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Trump besucht KenoshaAmerika – im Krieg mit sich selbst

Polizeigewalt, gewaltsame Proteste, ein Milizionär, der Demonstranten erschiesst: In Kenosha kommt alles zusammen. Und jetzt ist auch noch Donald Trump angereist.

«Ich verstehe, warum es zu Unruhen gekommen ist»: Jake Henkel, Lehrer.
«Ich verstehe, warum es zu Unruhen gekommen ist»: Jake Henkel, Lehrer.
Foto: Alan Cassidy

Was hat er nur angerichtet. 17 Jahre alt, mein Gott, 17 Jahre.

Jake Henkel ist 41, er steht an einer Kreuzung im Stadtzentrum von Kenosha, Holzfällerhemd, Bart. Er kann es nicht fassen, der Junge war sein Schüler in Antioch, wo Henkel Geschichte unterrichtet. Antioch ist nur 40 Kilometer von Kenosha entfernt, von dort brach sein Schüler Kyle Rittenhouse am Abend des 25. August auf. Er hatte ein automatisches Sturmgewehr dabei, eine AR-15. Er wollte sich einer Miliz anschliessen, um Kenosha «vor Plünderern und Demonstranten» zu schützen.

Am Ende des Abends waren zwei Menschen tot, ein weiterer schwer verletzt.

«Rest in heaven, guys!», hat jemand über die Fotos der beiden Demonstranten geschrieben, die der Junge hier vergangene Woche erschossen hat. Anthony Huber war Skateboarder, Joseph Rosenbaum Vater eines kleinen Mädchens. Zwischen Blumen und Kerzen liegt ein Teddy, auf einem Schild steht «heroes» – Helden.

Vom Schüler Kyle Rittenhouse erschossen: Ehrerweisungen für Joseph Rosenbaum und Anthony Huber.
Vom Schüler Kyle Rittenhouse erschossen: Ehrerweisungen für Joseph Rosenbaum und Anthony Huber.
Foto: Alan Cassidy

Die Tat von Rittenhouse ist der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Gewalt, die Kenosha erschüttert hat und die mittlerweile im ganzen Land zu spüren ist. Da waren zuerst die Schüsse, die ein Polizist auf den Afroamerikaner Jacob Blake abgefeuert hat, sieben Kugeln in den Rücken, vor den Augen seiner Kinder. Der Vater liegt noch immer in einem Spital, er ist von der Hüfte an abwärts gelähmt. Wahrscheinlich für immer.

Sofort nach dieser Tat begannen die Proteste. So ist das in Amerika in diesem dunklen Jahr 2020. Die Milwaukee Bucks, ein erfolgreiches NBA-Team gleich in der Nachbarschaft, bestreikten die Playoffs, die anderen Teams folgten. «Wir werden getötet, auf uns wird geschossen, wir werden gehängt. Es ist unglaublich, dass wir dieses Land immer noch lieben», sagte Doc River, der Coach der L.A. Clippers.

Die Proteste waren tagsüber friedlich, aber wenn die Sonne unterging, schlugen sie in Ausschreitungen und Brandstiftungen um. Die tödlichen Schüsse auf die Demonstranten fielen in einer Nacht, in der es in Kenosha aussah wie in einem Bürgerkriegsland: Soldaten im Stadtzentrum, bewaffnete Männer auf den Dächern, Tumulte in den Strassen. Die Vereinigten Staaten von Amerika – im Krieg mit sich selbst.

Es gibt von diesen Tagen und Nächten Videos, wie es inzwischen von allem Videos gibt. Es gibt Videos von dem Polizisten, der dem Schwarzen Jacob Blake siebenmal in den Rücken schiesst. Es gibt Videos von den Polizisten, die dem Weissen Kyle Rittenhouse vor seiner Tat Wasser anbieten, während er mit den anderen Milizionären auf Patrouille geht. «Wir schätzen, was ihr hier tut», sagt einer der Polizisten in die Richtung des 17-Jährigen.

«Die letzten Tage in Kenosha haben gezeigt, wo das Problem in Amerika liegt», sagt Jake Henkel, der Lehrer. «Ein schwarzer Mann wird bei einem Polizeieinsatz von Kugeln durchlöchert, weil er angeblich zu einem Messer greifen wollte. Ein weisser Mann wird von den gleichen Polizisten freundlich behandelt, wenn er inmitten von Unruhen mit einem Sturmgewehr an ihnen vorbeigeht.» Zwei Menschen, zwei Hautfarben, zwei Standards.

