Pakistan will indischen Piloten am Freitag freilassen

Der pakistanische Premier bezeichnet die bevorstehende Freilassung des Kampfpiloten als «Geste des Friedens».

Die pakistanische Armee hatte ein Bild veröffentlicht, das den festgenommen indischen Piloten zeigt. Er soll den Tee gelobt haben. (27. Februar 2019)

Die pakistanische Armee hatte ein Bild veröffentlicht, das den festgenommen indischen Piloten zeigt. Er soll den Tee gelobt haben. (27. Februar 2019) Bild: Pakistan Military/Keystone

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Nach der jüngsten militärischen Eskalation zwischen Pakistan und Indien will Pakistan nun zu einer Beruhigung der Lage beitragen. Indiens Premierminister Narendra Modi schwor die Inder unterdessen gegen den Erzfeind ein, der das Land destabilisieren wolle.

Islamabad sei bereit, den festgesetzten indischen Piloten freizulassen, sollte dies helfen, die Spannungen abzubauen, sagte der pakistanische Aussenminister Shah Mehmood Qureshi am Donnerstag.

Gleichzeitig sei der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan zu einem Telefongespräch mit dem indischen Premierminister Modi bereit. Man wolle alles tun, was hilfreich sei, um Frieden wieder herzustellen, sagte Qureshi.

Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan hatten sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Nachdem Indiens Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag zum ersten Mal seit 1971 einen Angriff auf pakistanischem Gebiet geflogen hatte, schoss Pakistan nach eigenen Angaben am Mittwoch zwei indische Kampfflugzeuge ab.

Pilot lobt Tee

Ein indischer Pilot sei festgesetzt worden. Pakistans Armeesprecher Asif Ghafoor veröffentlichte auf Twitter ein Foto des offenbar im Gesicht verletzten Oberstleutnants. In einem von der pakistanischen Armee verbreiteten Video erklärte der Oberstleutnant, er werde gut behandelt. Er sei «sehr beeindruckt» von der pakistanischen Armee. Der Tee, den er bekommen habe, sei zudem «fantastisch».

Indiens Aussenministerium bestellte nach eigenen Angaben den pakistanischen Botschafter ein und beschwerte sich über diese «vulgäre Darstellung» des Gefangenen, die gegen internationales Recht und die Genfer Konvention verstosse. Indien erwarte seine sofortige, sichere Rückkehr.

Evakuierungen an der Grenze

Am Donnerstag sind wegen andauernder Zusammenstösse in Kaschmir mehrere hundert Familien aus Grenzdörfern auf der pakistanischen Seite Kaschmirs evakuiert worden. Die Evakuierungen seien erfolgt, nachdem es in der Nacht von indischer Seite Maschinengewehr- und Artilleriebeschuss gegeben habe, erklärte der lokale Informationsminister, Mushtaq Minhas.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen die beiden Länder Kaschmir für sich – sie kontrollieren jeweils einen Teil. Die heutigen Atommächte führten bereits zwei Kriege um das Himalaya-Tal.

Khan hatte bereits am Mittwoch Indien Gespräche angeboten. Indiens Regierung um die hindu-nationalistische Partei BJP von Premierminister Modi steht allerdings unter Druck, Stärke zu zeigen, weil in wenigen Monaten eine Parlamentswahl ansteht.

Modi im Wahlkampf

Modi sagte am Donnerstag in einer Videokonferenz mit Wahlkampfhelfern seiner Partei: "Indien wird geeint leben, geeint wachsen, geeint kämpfen, geeint siegen." In Indien wurde Kritik daran laut, dass Modi trotz der Eskalation im Konflikt mit Pakistan seine geplanten Wahlkampfauftritte wahrnahm und sich nicht an das Volk wandte. Die Führungen von 21 Oppositionsparteien warfen ihm in einer gemeinsamen Erklärung eine «eklatante Politisierung der Opfer unserer Streitkräfte» vor.

Die Kongresspartei von Oppositionsführer Rahul Gandhi schrieb auf Twitter: «Es ist beschämend, dass unser Hauptsendezeit-Premierminister, während Indien auf die Rückkehr von Oberstleutnant Abhinandan wartet, nicht einmal ein paar Minuten lang aufhören kann, Wahlkampf zu betreiben.»

Der eskalierende Konflikt führte auch zu Störungen im Flugverkehr. Weil der Luftraum über Pakistan gesperrt war, kam es zu Stornierungen und Umleitungen des Flugverkehrs in der Region. In Bangkok sassen tausende Reisende fest, weil der Flugverkehr über dem Krisengebiet umgeleitet werden musste.

China will vermitteln

Zahlreiche Länder äusserten Besorgnis über die Situation. China bot am Donnerstag an, zu vermitteln. Peking sei bemüht, Gespräche zwischen beiden Seiten voranzutreiben, sagte Chinas Aussenminister Wang Yi laut einer Mitteilung nach einem «dringenden» Anruf des pakistanischen Aussenministers Qureshi. Wang Yi drückte demnach tiefe Besorgnis über die Eskalation aus und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Auch US-Präsident Donald Trump äusserte sich zu den Spannungen. Er sagte in Hanoi, die USA seien involviert gewesen, die Vorgänge zu stoppen, und es gebe Nachrichten, dass es zu einem Ende komme. Was er genau meinte, blieb unklar. (sep/afp)

Erstellt: 28.02.2019, 12:34 Uhr

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