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Erdbeben fordert 73 Todesopfer

Mitten in der Nacht hat ein schweres Erdbeben die Menschen in Mittelitalien aus dem Schlaf gerissen. Von vielen Häusern in mehreren kleinen Orten sind nur noch Schutthaufen übrig. Es gibt noch zahlreiche Vermisste.

Die Zahl der Todesopfer durch das schwere Erdbeben in Mittelitalien ist auf mindestens 73 gestiegen. Das teilte der Zivilschutz des Landes am Mittwoch mit. Dabei seien 53 Menschen in den Orten Amatrice und Accumoli umgekommen, 20 in der Gemeinde Arquata in den Marken. Unter den Toten und Verletzten sind viele Kinder.

Häuser glichen Schutthaufen, Trümmer und Staub bedeckten Autos und Strassen. Das Beben hatte nach Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,2 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag an der Grenze der Regionen Latium, Marken und Umbrien - etwa 100 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Rom, wo der Boden ebenfalls wackelte. Die Erdstösse waren auch an der Adriaküste zu spüren. Es gab rund 60 Nachbeben.

Viele sind noch unter Trümmern

Helfer suchten teils mit blossen Händen nach Verschütteten in den völlig zerstörten Häusern. «Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor», sagte laut Ansa der Bürgermeister der besonders stark betroffenen Gemeinde Amatrice, Sergio Pirozzi. Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser nach Überlebenden und Toten.

In Norcia haben verängstigte Einwohner die Nacht im Freien verbracht. In der Nacht hatte ein Erdbeben der Stärke 6,1 die Region erschüttert und schwere Schäden angerichtet.
In Norcia haben verängstigte Einwohner die Nacht im Freien verbracht. In der Nacht hatte ein Erdbeben der Stärke 6,1 die Region erschüttert und schwere Schäden angerichtet.
Keystone
Besonders stark betroffen war die Ortschaft Amatrice. Hier arbeiten Einsatzkräfte mit einem Bagger in den Trümmern.
Besonders stark betroffen war die Ortschaft Amatrice. Hier arbeiten Einsatzkräfte mit einem Bagger in den Trümmern.
Keystone
In Amatrice sitzen Einwohner auf den Trümmern ihrer Häuser.
In Amatrice sitzen Einwohner auf den Trümmern ihrer Häuser.
Keystone
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Ganze Familien wurden ausgelöscht, einige Kinder konnten aus den Trümmern gezogen werden, erlagen dann aber später ihren Verletzungen. Ein Einwohner sagte dem Sender: «Alles ist kaputt.»

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat derzeit keine Kenntnis von toten oder verletzten Schweizer Staatsangehörigen, wie es am Mittwochmorgen mitteilte. EDA-Vorsteher Didier Burkhalter stehe in Kontakt mit seinem italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni und habe ihm die Unterstützung der Schweiz angeboten.

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann drückte über Twitter sein Beileid aus. Die Schweiz sei nahe bei den Opfern des Erdbebens in Mittelitalien, schrieb er. Weiter sandte er einen Kondolenzbrief an Sergio Mattarella, Präsident der Italienischen Republik.

Auch Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Er finde kaum Worte, seinen grossen Schmerz auszudrücken, sagte er zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.

Zeltstädte für die Obdachlosen

Der Bürgermeister von Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf allein in seinem Ort. Unter ihnen seien auch etwa 2000 Menschen, die in dem Ort in den Abruzzen Ferien machten. Die Unglücksregion ist beliebt bei Touristen. Im Sommer strömen vor allem Bewohner der nur 150 Kilometer entfernten Hauptstadt Rom in die kühlen Bergdörfer, um sich von der Hitze der Grossstadt zu erholen.

Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar, sagte Petrucci. «Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren.» Obwohl August ist, herrschten nachts nur zehn Grad. Zunächst sollen zwei Zeltstädte in den Orten Pescara und Arquata del Tronto aufgebaut werden. Dort sollen insgesamt an die 50 Zelte aufgestellt werden.

Auch in Amatrice und Accumoli könnten gemäss RaiNews24 bald Zelte stehen. Weitere Menschen sollten unter anderem in Sporthallen untergebracht werden, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Chef des Zivilschutzes der Region Marken, Cesare Spuri, mitteilte.

Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen. Amatrice - eine Gemeinde mit etwa 2600 Einwohnern in der Provinz Rieti in der Region Latium - ist über die Strasse rund 150 Kilometer von Rom entfernt. Historische Städte wie Perugia und Assisi sind nicht allzu weit. Die Häuser in der Region sind teils jahrhundertealt; bei einem solchen Beben fallen sie rasch in sich zusammen.

Renzi: «Wir lassen niemanden alleine»

Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert. Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte jegliche Unterstützung zu. «Wir lassen niemanden alleine.» Für Mittwochnachmittag kündigte er einen Besuch im Erdbebengebiet an.

Aus vielen Ländern, unter anderem der Schweiz und der EU, gingen Zusagen für Unterstützung ein. «Die EU steht bereit zu helfen», teilte Krisenmanagement-Kommissar Christos Stylianides am Mittwoch mit. Das Zentrum für die Koordination von Notfallmassnahmen sei bereits in Kontakt mit den italienischen Behörden.

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L'Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.

Alle 15 Jahre ereignet sich in Italien ein Erdbeben grösser der Stärke 6,3. Dies sagte Fabio Tortorici, Sprecher des italienischen Geologenverbands, der am Mittwoch bessere Massnahmen zur Vorbeugung von Erdbeben- und Naturkatastrophenschäden forderte. Das Land müsse der Erdbebensicherheit mehr Beachtung schenken.

SDA/mst

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