Zum Hauptinhalt springen

Entwickler-Konferenz22 Highlights vom Apple-Event – und 8 Dinge, die immer noch fehlen

Die Firma präsentiert das neue iOS und Software für iPads, Apple Watches, Airpods und Macs. Hier sind die wichtigsten Neuerungen.

Digital-Redaktor Rafael Zeier verrät seine drei Highlights vom Apple-Event.
Video: Adrian Panholzer

Der Wechsel von Apple weg von Intel-Prozessoren auf eigene Chips ist die wichtigste und lauteste Nachricht von der gestrigen Apple-Entwicklerkonferenz WWDC (hier die Nachrichten-Meldung).

Daneben hat Apple aber auch neue Software für alle Plattformen (Smartphone, Tablet, Kopfhörer, TV-Box, Computer, Smarthome) vorgestellt. Die Liste an Neuerungen ist lang. Wir haben die wichtigsten herausgesucht.

Aber Achtung: Ausgeliefert werden die Updates mit allen Neuerungen voraussichtlich erst im Herbst.

Widgets

Von Android-Handys kennt man das seit über 10 Jahren: Auf dem Home-Screen hat das iPhone künftig nicht mehr nur App-Symbole, sondern auch kleine Mini-Apps, sogenannte Widgets. Sie zeigen Informationshäppchen und verhindern, dass man die App dafür extra öffnen muss. Auch das gescheiterte Windows Phone experimentierte mit Widgets. Ob Apple mehr Erfolg hat und die Nutzerinnen und Nuzter von reinen App-Symbolen weglocken kann, wird sich zeigen. Hübsch sehen die ersten Widgets auf jeden Fall schon mal aus.

App-Übersicht

Wer vor lauter Apps die Übersicht verloren hat, kann sich über eine neue Ansicht freuen. Apple räumt das App-Chaos auf, gruppiert ähnliche Anwendungen und empfiehlt, welche gerade nützlich sein könnten. Auf den ersten Blick sieht das schon mal deutlich schöner aus als die unzähligen Ordner, die manche Ordnungsfanatiker auf ihren iPhones angelegt haben.

Videos kommen mit

Da das iPhone nicht mehrere Apps nebeneinander anzeigen kann, war man bislang in Anwendungen wie Youtube gefangen, wenn man ein Video zu Ende schauen wollte. Nun kommt das Video mit, wenn man die App schliesst oder wechselt. Diese Picture-In-Picture genannte Funktion funktionierte beim ersten Versuch bereits sehr gut und dürfte Video-Fans gefallen, die in einer langweiligen Passage schnell Twitter überprüfen wollen.

iPhone als Autoschlüssel

Das iPhone kann künftig auch Autos öffnen. Apple hat eine neue Autoschlüssel-Funktion vorgestellt. Fürs erste klappt das nur mit dem neuen 5er von BMW. Aber weitere Hersteller sollen folgen. Besonders interessant: Man kann den digitalen Autoschlüssel auch per Kurznachricht verschicken. So kann man jemandem erlauben, das Auto zu nutzen und nach erfolgreicher Fahrt die Erlaubnis auch wieder zurücknehmen.

App Clips

Eine der grossen Unbekannten unter den neuen Funkionen heisst App Clips. Dabei handelt es sich um Mini-Apps, die man gar nicht erst installieren muss. Auf Knopfdruck oder mit dem speziellen QR-Code werden sie gleich geöffnet und sind startklar. Bei Android gibt es ähnliche Konzepte. Ob die Idee dank Apple nun doch noch ein Erfolg wird?

Emoji-Suche

Alternative Tastatur-Apps wie Swiftkey haben schon lange eine Emoji-Suche. Bei der offiziellen von Apple vermisste man diese Funktion bislang. Mit iOS 14 kann man nun künftig gezielt nach dem einen Emoji suchen, das man mit Wischen beim besten Willen nicht finden konnte.

Diskrete Anrufe

Wenn das Telefon klingelt, wird künftig nicht mehr der ganze Bildschirm zugepflastert. Anrufe werden mit iOS 14 zu besseren Benachrichtigungen degradiert. Das sieht eleganter aus und ist nicht mehr ganz so nervig, wie es das aktuell noch ist.

Standard-Apps für Mail und Browser ändern

Bislang führten nur Umwege an Apples eigener Mail-App und am Safari-Browser vorbei. Nun kann man selber entscheiden, welche Mail-App und welchen Browser man zum Standard machen möchte. Das wird nicht nur Fans von Outlook und Chrome freuen, es dürfte auch manche Kartellbehörde beruhigen, die Apple deswegen ins Visier genommen hat.