Geschenke eines ungebetenen Gasts

Gesetzt werden diese Standards auch von dem Mann im Weissen Haus. Und ausgerechnet jetzt ist Donald Trump vorbeigekommen, hier, in Kenosha.

Schon einige Stunden, bevor der Präsident am Dienstag mit der Air Force One auf einem Flughafen ausserhalb der Stadt landet, haben sich im Zentrum von Kenosha Demonstranten versammelt. Die meisten haben sich vor dem Gerichtsgebäude aufgebaut, zwei Lager stehen sich gegenüber: eine bunte, tendenziell junge Menschenmenge, die «Black Lives Matter» skandiert. Und eine überwiegend weisse Gruppe von Trump-Anhängern, die «Four more years» ruft.

Auf beiden Seiten sind auch Familien mit Kindern, und abgesehen von einigen gehässigen Wortwechseln bleibt es friedlich – so wie auch einige Kilometer weiter, an der Stelle, wo Jacob Blake niedergeschossen wurde. Dort hat seine Familie zu einer Party eingeladen: Es gibt Fleisch vom Grill, eine Hüpfburg und Musik. Aktivisten helfen dabei, Anwesende als Wähler zu registrieren.

Trump hat US-Justizminister William Barr mitgebracht und den Chef der Heimatschutzbehörde, und schon am Flughafen sagt er zu den wartenden Reportern: «Wir werden das lösen. Wir werden den Leuten helfen, ihre Geschäfte wieder aufzubauen.» Eine Million Dollar will Trump der örtlichen Polizei zukommen lassen, vier Millionen Dollar den Geschäftsinhabern, deren Läden bei den Unruhen zerstört wurden – Geschenke aus Washington.

Dabei ist Trump in Kenosha alles andere als willkommen. Sowohl der Bürgermeister von Kenosha als auch der Gouverneur des Bundesstaats (zwei Demokraten) hatten den Präsidenten angefleht, seinen Besuch abzusagen oder zumindest zu verschieben – was diesen verärgerte. «Wenn ich nicht darauf BESTANDEN hätte, die Nationalgarde zu aktivieren und nach Kenosha zu schicken, dann gäbe es kein Kenosha mehr», twitterte Trump am Montag.

Das war als Antwort auf die lokalen Behörden gedacht, und es stimmte einmal mehr nicht. Es war der Gouverneur von Wisconsin gewesen, der Anfang der vergangenen Woche den Einsatz der eigenen Nationalgarde angeordnet und danach andere Bundesstaaten um zusätzliche Soldaten gebeten hatte. Aber das hält Trump nicht davon ab, etwas anderes zu behaupten.

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Donald Trump schaut sich mit William Barr und Chad Wolf die Zerstörung in Kenosha an.
Donald Trump schaut sich mit William Barr und Chad Wolf die Zerstörung in Kenosha an.
Foto: Keystone/AP Photo/Evan Vucci
Der US-Präsident redet mit Kleinunternehmern, die ihr Geschäft durch die gewaltsamen Proteste verloren haben.
Der US-Präsident redet mit Kleinunternehmern, die ihr Geschäft durch die gewaltsamen Proteste verloren haben.
Foto: Keystone
Unter die Befürworter des Präsidenten mischen sich auch «Black Lives Matter»-Demonstranten.
Unter die Befürworter des Präsidenten mischen sich auch «Black Lives Matter»-Demonstranten.
Foto: Reuters
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Es gab in diesem Sommer in Amerika auch in anderen Städten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus. Es gab auch in anderen Städten Unruhen und Zerstörung. Und es starben dabei auch in anderen Städten Menschen. Zuletzt in Portland an der Westküste, wo am Wochenende das Mitglied einer rechten Miliz erschossen wurde.

Doch nirgends kommt alles auf eine Weise zusammen wie in Kenosha, einer Stadt mit 100000 Einwohnern, zwischen Chicago und Milwaukee. Nirgends wiegen die politischen Folgen dieser Tage so schwer wie hier. Was gerade am Lake Michigan geschieht, im Swing-State Wisconsin, könnte die Präsidentschaftswahl beeinflussen. Vielleicht sogar entscheiden.

