«Du schläfst, isst, blickst auf den Ozean»

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg ist per Jacht unterwegs nach New York zum Weltklimagipfel. Ein kleiner Reisebericht über ein grosses Unterfangen.

Die Weltöffentlichkeit verfolgt Thunberg mittlerweile  auf Schritt und Tritt. Bild: Twitter/Greta Thunberg

Die Weltöffentlichkeit verfolgt Thunberg mittlerweile auf Schritt und Tritt. Bild: Twitter/Greta Thunberg

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Am 20. August 2018 begann die damals 15-jährige Schwedin Greta Thunberg mit ihrem Sitzstreik vor dem schwedischen Parlament in Stockholm, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Der stille Protest einer Einzelkämpferin erhielt eine Dynamik, die sich in eine Weltbewegung (Fridays for Future) verwandelt hat. Aus der einst unbekannten Klimaaktivistin wurde eine Kandidatin für den Friedensnobelpreis – ihrem Vorbild zum Klimaprotest folgen Abertausende vor allem jüngere Menschen in aller Welt.

Knapp ein Jahr später ist Greta Thunberg mit der Hightechjacht Malizia II unterwegs nach New York. (Artikel: Auf dieser Jacht segelt Greta Thunberg über den Atlantik)

Die aktuelle Position der Malizia II. Quelle: Windy.com

Auf der anderen Atlantikseite warten unter anderem der UNO-Klimagipfel in New York (23. September) und die Weltklimakonferenz in Chile (ab 2. Dezember) auf sie. Thunberg nimmt für all das ein Jahr Schulpause, um sich in Übersee ausschliesslich aufs Klima konzentrieren zu können.

Per Twitter und Instagram geben Thunberg und der deutsche Segelprofi Boris Herrmann, einer der insgesamt fünf Personen an Bord, Einblicke in den Verlauf des Törns über den Grossen Teich. Eine Auswahl:

Tag 10: Live von der Malizia

Die Fünftklässler einer Hamburger Schule erleben eine unvergessliche Unterrichtsstunde. Sie erhalten eine E-Mail von Herrmann und Greta, die Fragen der Schüler beantwortet hatten. Zudem halten sie mit dem deutschen Skipper eine Videokonferenz ab und dürfen weitere Fragen stellen. Nur Greta bekommen sie nicht live zu sehen: Auf dem Atlantik geht erst die Sonne auf, Greta schläft noch. Den Sonnenaufgang hält Herrmann fotografisch fest.

Tag 9: Wind, Chantal und Seglerhände

Für Skipper Boris Herrmann dürfte die Überfahrt etwas schneller vorangehen. Er postet ein Foto, auf dem er einen telefonischen Bestellvorgang inszeniert. Allerdings verlangt der Deutsche nicht nach Pizza, sondern nach Wind.

Zuvor erklärte Herrmann, wie er den Atlantiksturm Chantal umschiffen will.

Derweil beschäftigten Greta die Waldbrände im Amazonasgebiet: «Sogar hier draussen mitten im Atlantik höre ich von der Rekordzahl der verheerenden Brände im Amazonasgebiet. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen. Unser Krieg gegen die Natur muss beendet werden», schreibt sie auf Twitter.

Ihre Bewegung «Fridays for Future» wirft Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro vor, mit seiner Umweltpolitik zu den Feuern beizutragen. Dessen Regierung sehe den Amazonasregenwald lediglich als «Milchkuh». Unter dem Schlagwort «SOS Amazonas» rief die Bewegung dazu auf, am Freitag vor diplomatischen Vertretungen Brasiliens in aller Welt zu demonstrieren.

Dass die Tour auch eine Tortur ist, zeigt ein Bild von Skipper Herrmanns «Seglerhänden» – Schrumpelhaut mit aufgerissenen Blasen.

Tag 8: In der Zeit verloren

«Auf See verliert man wirklich das Zeitgefühl und kann die Tage nicht trennen. Du schläfst, isst, siehst auf den Ozean», schreibt Greta.

Ihre Bilder und Kommentare werden von der Weltöffentlichkeit verfolgt und lösen sofort kontroverse Diskussionen aus: «Zeitverschwendung» und «Lehrer warten auf dich», heisst es von der einen Seite, «wir sind alle im selben Boot» und «du könntest die Menschheit vor dem Aussterben retten», tönt es von der anderen.

Derweil outet sich Skipper Herrmann als «grosser Greta-Fan». Dies erzählt er während eines TV-Interviews mit dem ARD-Morgenmagazin. Thunberg halte sich hervorragend und sei vor allem nicht seekrank, verrät er weiter.

Tag 7: Halbzeit, Fan und ein Tippspiel

Greta steht am Bug der Jacht und lächelt in die Kamera. Dazu schreibt sie, dass sie bei angenehmen Bedingungen auf halbem Weg über dem Atlantik sei.