Apple Translate

Nun hat auch Apple einen Übersetzungsdienst. Wie sich der von Google Translate unterscheidet und ob er dem Branchen-Primus Deepl das Wasser reichen kann, muss ein Test zeigen.

Mehr Datenschutz

Mit iOS 14 bekommt man als Nutzerin oder Nutzer nochmal mehr Kontrolle über die eigenen Daten. Gleich nach der Installation des neuen Betriebssystems wird man zum Beispiel gefragt, ob man einer App wie Google Fotos wirklich Zugriff auf alle Fotos gewähren möchte. Man kann das entweder erlauben, ablehnen oder einschränken.

iPhones und iPads mit iOS 13 bekommen iOS14

Der bange Moment bei neuen Betriebssystemen ist jeweils: «Bekommt mein Gerät das Update überhaupt?» Hier gibt es eine gute Nachricht: iPhones und iPads, die iOS 13 haben, bekommen auch iOS 14. Da sind auch alte Geräte wie das iPhone 6s und das iPad Air 2 dabei.

Neue iPad-Suche

Nach den grossen Updates der letzten Jahre geht es beim iPad heuer etwas ruhiger zu und her. Da muss man schon mit einer neuen Suche zufrieden sein. Die sieht allerdings deutlich eleganter aus und kann auch noch mehr.

Stift fast überall

Fans des Apple-Stifts können diesen nun an noch mehr Orten nutzen. So kann man künftig in Apps und im Browser nahezu jedes Textfeld auch mit Handschrift ausfüllen oder in der Mail-App per Handschrift schreiben, was dann aber in Druckschrift umgewandelt wird. Vorausgesetzt, man hat eine schöne Handschrift, ist das eine sehr willkommene Neuerung.

Schlaftracking und noch mehr

Apple hat sich viel Zeit gelassen, um seiner Uhr das Schlaftracking zu spendieren. Nun kommt die Funktion und will mehr bieten als die Konkurrenz. Apple kombiniert das Vermessen des Schlafes mit einem neuen Nachtmodus, der die Uhr weniger hell leuchten lässt und vielen weiteren Automatismen, die einem vor dem Zubettgehen ein paar Tastendrücke ersparen und beispielsweise automatisch das Licht löschen.

Und ja, beim Händewaschen schaut einem die Apple Watch künftig auf die Finger:

Zifferblätter teilen

Eigene Ziffernblätter wird Apple auf der Uhr wohl aus rechtlichen und ästhetischen Gründen nie zulassen. Dafür gibt es immer mehr Möglichkeiten, bestehende Ziffernblätter seinen Vorlieben anzupassen. Besonders gelungene Kombinationen kann man künftig mit einem Knopfdruck exportieren und so mit Freunden teilen.

Händewasch-Tracker

Gutes Händewaschen kann im Zusammenhang mit dem Coronavirus Leben retten. Dabei will Apple künftig helfen. Eine neue App für die Apple Watch kontrolliert, ob man auch lang genug die Hände gewaschen hat. Hat man während dem ganzen Countdown brav gewaschen, gibt es ein Bravo. Naürlich ist die App freiwillig, und der Countdown springt nicht jedes Mal ungefragt an, wenn man Hände wäscht.

Rundum neues macOS-Design

Der Mac hat mit dem Wechsel auf Apple-Prozessoren bereits für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Doch im Alltag wird das neue Design mindestens genauso auffällig sein. Wer vom iPad kommt, fühl sich sofort zu Hause. Aber auch Mac-Fans dürften nicht allzu sehr erschrecken, wenn alles etwas eleganter und aufgeräumter daherkommt.

iOS-Apps für den Mac

Dank den neuen Apple-Prozessoren funktionieren künftig auch iPhone- und iPad-Apps auf dem Mac. Bis man das testen und ausprobieren kann, wird es aber noch dauern. Die ersten neuen Macs mit Apple-Prozessoren sollen erst Ende 2020 kommen.

Spotify auf dem Homepod

Apples Lautsprecher, der in der Schweiz weiterhin nicht offiziell und nur als Import erhältlich ist, kann künftig auch Spotify nutzen. Bislang spielte er selbständig nur Musik von Apple Music ab. Auch diese Neuerung dürfte den einen oder anderen Kartellwächter etwas besänftigen.