Dystopischer Anblick: Bewohner laufen an einem von Demonstranten zerstörten Gebäude vorbei.
Dystopischer Anblick: Bewohner laufen an einem von Demonstranten zerstörten Gebäude vorbei.
Foto: Reuters

So zumindest sehen das Donald Trump und sein Umfeld. Als der Präsident in Kenosha ankommt, besichtigt er als erstes die Überreste eines abgebrannten Geschäfts für Büromöbel, wobei man das nur daran erkennt, weil es auf einem Schild steht: «B&L Office Furniture». Danach wird Trump in eine Schule gebracht, die nach dem Ausbruch der Proteste zu einer Einsatzzentrale für Sicherheitskräfte umgebaut wurde.

Er lobt sich erneut dafür, die Gewalt beendet zu haben, in dem er «entschiedene Schritte» unternommen habe. Er spricht von «einheimischen Terroristen», die für die Zerstörung in Kenosha verantwortlich seien. Und er stellt sich unmissverständlich gegen die «Black Lives Matter»-Bewegung: «Verantwortungslose Linkspolitiker behaupten weiterhin, dass unsere Polizeikräfte rassistisch seien. Wir müssen diese gefährliche Anti-Polizei-Rhetorik verurteilen.» Zu den Schüssen auf Jacob Blake, zu den Schüssen auf zwei Demonstranten sagt er nichts.

Bidens Amerika – oder Trumps Amerika?

Da ist sie wieder, die Botschaft, die Trump nun schon seit seit Wochen verkündet: Wo die Demokraten regieren, herrscht das Chaos. Wenn er über die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus spricht, vermischt er immer alles: Demonstranten, Bürgerrechtler, Brandstifter, Plünderer. Bei Trump gibt es da keinen Unterschied. Falls der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden die Wahl gewinne, sei kein Amerikaner mehr sicher, dann sehe es überall aus wie in Portland oder Kenosha.

Joe Biden weiss, dass der Präsident die Unruhen nutzt, um seinen Wahlkampf wieder zu beleben. Also geht er in die Gegenoffensive. Trump sei ein Sicherheitsrisiko, sagte er am Montag: «Trump behauptet, diese Bilder zeigten Bidens Amerika, aber sie zeigen Trumps Amerika.» Aber als Biden das sagt, steht er weit weg, in einer Halle in Pittsburgh. In der Schlacht der Bilder kommt er damit gegen Trump und seine Inszenierung in Kenosha nur schlecht an.

Es gibt auch hoffnungsvolle Botschaften: «Kenosha, bewahre deinen Mut trotz allem.»

Vordergründig hat sich die Lage in Kenosha wieder beruhigt, die Proteste wurden kleiner, ab 19 Uhr ist Ausgangssperre, die von Nationalgardisten durchgesetzt wird. Aber die Wut, Angst und Verzweiflung vieler Einwohner ist spürbar. Die Spuren der Verwüstung sind nicht zu übersehen.

Gewalt und Zerstörung: Abgebrannte Gebäude nach den Ausschreitungen in Kenosha.
Gewalt und Zerstörung: Abgebrannte Gebäude nach den Ausschreitungen in Kenosha.
Foto: Keystone

Im überwiegend schwarzen Viertel Uptown wurde an manchen Stellen fast jedes zweite Geschäft beschädigt, geplündert oder zerstört. Es sind Anwohner und Helfer da, die Schutt und Trümmer aus abgebrannten Gebäuden tragen. Fast überall sind Fenster und Türen der Häuser mit Brettern verschlagen. Manche sind bunt und kunstvoll bemalt, auf andere haben Menschen Botschaften geschrieben: «Oben wohnen Kinder» oder «Hier leben Familien». Sätze der Verzweiflung, gerichtet an die Brandstifter der ersten Nächte. Aber da sind auch andere Botschaften, hoffnungsvollere. #KenoshaStrong, steht da, und: «Kenosha, bewahre deinen Mut trotz allem.»

Den Mut bewahren, das merkt man in Kenosha schnell, ist für viele nicht einfach. Auch nicht für Diego Salais. Er steht in Uptown vor dem Eingang des Geschäfts, das seine Familie führt. Sie verkauft dort Waschmaschinen, jene amerikanischen Modelle, die zwar imposant aussehen, aber weniger imposant waschen.

