Schon Ende Mai soll US-Drohne in den Iran eingedrungen sein

Irans Präsident fordert internationale Massnahmen gegen die USA. Derweil warnt Trumps Sicherheitsberater die Regierung in Teheran.

Gefürchtete Drohne: Die amerikanische MQ9 Reaper.(Screenshot Youtube/Symbolbild)

Gefürchtete Drohne: Die amerikanische MQ9 Reaper.(Screenshot Youtube/Symbolbild)

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Bereits Ende Mai flog eine US-Drohne nach Angaben aus Teheran über dem iranischen Luftraum. Der Vorfall mit der «Spionagedrohne» habe sich am 26. Mai ereignet, schrieb der iranische Aussenminister Mohammed Jawad Sarif am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die iranischen Revolutionsgarden hatten am Donnerstag eine weitere US-Aufklärungsdrohne vor der Küste des Landes abgeschossen.

Bei der Drohne, die Ende Mai trotz «mehrerer Warnungen» in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, handelte es sich den Angaben zufolge um eine in den USA hergestellte «MQ9 Reaper». Diese wird häufig genutzt, um militärische Angriffe auszuführen. Sarif veröffentlichte bei Twitter zudem eine Karte zu dem Vorfall.

Rohani: «USA sind die Wurzel»

Inzwischen forderte Hassan Rohani wegen des Drohnenzwischenfalls vom Donnerstag internationale Massnahmen gegen die USA. Der Iran wirft den USA vor, mit einer Aufklärungsdrohne den Luftraum des Landes verletzt zu haben, was die Regierung in Washington bestreitet. «Dieser jüngste Vorfall war erneut ein Verstoss gegen internationale Vorschriften (...) da sie (die Amerikaner) unsere Warnungen ignorierten, mussten wir die Drohne abschiessen», sagte Rohani am Sonntag in seiner ersten Reaktion zu dem Drohnen-Abschuss.

Das war laut Rohani der Beginn erneuter Spannungen am Persischen Golf, der für die Region als auch die Welt eine strategisch wichtige Route sei. «Daher erwarten wir von der internationalen Gemeinschaft eine angemessene Reaktion und klare Massnahmen gegen diese Art von Verstössen», so der Präsident in einem Treffen in Teheran mit Gabriela Cuevas Barron, der mexikanischen Leiterin der Interparlamentarischen Union IPU.

Rohani bezeichnete die USA als «die Wurzel» aller regionalen und internationalen Krisen. Washington verstösst aus seiner Sicht gegen internationale Vorschriften und verfolgt bewusst einen extremen Unilateralismus.

Das jüngste Beispiel sei der Ausstieg der USA aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 und die Verhängung neuer Sanktionen gegen den Iran, sagte Rohani. «Wenn sie mit ihren Sanktionen den Menschen auch Lebensmittel und Medikamente vorenthalten, dann ist dies gleichzustellen mit wirtschaftlichem Terrorismus.»

Boltons verbale Giftpfeile in Jerusalem

Nach der kurzfristigen Absage eines Vergeltungsangriffs warnte John Bolton den Iran davor, die «Besonnenheit» der US-Regierung mit «Schwäche» zu verwechseln. «Weder der Iran noch irgendein anderer feindlicher Akteur sollten die Vorsicht und Besonnenheit der USA mit Schwäche verwechseln», sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump am Sonntag in Jerusalem. Das US-Militär sei «einsatzbereit».

Niemand habe dem Iran eine «Jagdlizenz» für den Nahen Osten ausgestellt, sagte Bolton vor einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Bolton will in Jerusalem auch seine Kollegen aus Israel und Russland, Meir Ben-Schabbat and Nikolai Patruschew, treffen. Die Gespräche seien angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Region noch wichtiger geworden, sagte Bolton.

«Bleiben Sie dran»

Trump hatte zunächst einen militärischen Vergeltungsangriff erwogen, diesen dann aber kurzfristig abgebrochen. Wie amerikanische Medien am Samstag berichteten, wies Trump stattdessen das US-Cyber-Kommando an, zur Vergeltung Cyberattacken gegen den Iran zu starten. Die Cyberangriffe richteten sich demnach gegen iranische Raketenkontrollsysteme und ein Spionagenetzwerk.

Der US-Präsident kündigte am Samstag zudem neue «bedeutende» Sanktionen gegen den Iran an. Die zusätzlichen Strafmassnahmen sollten ab Montag gelten, schrieb Trump im Onlinedienst Twitter, ohne weitere Details zu Art und Umfang zu nennen. Bolton sagte dazu, die Sanktionen seien schon seit einigen Wochen in Planung und sollten am Montag öffentlich verkündet werden. «Bleiben Sie dran», fügte er hinzu. (fal/afp/sda)

Erstellt: 23.06.2019, 15:14 Uhr

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