Youtube in 4K auf dem Apple TV

Video-Fans beklagen seit Jahren, dass Apple und Google mit ihrem Streit um Video-Formate vor allem ihren Kunden schaden. Irgendeine Einigung scheint nun stattgefunden zu haben. Denn mit dem neuen Betriebssystem kann man auf der Apple-TV-Box in der Youtube-App nun endlich Videos auch in 4K schauen. Bislang war das nicht möglich.

Airpods mit mehreren Geräten

Wer die Apple-Kopfhörer mit mehreren Geräten nutzt, dürfte sich schon genervt haben, wie mühsam es ist, die mit dem iPhone verbundenen Airpods mit dem iPad zu verbinden oder umgekehrt. Dieser Schritt soll künftig wegfallen. Die Airpods sollten sich nach dem Update mit mehreren Geräten verbinden können und immer die richtige Sound-Quelle wählen.

Raumklang für die Airpods Pro

Schliesslich gibt es noch eine Neuerung für die teuersten Airpods. Die Pro-Variante bekommt mit dem kommenden Update deutlich verbesserten Raumklang. Auch diese Funktion müssen wir freilich erst testen, um beurteilen zu können, ob es wirklich eine nennenswerte Verbesserung ist.

Bei den vielen erfreulichen Neuerungen geht schnell einmal vergessen, was Apple auch dieses Jahr wieder nicht vorgestellt hat. Das hat uns gefehlt:

Benutzerprofile oder Gastmodus

Nach wie vor ist es nicht möglich, ein iPad oder ein iPhone jemandem in die Hand zu geben, ohne dass die darauf Schabernack anstellen können. Wer kleine Kinder hat, kennt das Problem. Auch als Familien-Tablet eignet sich das iPad nur mässig, da es nur auf einen Benutzer ausgerichtet ist. Apple scheint daran weiterhin nichts ändern zu wollen.

Ein Quantensprung für Siri

Jahr für Jahr wird Siri ein bisschen besser. Aber eben nur ein bisschen. Was hier dringend nötig wäre, sind nicht Babyschritte, sondern ein Quantensprung. Der scheint aber weiterhin unerreichbar, und Apple gibt sich damit zufrieden, Siri kontinuierlich zu verbessern und den Konkurrenten Amazon und Google das Rampenlicht zu überlassen.

Apples Profi-Apps fürs iPad

Nun, da iPad-Apps auf den neuen Macs laufen sollen, müsste doch auch das Umgekehrte möglich werden. Mac-Apps fürs iPad. Bislang aber Fehlanzeige. Dabei wären die Programmiersoftware Xcode, das Video-Tool Final Cut oder das Audio-Programm Logic seit Jahren sehr willkommen auf dem iPad.

Mehr iCloud-Speicher

Apples Cloud-Speicher-Angebote sind seit Jahren unverändert. Gratis gibts knappe 5GB, und maximal bekommt man 2 TB. Sowohl im untersten wie im obersten Segment wäre etwas mehr Speicher sehr willkommen.

Mehr Unabhängigkeit oder Android-Support für die Apple Watch

Während letztes Jahr die Apple Watch mit einem eigenen App-Store einen grossen Schritt in Richtung Unabhängigkeit vom iPhone gemacht hat, ist heuer bislang wenig passiert. Für die volle Unabhängigkeit ist wohl der Akku noch nicht gut genug – und anscheinend hat Apple keine Lust, mit einer Android-Variante neue Käuferinnen und Käufer anzulocken.

Quermodus fürs iPhone

Die Bildschirme der iPhones werden immer grösser. Allerdings macht iOS erstaunlich wenig damit. Beim ersten grossen iPhone, dem iPhone 6 Plus, gab es damals einen speziellen Quermodus. Der ist still und heimlich wieder verschwunden.

Mehrere Apps gleichzeitig auf dem iPhone

Ein anderer Wunsch, der bislang nicht erhöhrt wurde, betrifft ebenfalls die grossen iPhone-Bildschirme. Während man bei Android-Smartphones und auch beim iPad mehrere Apps nebeneinander anordnen kann, geht das beim iPhone nicht. Immerhin kann man mit iOS 14 dank Picture-in-Picture künftig Videos schauen und eine andere App öffnen, ohne dass das Video abgeschaltet wird.

Ein Browser für den Apple TV

Die Zukunft des TV seien Apps, hat Tim Cook mal gesagt. Das mag stimmen, aber viele gute Videos sind nicht in Apps und nur auf Webseiten erhältlich. Pech für Apples TV-Box. Da sie keinen Browser hat, sind viele Archive damit nur über Umwege übers iPhone und Airplay erreichbar.