«Unfreiwilliger Sex ist Teil des Alltags»

Nordkoreas Führung toleriert laut einer Studie Gewalt gegen Frauen durch Beamte.

Kenneth Roth, Geschäftsführer von Human Rights Watch, mit dem Bericht an einer Konferenz in Seoul. Video: Reuters

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Frauen in Nordkorea sind nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hilflos sexueller Gewalt durch Staatsbeamte und Parteifunktionäre ausgeliefert.

Die Organisation wirft der Führung von Machthaber Kim Jong Un in dem am Donnerstag in Seoul veröffentlichten Bericht vor, nichts gegen den weit verbreiteten Missbrauch von Frauen zu unternehmen und die Opfer mundtot zu machen.

«Unfreiwilliger sexueller Kontakt und Gewalt sind so normal in Nordkorea, dass sie als Teil des alltäglichen Lebens akzeptiert werden», hiess es in einer Mitteilung von Human Rights Watch, das sich auf Interviews mit Flüchtlingen aus dem abgeschotteten Land beruft.

Forderungen von Beamten in Machtposition

Die Nordkoreanerinnen hätten erzählt, eine Frau habe keine andere Wahl, als die Forderungen eines Beamten in Machtposition zu erfüllen, sobald sie «ausgesucht» worden sei. Dabei sei egal, ob es um Forderungen nach «Sex, Geld oder andere Gefälligkeiten» gehe. Zu den Tätern gehörten hochrangige Parteikader, Gefängniswärter, Polizeibeamte, Geheimdienstler, Staatsanwälte und Soldaten.

Unter den Tätern sind demnach auch Wachen vor den Märkten und den umliegenden Strassen sowie Grenz- und Eisenbahn-Beamte.

«Du weinst manchmal nachts und weisst nicht warum»

Eine ehemalige Textilhändlerin berichtete, sie sei den Männern ausgeliefert gewesen. «An den Tagen, an denen sie sich danach fühlten, konnten mich Marktwächter oder Polizisten bitten, ihnen in einen leeren Raum ausserhalb des Markts zu folgen oder zu einem anderen Ort, den sie auswählten», berichtete demnach die Frau. An den entlegenen Orten seien die Frauen dann vergewaltigt worden.

«Es passiert so oft, dass niemand denkt, dass es eine grosse Sache ist. Wir merken es nicht einmal, wenn wir erschüttert sind», sagte die Frau laut dem Bericht. «Aber wir sind menschlich, und wir fühlen es. So weinst du manchmal nachts wie aus dem nichts und du weisst nicht warum.»

Laut HRW ist sexuelle Gewalt in Nordkorea mit seiner streng hierarchischen und paternalistischen Gesellschaft ein Tabuthema. Die Regierung von Machthaber Kim Jong Un weist entsprechende Vorwürfe entschieden zurück und betont, Menschenrechte zu schützen.

(oli/sda/afp)

Erstellt: 01.11.2018, 08:54 Uhr

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