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ZUgespitztAls journalistischer Ninja unterwegs

In der Rubrik «ZUgespitzt» greifen Redaktorinnen und Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Bülach, 2019 / Redaktion Zürcher Unterländer Astrit Abazi
Bild: Johanna Bossart
Bülach, 2019 / Redaktion Zürcher Unterländer Astrit Abazi
Bild: Johanna Bossart
Johanna Bossart

Da ist sie wieder: die Stille nach der Antwort, bevor ich zur nächsten Frage komme. Es vergeht eine gefühlte Ewigkeit in allgemeiner Befangenheit, unbeholfene Blicke werden unter den Anwesenden ausgetauscht. Erst dann erinnere ich mich wieder daran, dass mein Gegenüber eine Reaktion erwartet. Ich gebe ihm ein verbales Zeichen, dass ich immer noch an der Konversation teilnehme. In dieser schwierigen Zeit tun mir meine Gesprächspartner wahrlich leid. Ich habe mich leider noch nicht an meine Schutzmaske gewöhnt.

Wir Journalisten hatten es in einem Aspekt relativ einfach. Bereits vor der Corona-Krise konnten wir einen grossen Teil unserer Arbeit vom Schreibtisch ausführen. Mit dem Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt und einem Computer oder gar Notizblock ist schon manch eine gute Geschichte entstanden.

Ob ich das Homeoffice nun als Segen sah oder mich wie ein Verbannter fühlte, der aus seinem gewohnten Arbeitsumfeld gerissen wurde und für den die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit zunehmend verschwammen … das sei mal so dahingestellt. Was ich aber am meisten vermisste, ist die Berichterstattung vor Ort, die persönlichen Interviews, die Treffen mit interessanten Personen. Diese Gespräche, die früher das höchste der Gefühle in meinem Beruf waren, haben nun leider eine etwas unangenehme Note bekommen. Das Coronavirus geistert weiterhin in unserem Kopf herum, weshalb die Distanzregeln eingehalten werden. Trägt man aber noch eine Maske und verdeckt damit die Hälfte des Gesichts, kann das auch zu skeptischen Blicken führen.

Es ist kein Zufall, dass wir so viele Redewendungen haben, die sich auf unser Gesicht beziehen. «Der Ärger steht ihr ins Gesicht geschrieben», «er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten», «das gibt der Sache ein Gesicht» … In vielen asiatischen Ländern wird das Gesicht sogar mit der Reputation gleichgesetzt und dessen Wahrung über alles gestellt. Ein grosser Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation läuft über kleine Signale, die wir auch unbewusst über unsere Mimik versenden. Fehlen diese, löst das Unbehagen aus. Diese asymmetrische Art der Kommunikation, bei der man nur meine Augen sieht, gefällt mir auch nicht. Ich bitte deshalb um Verständnis, während ich als journalistischer Ninja durch das Zürcher Unterland ziehe.