Es ist der 20. August 2019. Greta erinnert an den Beginn ihres Protestes, der vor einem Jahr vor dem Reichstag in Stockholm begonnen hatte, und verbreitet die Durchhalteparole: «Und wir werden so lange weitermachen wie nötig. »

Wann wird die Malizi II in New York City ankommen? Die Besatzung ist sich uneinig, wie ein Bild von Herrmann preisgibt. Sie lancierte ein Spiel namens «Navigators Trophy» – mit Tipps zur Ankunftszeit. Co-Skipper Pierre Casiraghi, der Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco, schätzt, dass New York am 26. August um 12 Uhr erreicht wird; Filmemacher Nathan Grossmann glaubt, zwei Tage und fünf Stunden später Festland betreten zu können.

Tag 6: Gruppenbild mit Mädchen und Achterbahn II

Strahlender Sonnenschein und gute Stimmung an Bord: Greta postet ein Gruppenbild.

Herrmann zeigt Bilder von seinem Co-Skipper Casiraghi an Deck der Maliza. «Manche sagen, es sei wie eine Achterbahnfahrt, andere nennen es schlicht ‹Surfin' to the USA›», schrieb Herrmann dazu.

Tag 5: Mondsurfen, Sonntagsessen und Kniebeugen

Greta postet ihre genaue Position. Demnach befindet sie sich mitten im Ozean, Höhe Nordspanien und der Inselgruppe der Azoren. Zu ihrem Bild schreibt sie: «Ein sonniger Tag mit angenehmen Winden.»

Etwas ausführlicher berichtet Skipper Herrmann. Man bereite sich auf ein schönes Sonntagsessen vor. Letzte Nacht habe man 24 Knoten unter dem hellen Mond gesurft. Das Team schlafe gut und habe sich auf diesen besonderen Lebensstil des Achterbahncampings eingestellt. «Zähne putzen, Kniebeugen und Musik spielen und den ganzen Tag mit Pierre plaudern», tweetet Herrmann.

Tag 4: Achterbahn I

Die Klimaaktivistin schreibt: «Gut gegessen und geschlafen und bislang nicht seekrank. Das Leben auf der Malizia II ist wie Camping in einer Achterbahn!»

Tag 3: Es ist Freitag und die Beatles

Der Schulstreik fürs Klima macht auch auf hoher See nicht Pause. Greta lässt sich mit ihrem Plakat «Skolstrejk för Klimatet» ablichten. In diesen 52 Wochen sei sie zur wahrscheinlich einflussreichsten Jugendikone seit den Beatles geworden, schreibt der Spiegel.

Tag 2: Tierische Begleiter und Zeitlupenleben

Greta meldete sich zu Wort: «Eine holperige Nacht, aber ich habe überraschend gut geschlafen. Einige Delfine sind letzte Nacht aufgetaucht und haben unser Boot begleitet.»

Skipper Herrmann bestätigt: «Die Nacht war lebhaft und rau, aber meistens kam jeder zu etwas Schlaf.» Man versuche sich auf dem Boot zu organisieren. Alles spiele sich in Zeitlupentempo ab: Anziehen, kochen etc.» Man werde sich daran gewöhnen, so Herrmann.

Tag 1

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat ihre erste Nacht auf dem Atlantik überstanden. Die Hochseejacht Malizia hatte es bis zum frühen Donnerstagmorgen rund 65 Seemeilen weit Richtung Westen geschafft. (Zum Artikel)

Thunberg will nach ihrer Ankunft in den USA auf dem Weg nach Chile Halt in Kanada, Mexiko und weiteren Ländern machen. Dorthin will sie mit dem Bus und Zug reisen. Für die Rückreise nach Europa steht eine Reise mit einem Containerschiffs zur Debatte. (nag/Mit Material der SDA)

Erstellt: 23.08.2019, 14:28 Uhr

Haben wir Grund zur Panik?

Der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist für die überwiegende Mehrzahl der Wissenschaftler eine unbestreitbare Tatsache. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hält die Lage für so gefährlich, dass sie sagt: «Ich will, dass ihr in Panik geratet.»

Für die grösste Partei der Schweiz, für rechtskonservative Kräfte in Europa und für den amerikanischen Präsidenten werden die steigenden Temperaturen hingegen missbraucht, um irrationale Ängste zu schüren und politische Propaganda zu betreiben.

Wie schlimm ist die Lage wirklich? Was ist zu tun? Welche Schweizer Partei hat die besten Konzepte, um den Klimawandel einzudämmen? Und sind die Streiks der Klimajugend das richtige Mittel?

Über diese und andere Fragen debattieren:

Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz.

Marcel Hänggi, Wissenschaftsjournalist, Sachbuachautor und Mitinitiant der Gletscherinitiative.

Rahel Ganarin, Geografin und Aktivistin der Klimastreik-Bewegung.

Christian Imark, Nationalrat der SVP aus dem Kanton Solothurn.

Moderation: Sandro Benini, Redaktor Meinungen&Debatte, Tages-Anzeiger.

28. August, Kaufleuten, Pelikanplatz Zürich. Türöffnung 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr.

Hier Eintrittskarten bestellen.

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