Trump ist «nicht glücklich» mit seinen Anhängern

Der US-Präsident versucht sich von den «Schickt sie zurück»-Sprechchören zu distanzieren – mit zweifelhaften Argumenten.

Trump beteuert den Journalisten im Weissen Haus, dass er versucht habe, die «Schickt sie zurück»-Sprechchöre zu stoppen. Video: AP

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Donald Trump hat sich am Donnerstagabend von den «Schickt sie zurück»-Sprechchören seiner Anhänger distanziert. Im Weissen Haus sagte er auf Anfrage eines Reporters, dass er «nicht glücklich» über das Verhalten der Zuschauer seiner Wahlkampfveranstaltung in North Carolina war. Er habe versucht, die Sprechchöre zu stoppen, indem er sehr schnell weitergeredet habe, erklärte der US-Präsident den Journalisten.

Er habe sich bei den Rufen etwas schlecht gefühlt, er sei nicht damit einverstanden, betonte Trump. «Aber ich habe es nicht gesagt, die haben es gesagt», unterstrich er. Er würde seinen Anhängern aber raten, dass sie das nicht mehr tun sollen, bestätigte er auf Anfrage eines Journalisten.

Die Aussage, dass er die Sprechchöre stoppen wollte, indem er schnell weiter sprach, passt allerdings nicht zum Video des Vorfalls. In diesem ist zu sehen, wie Trump den Sprechchören eine Zeit lang zuhört, in die Menge schaut und wartet, bis die Rufe langsam verstummen, bevor er seine Rede fortsetzt.

Video: «Schickt sie zurück»

Trump wartet, bis die «Send her back»-Sprechchöre verstummen. Quelle: Fox News/Youtube

Dass er nun behauptet, er habe sehr schnell weitergeredet, um die Sprechchöre zu stoppen, wird deshalb von amerikanischen Medien als missglückte Wiedergutmachungs-Aktion bezeichnet. Die «New York Times» hat beim Video mitgestoppt und bilanziert, dass der US-Präsident mehr als zehn Sekunden lang nichts gesagt und nichts getan habe, um die Sprechchöre zu stoppen.

Parteikollegen kritisieren Sprechchöre

Offenbar sollen am Donnerstag Trumps Frau Melania, selber eine Einwanderin, und Trumps Tochter Ivanka mit dem Präsidenten gesprochen haben und ihm geraten haben, sich davon zu distanzieren, berichtet die «New York Times» unter Berufung auf anonyme Quellen.

Nicht glücklich mit den Rufen der Trump-Anhänger sind indes auch viele Republikaner. Sie befürchten von den Schlachtrufen einerseits einen Schaden für die Wahl 2020, andererseits haben Trumps Anhänger damit für viele Politiker im Einwandererland eine Grenze überschritten. Die Gesänge seien hässlich, falsch und eine Beleidigung für die Gründerväter der USA, twittert etwa der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger aus Illinois. Das müsse aufhören.

Auch sein Parteikollege Mark Walker, aus North Carolina stammend, wo die Trump-Wahlveranstaltung stattgefunden hatte, distanziert sich von den Sprechchören, welche «schmerzhaft für unsere Freunde der Minderheitengemeinschaft» seien.

Die Sprechchöre waren an die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar gerichtet. Während Trump in den Tagen davor in verschiedenen Tweets vier Demokratinnen mit Migrationshintergrund angriff und diese dazu aufforderte, in ihr Herkunftsland zurückzugehen, wenn sie mit den USA nicht glücklich seien, ging es in seiner Rede nur um Ilhan Omar, als die Sprechchöre begannen. Sie ist von den vier Frauen die einzige, welche nicht in den USA geboren ist, sondern als Flüchtlingskind in das Land kam und dort, wie viele ihrer Unterstützer nun hervorheben, den als «amerikanischen Traum» bekannten Aufstieg bis in die nationale Politik schaffte.

Nach den Sprechchören gegen sie reagierte Omar aber betont gelassen. Sie sei dort, wo sie hingehöre, im Repräsentantenhaus, und ihre Gegner müssten sich damit abfinden, schrieb sie auf Twitter.

(anf)

Erstellt: 19.07.2019, 11:46 Uhr

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