«Marty McFly» stiehlt Macron bei Militärparade die Show

Das fliegende Skateboard des Kultfilms ist Wirklichkeit geworden: Mit seinem «Flyboard Air» war Franky Zapata der heimliche Star am französischen Nationalfeiertag.

Franky Zapata fliegt auf der Avenue des Champs-Élysées mit seinem «Flyboard Air» – mit dem Eiffelturm im Hintergrund. (Foto: Charles Platiau/Reuters)

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Gerade ist der Mensch noch dabei, sich an all die E-Roller, Segways und Hoverboards in seinen Städten zu gewöhnen, schon steht der nächste Wahnsinn an: der umherfliegende Soldat, wie er jetzt auf der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag in Paris zu beobachten war. Gut, so neu ist die menschliche Drohne natürlich nicht, schon 1984 sauste ein Raketenmann zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele durch das Stadion von Los Angeles. Doch nun wurde der Ikarus-Mythos noch einmal neu befeuert, vom Franzosen Franky Zapata. In 20 Metern Höhe flog dieser unweit von Eiffelturm, Arc de Triomphe und Ehrentribüne martialisch mit Helm und Waffe hin und her, auf dem von ihm entwickelten «Flyboard Air».

Monsieur Zapata gehörte seit früher Jugend zu den etwas anstrengenden Menschen, die während des Sommerurlaubs den lauten Jet-Ski der ruhigen Luftmatratze vorziehen. Erst fuhr er Rennen auf dem Meer, dann liess er sich und andere an diversen Küsten von Wasserdüsen aus der Brandung schiessen – auch für andere Strandhektiker wurde derlei bald zum Muss, neben Kreisch-Touren auf der Boots-Banane oder der johlenden Fahrt mit dem Parasailing-Gleitschirm.

2016 dann startete Zapata die Entwicklung seines nun auf der Avenue des Champs-Élysées vorgestellten «Flyboard Air». Trotz hoher Entwicklungskosten und juristischer Streitereien für ihn sicher eine einträgliche Sache: Bei Zapatas Firma sollen mehrere Zehntausend Bestellungen eingegangen sein. Das französische Militär will mit seinen Flugschüsseln nun offenbar feindlichen Drohnenschwärmen trotzen. Das erinnert an den berühmten Satz Albert Einsteins: «Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.» Wie der «Silver Surfer» aus dem Marvel-Universum glitt der aus Marseille stammende Zapata, 40 Jahre alt, 1,68 Meter gross und 73 Kilo schwer, ausgesprochen öffentlichkeitswirksam durch Emmanuel Macrons Nationalfeiertag. Für die 4300 Soldaten, 39 Hubschrauber und 237 Pferde zwischen Triumphbogen und Place de la Concorde interessierte sich da niemand mehr.

Das fliegende Skateboard – was 1989 im Kinofilm «Zurück in die Zukunft II» für das Jahr 2015 vorhergesagt worden war, ist nun also Wirklichkeit geworden. Nur, dass sie damals im Studio den jungen Michael J. Fox als Marty McFly mangels ausgereifter Tricktechnik auf seinem «Hoverboard» noch an unsichtbaren Seilen schweben lassen mussten. Zapatas kerosinbetankte Plattform hingegen braucht keine Seile mehr. Sie kann bis zu 100 Kilo schwere Körper dank ihrer fünf Mini-Düsentriebwerke bis zu 150 Meter hoch steigen lassen. Und das sechs Minuten lang, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 140 Kilometern pro Stunde. Ob das ausreicht, bereits am 25. Juli den Ärmelkanal zu überwinden, wie Zapata es angeblich plant – das wird sich zeigen. Nicht von ungefähr wird das tragische Ende des Ikarus, der mit seinen Wachsflügeln der Sonne zu nahe kam, seit Jahrtausenden als göttliche Strafe für menschlichen Übermut gedeutet.

Von Ikarus bis Raketenrucksack

Wie ein Vogel abzuheben, dieser alte Traum des Menschen bleibt ungebrochen – allen Gefahren zum Trotz. Erst Ikarus, dann Leonardo, dann Otto Lilienthal, heute das Handyspiel «Subway Surfers», in dem der junge Held ebenfalls auf einer Art Flyboard durch die Gegend saust. Wäre es nicht tatsächlich toll, abzuheben wie James Bond in «Fireball» (1965)? Mit einem Raketenrucksack?

Damals wäre noch kein Mensch auf die Idee gekommen, mit so einem Gerät mal über den Ärmelkanal zu fliegen. Da die wasserstoffperoxidbetriebenen «Rocket-Belts» kaum mehr als ein paar Sekunden schafften, wurde die 007-Szene aus sechs einzelnen Stuntmen-Flügen zusammengeschnitten, das hässliche Pfeifen wurde später durch das Geräusch eines Feuerlöschers ersetzt. Einer der Stuntmen war damals William P. Suitor, der knapp 20 Jahre später auch ins Stadion von Los Angeles einflog. Mittlerweile geniesst Suitor, 74, die Ruhe der Natur und malt am liebsten Enten. Er dürfte froh darüber sein, dass es ihm nicht so erging wie später den Tauben, die im Stadion von Seoul in der Flammenschale gelandet waren, kurz bevor diese zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1988 feierlich entzündet wurde.

Das Spiel mit dem Feuer – es fasziniert den Menschen halt schon seit seiner Kindheit. Deshalb findet er bewaffnete Kerosin-Typen, die in Paris während der Militärparade plötzlich über die Strasse fliegen, auch einfach nur toll. Obwohl ihm vor denen eher grausen sollte.

Denn beim Spiel mit dem Feuer gewinnt meist: das Feuer.

Erstellt: 16.07.2019, 09:31 Uhr

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