Anwalt des Briefbombers: «Trump ist seine Vaterfigur»

Cesar S. ist der mutmassliche Absender der Pakete an Kritiker des US-Präsidenten – was bisher über ihn bekannt ist.

Der Verdächtige war wegen früheren Delikten bereits mehrfach festgenommen worden. (Video: AP/AFP)

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Nach tagelanger Grossfahndung ist in den USA der mutmassliche Briefbomber in Florida festgenommen worden. Dem 56-Jährigen mit dem Namen Cesar S., offensichtlich ein Trump-Anhänger, wird vorgeworfen, 13 Sprengsätze an Kritiker des US-Präsidenten geschickt zu haben. Zu den Adressaten gehörten Barack Obama, Joe Biden, Hillary Clinton, George Soros und Robert De Niro.

Nach bisherigen Kentnissen soll Cesar S. ein Einzeltäter gewesen sein. S. war in der Vergangenheit mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten, weshalb er auch in der Datenbank des FBI registriert war, was später zu seiner Verhaftung führte. Der 56-Jährige wurde unter anderen wegen einer Bombendrohung gegen seinen Stromversorger zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Festgenommen wurde er auch wegen Diebstahls und häuslicher Gewalt.

Die Ermittler kamen ihm durch einen Fingerabdruck auf die Spur, den sie auf einem der Briefumschläge mit den Rohrbomben gefunden hatten. Er wurde auf einem Parkplatz in Plantation, einem Vorort von Fort Lauderdale, festgenommen.

Der Lieferwagen, mit dem er unterwegs war, wurde beschlagnahmt. Auf Fotos, die das von der Polizei beschlagnahmte Fahrzeug zeigen, sind mehrere Pro-Trump-Aufkleber zu sehen (siehe Bildstrecke). Auf einer Scheibe kleben ausserdem Fotos von Ex-Präsident Obama und der früheren Aussenministerin Clinton. Auf ihre Gesichter sind Zielscheiben gedruckt. Auch ein Aufkleber mit dem Spruch «CNN ist zum Kotzen» prangt auf dem Lieferwagen. Obama, Clinton und der Trump-kritische Fernsehsender gehörten zu den Briefbomben-Adressaten.

Van war sein Zuhause

Laut Medienberichten hatte S. zuletzt keinen festen Wohnsitz, er soll in dem weissen Lieferwagen mit den Hassaufklebern gelebt haben. Zuvor soll er bei seinen Eltern untergekommen sein, doch diese sollen ihn aus dem Haus geworfen haben. Offenbar hatte S. auch keinen Job.

Laut Gerichtsunterlagen gab er an, früher als Manager in einem Stripclub gearbeitet zu haben. Auch soll er ein professioneller Wrestler und Tänzer bei den Chippendales gewesen sein. Die Showtanz–Gruppe bestreitet jedoch, dass S. jemals mit ihnen in Verbindung gestanden hat.

Die biographischen Angaben auf seinen mutmasslichen Onlinekonten sind nicht unbedingt zuverlässig. Demnach soll S. früher auch «professioneller Fussballspieler (in Mailand) gewesen sein, aber auch Tiermedizin studiert haben.

«Wütend auf die Welt»

Ein Foto von S. bei Facebook zeigt ihn mit einer roten «Make America Great Again»-Kappe. In einer Twitter-Botschaft von Juni, die offenbar von S. stammt, wird Trump zum Geburtstag gratuliert und der Präsident aufgefordert, das «fantastische» Projekt des Mauerbaus an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.

Wie die «Washington Post» berichtet, arbeitete S. bis Januar als Pizzakurier. Debra Gureghian, Managerin einer Pizzeria in Fort Lauderdale, in der S. früher arbeitete, beschreibt ihn als «durchgeknallt». Er sei «sehr wütend» auf die Welt gewesen – auf «Schwarze, Juden, Schwule», sagte sie der Zeitung.

Neffe eines Chirurgen und Ureinwohner

Auch soll er zumindest teilweise philippinischer Herkunft sein, sein Grossvater sei dort ein «berühmter Chirurg» gewesen. Und obschon sein Vater philippinischer Abstammung und seine Mutter eine Italienerin ist, glaubte S. von amerikanischen Ureinwohnern abzustammen.

In einer Darstellung wird S. mit dem Indianerstamm der Seminoles in Verbindung gebracht. Er habe in einem von den Seminoles betriebenen Hotel-Casino gearbeitet. Der Stamm teilte jedoch mit, es gebe «keine Belege» dafür, dass S. dort tätig gewesen und Stammesmitglied sei.

Hass auf Mutter

S. habe sich eigentlich nicht für Politik interessiert, sagte sein Verteidiger Ron Lowy dem Sender CNN. Offenbar fühlten sich «solche Aussenseiter» wie sein Mandant aber angesprochen von Trumps Politikstil. Lowy berichtete weiter, dass der Vater von S. die Familie verlassen habe. S. habe seiner Mutter gesagt, dass er sie hasse. «Er fühlte sich verloren und suchte nach Halt – und er fand in Trump eine Vaterfigur», so Lowy.

Der Anwalt der Familie erklärte zudem, dass die Mutter den 56-Jährigen jahrelang vergeblich dazu gedrängt habe, einen «Spezialisten» aufzusuchen.

Die US-Öffentlichkeit hofft nun gespannt darauf, dass die Ermittlungsbehörden schon bald mehr Aufklärung über diesen in vielerlei Hinsicht noch mysteriösen Mann schaffen. Klar ist aber bereits, dass ihm jahrzehntelange Haft droht. S. wurde bereits formell mehrerer schwerer Verbrechen beschuldigt, darunter «Angriffe» auf frühere Regierungsvertreter. Seine absehbare Maximalstrafe beläuft sich laut Justizministerium auf 48 Jahre.

Der FBI-Direktor informiert über den Ermittlungsstand nach der Verhaftung von Cesar S. Video: DOJ (nag/AFP)

Erstellt: 27.10.2018, 14:04 Uhr

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