Fall Epstein: Justizminister spricht von «schwerwiegenden Verstössen»

William Barr prangert Fehler bei der Überwachung von Jeffrey Epstein an. Er spricht von Versagen.

Spricht von Wut und Entsetzen: Trumps Justizminister William Barr. Video: Tamedia/AP

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Gemäss US-Justizminister William Barr haben Ermittler von «schwerwiegenden Verstössen» im New Yorker Gefängnis erfahren, in dem Jeffrey Epstein tot aufgefunden worden ist. Barr sagte am Montag auf einer nationalen Polizeikonferenz in New Orleans, er sei entsetzt und wütend, über das «Versagen des Metropolitan Correctional Center», für den Schutz des Gefangenen zu sorgen.

Die Bundespolizei FBI und die interne Kontrollbehörde des Justizministeriums würden den Vorgang nun aufklären, sagte Barr. «Wir werden herausfinden, was passiert ist.» Falls angezeigt, würden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Am Sonntag hatte ein Bericht der «New York Times» zu neuen Spekulationen geführt. Epstein, der im Hochsicherheitsgefängnis, das auch als «Guantanamo von New York» bezeichnet wird, mutmasslich Suizid beging, hätte alle 30 Minuten von Wachen überprüft werden sollen. Dieses Verfahren wurde aber in der Nacht, bevor er gefunden wurde, nicht befolgt, sagte ein mit Epsteins Haftbedingungen vertrauter Strafverfolgungsbeamte der Zeitung.

Zusätzlich hatte das Gefängnis Epsteins Zellengenossen offenbar versetzt und dem Multimillionär erlaubt alleine eine Zelle zu beziehen. Dies nur zwei Wochen nachdem er wegen Suizidgefahr überwacht worden war. Eine Entscheidung, die die normalen Regeln des Gefängnisses verletze, sagten zwei Beamte der «New York Times».

Opfer wollen weiter klagen

Die mutmasslichen Opfer von Jeffrey Epstein wollen auch nach dessen mutmasslichem Suizid weiter um Gerechtigkeit kämpfen. Das teilten mehrere Anwälte mit. Am Samstag war bekannt geworden, dass der Multimillionär Epstein im Gefängnis gestorben war, offenbar durch Selbsttötung. Er sass wegen des Verdachts auf den Missbrauch Minderjähriger in Haft. Epstein soll von 2002 bis 2005 Dutzende junge Mädchen selbst missbraucht, aber auch an andere mutmassliche Täter vermittelt haben. Im Zuge der Ermittlungen weitete sich der Verdacht noch aus.

«Epstein ist weg, aber Gerechtigkeit muss trotzdem hergestellt werden», sagte Jennifer Araoz, eines der mutmasslichen Opfer. Sie wirft Epstein vor, sie als 15-jährige Schülerin in New York vergewaltigt zu haben. «Wir müssen mit den Narben seiner Taten für den Rest unseres Lebens klarkommen, aber er wird nie die Konsequenzen seiner Verbrechen spüren.»

«Jeffrey Epsteins Opfer wurden wieder einmal um die Gelegenheit betrogen, Gerechtigkeit herzustellen», sagte Jack Scarola, ein Anwalt aus Florida, der fünf mutmassliche Opfer vertritt. Mit seinem Tod seien wichtige Informationen zu möglichen Verbrechen für immer verloren, sagte Scarola. Mehrere Anwälte sagten aber auch, dass die Frauen nun gegen Epsteins Erben und mögliche Helfer vorgehen könnten, um entschädigt zu werden. Josh Schiller etwa, dessen Kanzlei neun mutmassliche Opfer vertritt, sagte, es sei möglich, dass «andere, die sich dazu verschworen haben, Epstein zu schützen, Beweise zu zerstören, Zeugen zu bezahlen oder auf andere Art und Weise den Mädchenhandel und pädophilen Missbrauch zu unterstützen», vor Gericht gebracht würden.

Die Opferanwältin Lisa Bloom appellierte mit Blick auf anstehende Schmerzensgeldklagen an Epsteins Nachlassverwalter, das Vermögen des Finanzberaters einzufrieren. Die Leben der Opfer seien durch dessen sexuelle Übergriffe zerstört worden, schrieb sie auf Twitter, «sie verdienen JETZT volle und faire Kompensation».

Ermittlungen von FBI und Untersuchung im Justizministerium

Kurz nachdem US-Medien den Tod des Unternehmers vermeldet hatten, begannen die Spekulationen über die Umstände. Vor allem in den sozialen Medien kursieren seitdem diverse Verschwörungstheorien darüber, ob Epstein wirklich Suizid begangen habe oder nicht. Für grosse Empörung sorgte dabei US-Präsident Donald Trump, der einen Tweet des ihm nahestehenden Comedians Terrence Williams retweetete. Williams legte in seinem Tweet nahe, dass Bill Clinton etwas mit dem Tod zu tun gehabt haben soll. Epstein habe «Informationen» über den Ex-Präsidenten gehabt – und nun sei er tot.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte im Juli Anklage gegen den Finanzberater und Multimillionär erhoben. Er wird beschuldigt, zwischen 2002 und 2005 mehr als 80 minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Epstein habe in New York und Florida einen illegalen Menschenhandelsring aufgebaut, heisst es in der Anklageschrift. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit grossen Summen Bargeld angelockt worden. Epstein drohten bis zu 45 Jahre Haft. Er hatte auf nicht schuldig plädiert. (sz)

Erstellt: 12.08.2019, 18:15 Uhr

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