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Kehrtwende in letzter MinuteAufschub für Besetzer auf dem Juch-Areal in Zürich

Die Besetzer auf dem Juch-Areal müssen das Areal nicht wie angekündigt bis am Freitagabend räumen. Die Stadt Zürich hat die Frist bis 22. Mai verlängert.

Besetztes Juch-Areal, Zürich-Altstetten, 1.11.2019, Foto Dominique Meienberg
Besetztes Juch-Areal, Zürich-Altstetten, 1.11.2019, Foto Dominique Meienberg
© Dominique Meienberg

Eine aktuelle Lagebeurteilung habe gezeigt, dass sich auf dem Areal mehr Personen aufhielten als ursprünglich angenommen, teilte das Sozialdepartement der Stadt am Freitagnachmittag mit.

Der fristgerechte Auszug der Bewohner könne unter den aktuellen coronabedingten Einschränkungen nicht sichergestellt werden. Mit dem Aufschub soll den Besetzerinnen und Besetzern ein gestaffelter Auszug ermöglicht werden.

Aral für Bauplatzinstallationen nutzen

In der Mitteilung des Sozialdepartements wird über die Nutzungspläne informiert. Die HRS Real Estate AG als Generalunternehmerin für den Bau der neuen Eishockeyarena auf dem benachbarten Grundstück wolle das Juch-Areal während der Bauzeit für Bauplatzinstallationen nutzen. Dafür wolle sie das Gelände während rund zweieinhalb Jahren von der Stadt mieten.

Die ehemaligen Gastarbeiterunterkünfte auf dem Juch-Areal wurden bis Ende September 2019 für die Unterbringung von Asylsuchenden genutzt. Geplant war laut Mitteilung, die Gebäude nach einer Sanierung weiterhin so zu nutzen. Im Oktober wurde das Areal jedoch besetzt. Zwischenzeitlich wurde festgestellt, dass eine Bodenabsenkung eines der Gebäude beschädigt hatte.

Das Areal und das betroffene Gebäude könnten nicht mit einem vertretbaren Aufwand saniert werden und liessen auch keine längerfristige Besetzung zu, heisst es in der Mitteilung.

SP, Grüne und AL Stadt Zürich hatten zuvor in einer gemeinsamen Mitteilung vom Freitagmorgen die angekündigte Räumung des Areals kritisiert. Ein Abriss auf Vorrat sei zu vermeiden. Die Kehrtwende des Sozialdepartementes wurde von der SP Stadt Zürich «erfreut» zur Kenntnis genommen, teilte die Partei am Freitagnachmittag mit.

FDP: «Stadtrat gibt sich der Lächerlichkeit preis.»

Genau umgekehrt entwickelte sich die Gefühlslage bei der FDP der Stadt Zürich. Zunächst war sie erleichter über die Ankündigung, die Besetzung werde am Freitag beendet. Schliesslich hatte die Partei schon im vergangenen November eine sofortige Räumung verlangt.

Die Enttäuschung folgte dann am Freitag. Der rot-grüne Stadtrat sei unmittelbar vor Ablauf der Frist vor den Besetzerinnen und Besetzern eingeknickt. Statt das Areal für einen sinnvollen Zweck zu vermieten, werde nun weiterhin ein rechtsfreier Raum toleriert. Im Endeffekt würden das mit Steuergeldern finanziert, kritisiert die FDP.

Die Begründung des Stadtrats für die Verlängerung der Frist sei fadenscheinig. Weder würden sich zahlreiche Leute auf dem Areal aufhalten, noch könne man ernsthaft glauben, dass sich für die Besetzer keine andere Bleibe fände. Als Alternative bliebe schliesslich auch noch das riesige, seit 2013 mit stadträtlichem Segen besetzte Koch-Areal ebenfalls in Zürich-Altstetten. «Der Stadtrat lässt sich an der Nase herumführen und gibt sich der Lächerlichkeit preis», schreibt die FDP in ihrer Mitteilung.

SDA