Die Familie Salais hatte Glück: In ihren Laden wurde zwar während der Unruhen eingebrochen, ein Laptop und Bargeld aus der Kasse kamen weg, aber das Gebäude steht noch. Salais ist 22 Jahre alt, er zeigt jetzt auf das Matratzengeschäft gleich gegenüber: Es ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. «Ich verstehe es nicht», sagt er. «Fast alle Geschäfte hier gehören Schwarzen oder Latinos. Wem nützt diese Zerstörung? Wie soll das der Sache helfen?»

«Wem nützt die Zerstörung?»: Diego Salais, dessen Familie ein Geschäft führt.
«Wem nützt die Zerstörung?»: Diego Salais, dessen Familie ein Geschäft führt.
Foto: Alan Cassidy

Mit der Sache meint Diego Salais den Kampf gegen Polizeigewalt und Rassismus, den er eigentlich unterstützt, auch wenn er selbst nicht demonstrieren gegangen ist. «Wohl fast jeder hier hat mit denen ungute Erfahrungen gemacht», sagt er und schaut rüber zu den zwei Polizeiautos, die vor dem abgebrannten Matratzenladen stehen. Aber was sollen die Ausschreitungen? «Das bestätigt doch nur die, die ohnehin alle Demonstranten als Krawallbrüder abtun. Leute wie Trump.» Bürger in Uptown reden so, besonders diejenigen, die von den Zerstörungen direkt betroffen sind.

«Ich verstehe, warum es zu Unruhen gekommen ist», sagt dagegen Jake Henkel, der Geschichtslehrer. Vier Jahre sei es her, dass der Footballer Colin Kaepernick während der Nationalhymne das erste Mal in die Knie gegangen sei, um gegen Polizeigewalt zu protestieren. «Ein friedlicher Protest», sagt Henkel. «Und was hat die Rechte in diesem Land getan? Sie hat Kaepernick und alle, die es ihm gleichtun, verteufelt.» In den Augen vieler weisser Amerikaner hätten die Schwarzen die Ungerechtigkeiten einfach schweigend hinzunehmen. «Es gibt keine Form des Protests, die von diesen Leuten akzeptiert wird», sagt Henkel, «auch keine friedliche.»

Trump verteidigt Todesschützen

Wie unterschiedlich all dies auch politisch behandelt wird, sieht man an Donald Trump. Der Präsident verurteilt Gewalt vor allem dann, wenn sie von linken Gruppen kommt, so wie am Wochenende in Portland. Er schweigt dagegen, wenn die Gewalt aus dem rechten, rassistischen Spektrum kommt. Er gibt sich sogar Mühe, sie zu rechtfertigen. Trump erklärte am Montag Kyle Rittenhouse, den Schützen von Kenosha, mehr oder weniger zum Opfer: «Es sah so aus, als wäre er vor den Demonstranten davongerannt. Und ich schätze, er fiel zu Boden und sie haben ihn heftig angegriffen», sagte er. Hätte Rittenhouse nicht geschossen, «er wäre wohl gestorben». Mit anderen Worten: ein Fall von Notwehr.

Einige konservative Medien verbreiten seit Tagen diese Version. Der Fox-News-Moderator Tucker Carlson fragte: «Sollten wir wirklich schockiert darüber sein, dass 17-Jährige mit Gewehren für Ordnung sorgen wollten, wenn es sonst niemand tut?» Wenn alles ausser Kontrolle ist, sind auch Milizen recht. Das war schon die Botschaft, die Trumps Republikaner an ihrem Parteitag vermittelten, als ein weisses Paar auftreten durfte, das einige Wochen zuvor in St. Louis mit geladenen Waffen auf «Black Lives Matter»-Demonstranten zielte.

Klima der Gewalt: Szene aus der Krawallnacht vom 25. August in Kenosha.
Klima der Gewalt: Szene aus der Krawallnacht vom 25. August in Kenosha.
Foto: Getty Images

Das heisst allerdings nicht, dass diese Botschaft nicht von vielen Amerikanern geteilt wird gerade von solchen, die in Kenosha leben. Shelley Morin steht einen Tag vor Trumps Besuch vor einem grossen Parkplatz und schaut auf all die ausgebrannten Autowracks. Das Gebrauchtwagengeschäft wurde vergangene Woche angezündet. Morin wohnt ihr ganzes Leben in Kenosha, «da drüben bin ich zur Schule gegangen, und meine Kinder auch». Was sie in diesen Tagen hier gesehen hat, macht sie traurig und wütend. «Stellen Sie sich vor, in Ihrer Heimatstadt passiert so etwas. Das wünscht man niemandem.»

