Ankläger: Trump steckt hinter illegalen Zahlungen

Die Ankläger von Trumps Ex-Anwalt Cohen sehen Trump als Auftraggeber illegaler Schweigegeldzahlungen. Und offenbaren neue Details in der Russland-Affäre.

Donald Trump soll jetzt auch nach Ansicht der Ankläger den Auftrag für illegale Schweigegeld-Zahlungen an Nacktmodelle gegeben haben. (Foto: Reuters)

Donald Trump soll jetzt auch nach Ansicht der Ankläger den Auftrag für illegale Schweigegeld-Zahlungen an Nacktmodelle gegeben haben. (Foto: Reuters)

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Die Geschichte an sich ist nicht neu. Neu ist aber, wer behauptet, sie sei wahr. Michael Cohen, der Ex-Anwalt von US-Präsident Donald Trump, hatte sich vor Gericht schuldig bekannt, im US-Wahlkampf 2016 Schweigegeld an zwei Frauen gezahlt zu haben, die behaupten, Affären mit seinem Boss Trump gehabt zu haben. 130'000 Dollar flossen etwa an den Pornostar Stormy Daniels. Cohen sagte, der Auftrag dazu sei direkt von Trump gekommen, dem damaligen Präsidentschafts-Kandidaten und späteren Wahlsieger. Natürlich habe Cohen die Zahlungen zu verschleiern versucht.

In den Augen der US-Ankläger ist das eine Straftat. Die Zahlungen seien mit versteckter und damit illegaler Wahlkampfhilfe gleichzusetzen. Cohen dürfte dafür im Gefängnis landen. Für wie lange, das entscheidet sich am kommenden Mittwoch. Dann wird der zuständige Richter William Pauley in New York das Strafmass für Cohen festlegen.

An diesem Freitag hat die Staatsanwaltschaft zusammen mit dem Sonderermittler Robert Mueller dem Gericht ihre Empfehlung mitgeteilt. In dem Papier fordert sie eine «substantielle» Strafe für Cohen. Seine Aussagen gegen Trump seien zwar hilfreich gewesen. Aber anders als etwa Trumps früherer Sicherheitsberater Michael Flynn hat Cohen keinen Deal mit den Ermittlern abgeschlossen, der eine Strafminderung vorgesehen hätte.

Cohen hofft, dass ihm wegen seiner Kooperationsbereitschaft eine Gefängnisstrafe erspart bleibt. In der Empfehlung seiner Anwälte an das Gericht wird Cohen als gebrochener Mann dargestellt, der allein um Trump zu schützen gelogen und sich in selbst in Schwierigkeiten gebracht habe.

Überraschend an dem Papier der Ankläger ist, dass sie jetzt selbst erklären, Trump habe den Auftrag gegeben, das Schweigegeld zu zahlen. Cohen habe in «Abstimmung und im Auftrag» eines nicht benannten «Individuum-1» gehandelt. Mit diesem «Individuum-1» ist, wie sich aus dem Dokument ergibt, Donald Trump gemeint.

Das ist eine völlig neue Qualität. Es ist jetzt davon auszugehen, dass die Ankläger unabhängig von Cohens Aussage genug eigene Hinweise darauf haben, dass Trump die Zahlungs-Anweisung gab. Sollte Cohen deswegen eine Haftstrafe verbüssen müssen, stellt sich unweigerlich die Frage, ob nicht auch Trump als Auftraggeber hinter Gitter gehört.

Russen wanzten sich schon Ende 2015 an Trump heran

Damit nicht genug. In dem Papier behaupten die Ankläger auch, dass bereits im November 2015 eine nicht genannte russische Person der Trump-Kampagne über Trumps damaligen persönlichen Anwalt Cohen russische Unterstützung auf Regierungsebene angeboten habe. Viele Monate früher, als bisher angenommen. Es sei aber nach Aussage von Cohen nie zu einem Treffen mit der Person gekommen.

Ausserdem stellten die Ermittler am Freitag in einem anderen Fall fest, dass Trumps früherer Wahlkampfleiter Paul Manafort sie über seine Kontakte zu einer Person belogen habe, die nach Ansicht der Ermittler enge Verbindungen zum russischen Geheimdienst hat.

Beide Vorgänge erhärten den Verdacht, dass Trump selbst beziehungsweise seine Mitarbeiter bereit gewesen sein könnten, die Unterstützung der russischen Regierung anzunehmen, um die Präsidentschaftswahl im November 2016 zu gewinnen. Dazu passt auch, dass Cohen jüngst eingeräumt hat, noch bis in den Juni 2016 hinein versucht zu haben, Trumps Traum von einem Trump-Tower in Moskau voranzutreiben. Was der russischen Regierung durchaus als Druckmittel gegen Trump gedient haben könnte.

Trump weist alle Vorwürfe zurück. Auf Twitter behauptet er ohne jede Grundlage, dass die Gerichtsdokumente «den Präsidenten vollständig entlastet» hätten. Er schiebt sogar noch ein «Vielen Dank!» hinterher. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.12.2018, 14:54 Uhr

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