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Kritik an SicherheitsdirektionAdliswiler Asylarzt verliert Mandat

Markus Fritzsche aus Adliswil ist nicht mehr Asylarzt. Er glaubt, ihm sei gekündigt worden, weil er Kritik geäussert hat. Das Sozialamt widerspricht.

In der Notunterkunft für abgewiesene Asylbewerber in Adliswil sollten nach Ansicht von Hausarzt Markus Fritzsche alle Bewohner auf eine Corona-Infektion getestet werden.
In der Notunterkunft für abgewiesene Asylbewerber in Adliswil sollten nach Ansicht von Hausarzt Markus Fritzsche alle Bewohner auf eine Corona-Infektion getestet werden.
Archivfoto: Kurt Heuberger

In den Zürcher Notunterkünften für abgewiesene Asylbewerber sei der Corona-Schutz kaum möglich, so kritisierte der Adliswiler Arzt Markus Fritzsche Anfang April die Sicherheitsdirektion in einem Artikel des «Tages-Anzeigers». Zu diesem Schluss kam Fritzsche, nachdem er mehrere Patientinnen und Patienten der Notunterkunft in Adliswil behandelt hatte. «Der Kanton reagiert extrem dilettantisch auf die Bedrohung», liess sich der Adliswiler Arzt damals zitieren. Seiner Meinung nach müssten alle Bewohner der Unterkunft getestet werden. Diese Forderung widerspreche klar den Vorgaben der Gesundheitsbehörden, hält Sozialamtschefin Andrea Lübberstedt dagegen fest.

Nun hat ihm die Sicherheitsdirektion das Mandat für die Betreuung von abgewiesenen Asylsuchenden per Ende Woche entzogen. Dies berichtet erneut der «Tages-Anzeiger». In dem Schreiben an Fritzsche werfe Andrea Lübberstedt die Frage auf, ob der Arzt das Berufsgeheimnis verletzt habe. Und sie zeige sich irritiert, dass sie via Medienschaffende von der kritischen Haltung des Arztes erfahren musste.

Sieben Personen Corona-positiv

Im gleichen Artikel weist der Anwalt von Markus Fritzsche die Anschuldigungen zurück und kritisiert den Umgang mit Whistleblowern, die nach wie vor gerüffelt und entlassen würden. Die Frage mit dem Arztgeheimnis kontert Fritzsche selbst: Er habe sich davon schriftlich entbinden lassen. Markus Fritzsche betreute als Hausarzt 30 Jahre lang Asylsuchende.

Das Sozialamt hält auf Anfrage fest, die Zusammenarbeit mit dem Arzt werde nicht beendet, weil er «angebliche Missstände angesprochen hat». Es sei Aufgabe des Kantons, die ärztliche Betreuung der Menschen in den Rückkehrzentren fachlich einwandfrei und unter Achtung der gesetzlichen Vorgaben zu gewährleisten. Dazu gehöre insbesondere, dass der Arzt jederzeit in der Lage sein müsse, seine Aufgaben zugunsten der abgewiesenen Asylsuchenden wahrzunehmen. Im vorliegenden Fall bestünden grosse Zweifel, so das Sozialamt. Entsprechend prüfe die Gesundheitsdirektion auch die aufsichtsrechtlichen Aspekte gegenüber dem Arzt.

Nach Angaben von Daniel Winter, Sprecher der Sicherheitsdirektion, wurden von den rund 600 Bewohnerinnen und Bewohnern aller Asylzentren des Kantons sieben Personen positiv auf Corona getestet. Sie befanden oder befinden sich in der separaten Station mit Krankenzimmern im Erlenhof in Zürich.