Shelley Morins Vorfahren wanderten einst aus Frankreich in die USA ein. Sie sagt, die jüngsten Ausschreitungen hätten ihr Bild von den «Black Lives Matter»-Protesten verändert. «Ich verstehe ja, was sie durchmachen», sagt Morin und meint die schwarzen Amerikaner. «Ich sehe das Problem und den Rassismus.» Und der Tod von George Floyd habe auch sie verstört. Aber in den vergangenen Tagen, als es in der Stadt brannte und die Sirenen heulten, habe sie sich zum ersten Mal nicht mehr sicher gefühlt. «Ich habe in den Selbstverteidigungsmodus geschaltet.» Morin hat eine Schusswaffe, keine Details, aber sie sagt: «Trumps Besuch kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hoffe, er setzt damit ein Zeichen für Recht und Ordnung.»

Ob Biden im November gewinnt, entscheidet sich auch in Kenosha County.

Genau dieses Zeichen ist es, das Trump am Dienstag zu setzen versucht. Er bedankt sich ausführlich bei den Polizisten und Nationalgardisten, die in der Stadt im Einsatz sind, und er kritisiert neben der Stadtregierung von Kenosha eine Reihe von weiteren demokratischen Städten – Portland, natürlich, aber auch Chicago, «ein Desaster». Wenn nur überall so rasch die Sicherheitskräfte einrücken würden, wo es Proteste gebe, dann wären die USA ein friedliches Land, behauptet Trump.

Recht und Ordnung, «law and order», Trumps Schlachtruf: Die Demokraten ärgern sich darüber, weil er ausgerechnet aus dem Mund Trumps so verlogen klingt. Aber sie fürchten sich auch davor, wegen Leuten wie Shelley Morin, die noch vor einigen Jahren Barack Obama gewählt hat und jetzt für Trump wählen will.

In Kenosha zählt jede Stimme: Das gleichnamige County ist einer der umkämpftesten Wahlkreise in einem der umkämpftesten Bundesstaaten. 44 Jahre lang hatten demokratische Präsidentschaftskandidaten hier in den Wahlen jeweils die meisten Stimmen, aber 2016 änderte sich das: Donald Trump schlug Hillary Clinton hauchdünn, mit einem Vorsprung von 255 Stimmen. Ob Biden im November gewinnt, entscheidet sich auch in Kenosha County.

Kriegsgerät auf US-Strassen: Ein Sicherheitsbeamter des Sheriff-Büros von Kenosha zielt mit einer Waffe aus einem Panzerwagen auf Demonstranten.
Kriegsgerät auf US-Strassen: Ein Sicherheitsbeamter des Sheriff-Büros von Kenosha zielt mit einer Waffe aus einem Panzerwagen auf Demonstranten.
Foto: Stephen Maturen (Reuters)

Das weiss auch Jake Henkel. Solange Trump Präsident sei, werde die Spaltung im Land nur noch grösser, sagt er. Trump wisse genau, wer sein Publikum sei. «Er weiss, dass er bei seiner Basis nur verliert, wenn er Empathie zeigt oder Kompromisse eingeht.» Nach dem Tod von George Floyd habe er Anzeichen gesehen, dass es bei seinen weissen Nachbarn ein Umdenken gegeben habe.

Aber jetzt befürchte er, dass sich die Fronten wieder verhärtet hätten. Henkel zeigt auf ein Haus am anderen Ende der Kreuzung, die Tür ist mit Brettern beschlagen. Jemand hat sie bunt angemalt und darauf geschrieben: «Time to heal» – Zeit zu heilen. «Das mag ich sehr», sagt Henkel. «Aber ich befürchte, wir sind noch nicht so weit.»

79 Kommentare
    Manni

    Trump und die USA sind nur noch mit internen Problemen beschäftigt und verabschieden sich aus der internationalen Politik.

    Die Frage ist, wer davon profitiert.