Wegen häuslicher Gewalt? Trump-Minister tritt Amt nicht an

Patrick Shanahan wollte offiziell Verteidigungsminister werden. Nun soll der Heereschef den Job im Weissen Haus übernehmen.

Patrick Shanahan sollte neuer Verteidigungsminister werden, will nun aber doch nicht. Bild: Eric Baradat/AFP

Patrick Shanahan sollte neuer Verteidigungsminister werden, will nun aber doch nicht. Bild: Eric Baradat/AFP

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Inmitten der verschärften Spannungen mit dem Iran hat US-Präsident Donald Trump einen Wechsel an der Spitze des Pentagon angekündigt. Neuer kommissarischer US-Verteidigungsminister wird der bisherige Verwaltungschef des Heeres, Mark Esper.

Dies teilte Trump am Dienstag über Twitter mit. Bisher wurde das Ministeramt ebenfalls nur kommissarisch von dem früheren Boeing-Manager Patrick Shanahan ausgeübt.

Trump begründete dessen Ausscheiden damit, dass Shanahan «mehr Zeit seiner Familie widmen» wolle. Er dankte dem scheidenden Minister für «herausragende» Arbeit. Noch vor einem Monat hatte Trump verkündet, dass er Shanahan für die dauerhafte Übernahme des Ministerpostens nominieren wolle. Shanahan zeigte sich damals «geehrt».

Es handelt sich nun um den bereits zweiten Wechsel an der Spitze des Pentagon innerhalb rund eines halben Jahres. Der frühere Verteidigungsminister Jim Mattis war im Dezember aufgrund seiner ablehnenden Haltung zu Trumps Syrien-Kurs zurückgetreten, danach übernahm sein Stellvertreter Shanahan vorläufig das Ministeramt.

Unter Shanahans Leitung weiteten die US-Streitkräfte in den vergangenen Wochen ihre Präsenz in der Golfregion deutlich aus. Begründet wurde dies von der US-Regierung mit einer angeblich vom Iran ausgehenden Bedrohung für die US-Truppen in der Region.

Vorfälle von häuslicher Gewalt

Shanahans Abgang könnte aber mit Vorfällen von häuslicher Gewalt in seiner Familie zu tun haben. Die Bundespolizei FBI war diesen Vorfällen im Rahmen der Personenüberprüfung nachgegangen, die es bei Anwärtern auf Regierungsposten vornimmt.

Zwischen Shanahan und seiner früheren Ehefrau war es im August 2010 zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen. Nach Darstellung des bisherigen Ministers soll die Gewalt von seiner Frau ausgegangen sein.

Sie habe auf ihn eingeschlagen, als er im Bett gelegen habe, sagte Shanahan in einem jetzt veröffentlichten Interview der «Washington Post». Seine Frau führte damals an, er habe sie in den Bauch geschlagen, was Shanahan bestreitet. Eine Strafanzeige gegen seine Frau wegen häuslicher Gewalt liess er später fallen.

Nach der Trennung des Paares kam es 2011 zu einem weiteren Gewaltausbruch. Dabei schlug laut US-Medienberichten Shanahans damals 17-jähriger Sohn mit einem Baseballschläger auf seine Mutter ein. Shanahan sagte dazu in dem Zeitungsinterview: «Schlimme Dinge können guten Familien geschehen (...) und dies ist wirklich eine Tragödie». Wenn der damalige Vorfall ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werde, "kann dies das Leben meines Sohnes ruinieren.

(anf/afp)

Erstellt: 18.06.2019, 19:26 Uhr

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