich zu fahren, gaben die Schweizer ihren französischen Kollegen einen Tipp. Dabei kalkulierte die Bundeskriminalpolizei, dass der Mann in Frankreich mit einer härteren Strafe rechnen musste als bei der vergleichsweise milden Schweizer Justiz. So kam es zur Verhaftung jenseits der Grenze.

Der ehemalige Rapper hat bosnisch-kroatische Wurzeln und konvertierte mit 15 Jahren zum Islam. Ab 2013 radikalisierte er sich zunehmend, obwohl er nicht fünfmal am Tag betete, den Fastenmonat Ramadan nicht komplett einhielt und rauchte. Seine Radikalisierung fiel in die Zeit, in der drei ihm bekannte Waadtländer beschlossen, sich dem IS anzuschliessen. Mit ihnen hatte Milutin J. weiter Kontakt, zum Teil bis kurz vor seiner Verhaftung. Während er die kämpfenden Jihadisten bewunderte, versuchte er, andere junge Männer aus dem Waadtland für den IS zu begeistern – unter ihnen auch den späteren Attentäter von Morges (VD). Dieser ermordete im letzten September ein zufällig ausgewähltes Opfer bei einem Kebab-Imbiss mit einem Messer. Der Islamist von Morges, ein schweizerisch-türkischer Drogenhändler, ­bezeichnete Milutin J. in einem abgehörten Gespräch im Oktober 2017 noch als «Gehirn der Gruppe».

Vor dem Gericht in Paris gab der Angeklagte zwar zu, der islamistischen Ideologie zu folgen, doch seien seine Drohungen mit Anschlägen nicht ernst gemeint gewesen. Es sei nie die Rede gewesen, die Pläne in die Tat umzusetzen, er sei doch nicht verrückt, meinte der Schweizer. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

12 Kommentare
    Bebbi Fässler

    In Wikipedia steht ein Beitrag zu den Scharia Strafen!

    Die Strafen sind hart, gilt wahrscheinlich auch für Verurteile "Kleinkriminelle", die sich im Gefängnis radikalisierten!