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Börsen-Absturz am DonnerstagDow Jones verliert fast 7 Prozent

Steigende Infektionszahlen in den USA und pessimistische Prognosen der US-Notenbank setzen den Märkten heftig zu. Es sind die grössten Kursverluste seit dem Ausverkauf vom März.

Wieder Richtung 25’000 Punkte: Der Dow Jones auf Talfahrt.
Wieder Richtung 25’000 Punkte: Der Dow Jones auf Talfahrt.
Foto: EPA/Justin Lane

Anzeichen für ein Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie in den USA setzen den Aktienbörsen zu. Ein pessimistischer Konjunkturausblick der US-Notenbank Fed verdarb Investoren die Laune zusätzlich. Der US-Standardwerteindex Dow Jones fiel am Donnerstag um fast sieben Prozent. Der technologielastige Nasdaq und der breit gefasste S&P 500 verloren ebenfalls massiv. Dax und EuroStoxx50 büssten jeweils mehr als vier Prozent auf 11.970 beziehungsweise 3159 Punkte ein. Das sind die grössten Kursverluste seit dem Ausverkauf vom März.

Bei Anlegern setze sich die Erkenntnis durch, dass wirtschaftliche Erholung schleppend verlaufen werde, sagte Chad Oviatt, Manager der Huntington Private Bank. Sie werde nicht wie erhofft V-förmig, sondern W-förmig sein.

«Vor der Wirtschaft liegt ein sehr unsicherer Weg», warnte Fed-Chef Jerome Powell. Ein «erheblicher Teil» der Menschen werde auf längere Zeit arbeitslos bleiben. Ausserdem signalisierte Powell langfristig niedrige Zinsen. Finanzwerte gerieten daraufhin unter Verkaufsdruck, weil niedrige Zinsen die Gewinnmargen im klassischen Kreditgeschäft schmälern. Die Aktien von Bank of America, Citigroup oder JPMorgan fielen um bis zu knapp zehn Prozent.

Zweite Welle – oder noch die erste?

Sorgen bereiteten Börsianern die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in den USA. «Dafür gibt es aber kaum Anzeichen», sagte Edmund Shing, Chef-Anlagestratege für Aktienderivate bei der Bank BNP Paribas. Schliesslich sei der aktuelle Anstieg nicht in den bisherigen Hotspots wie New York zu verzeichnen. Ein zweiter landesweiter Lockdown sei daher nicht zu erwarten.

Die Industriestaaten-Organisation OECD warnte, eine zweite Infektionswelle könne die wirtschaftliche Erholung deutlich verlangsamen. Damit wäre dem Auslöser der jüngsten Börsenrally – die Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Pandemie-Folgen – die Grundlage entzogen, sagte Sean O'Hara, Manager beim Fondsanbieter Pacer ETF Distributors.

Besorgte Trader: Die Aussichten der US-Notenbank Fed sind pessimistisch.
Besorgte Trader: Die Aussichten der US-Notenbank Fed sind pessimistisch.
Foto: EPA/Justin Lane

Vor diesem Hintergrund flogen Touristik- und Freizeitwerte wieder in hohem Bogen aus den Depots. Am härtesten traf es die Aktien der Kreuzfahrt-Anbieter Carnival, Royal Caribbean und Norwegian. Sie brachen zeitweise um bis zu 20 Prozent ein. Die Analysten der Bank JPMorgan sagten jedoch voraus, dass das Geschäft im kommenden Jahr wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen werde. Der Durchschnittsamerikaner habe eine hohe Risiko-Toleranz. Ausserdem seien viele Kreuzfahrt-Teilnehmer Wiederholungstäter.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch Uber und Lyft. Den kalifornischen Behörden zufolge gelten die Fahrer der Fahrdienstvermittler in dem US-Bundesstaat künftig als Angestellte statt als Subunternehmer. Damit haben sie unter anderem Anspruch auf Sozialleistungen. Die Papiere von Uber und Lyft rutschten um bis zu neun Prozent ab.

Auch Kupfer und Öl unter Druck

Der Konjunkturpessimismus der Investoren spiegelte sich auch am Rohstoffmarkt wider. Das wichtige Industriemetall Kupfer verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 5752,50 Dollar je Tonne. Die US-Ölsorte WTI büsste beinahe neun Prozent auf 36,06 Dollar je Barrel (159 Liter) ein. Hier laste das Rekordhoch der US-Lagerbestände zusätzlich auf den Preisen, sagten Börsianer.

Einige Anleger flüchteten in «sichere Häfen» wie Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen US-Bonds auf 0,674 von 0,748 Prozent. Die Schweizer Währung war ebenfalls gefragt. Dadurch fiel der Kurs des Dollar zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 0,9372 Franken. Die «Antikrisen-Währung» Gold konnte ihre jüngsten Kursgewinne dagegen nicht halten und verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 1728,21 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Nach Einschätzung von Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda, handelte es sich um Gewinnmitnahmen.

Reuters

21 Kommentare
    Sacha Meier

    Die gnädigen Herren Ökonomen müssen halt weniger pessimistisch sein. Wenn die nicht nur das Coronavirus überlebensgross an die Wand malen und mit lauter düsteren Prognosen beschwören, muss sich auch niemand darüber wundern, dass die Anleger kalte Füsse bekommen und soviel ihrer Gewinne mitnehmen, wie sie nur können. Das lässt dann die Börsen stürzen. Vielleicht sollten sich diese Wirtschaftsauguren Rat bei ihren chinesischen Kollegen holen. Die spornen die Wirtschaft ständig mit lauter optimistischen Einschätzungen an. Einenen Wirtschaftseinbruch von 10% kann man ja viel optimistischer als «robuste Wirtschaft, die sich trotz widriger Umstände bei erstaunlichen 90% ihrer Kapazität halten kann» verkaufen. Und wenn es sein muss, könnten die Herren Prpheten die eine, oder andere Kennzahl noch ein ganz klein wenig aufhübschen. Präsident Trump macht ja so etwas mit seinen alternativen Fakten jeden Tag auf Twitter. ;-)