Duell der US-Demokraten: Alle gegen Pete

Am Tag nach dem Impeachment-Beschluss buhlen die US-Demokraten um die Wähler. Die wachsende Unterstützung für Pete Buttigieg macht die Etablierten nervös.

Die demokratischen Vorwahlkandidaten Pete Buttigieg, Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders und Amy Klobuchar (von links) vor Beginn des TV-Duells. Foto: Mike Blake (Reuters)

Die demokratischen Vorwahlkandidaten Pete Buttigieg, Elizabeth Warren, Joe Biden, Bernie Sanders und Amy Klobuchar (von links) vor Beginn des TV-Duells. Foto: Mike Blake (Reuters)

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Pete Buttigieg dürfte geahnt haben, dass dieser vorweihnachtliche Abend in Los Angeles kein besinnlicher für ihn werden würde. Es ist an diesem Donnerstag die sechste und letzte TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber in diesem Jahr. Buttigieg hat wie die meisten seiner sechs Mitbewerber auf der Bühne an allen TV-Debatten teilgenommen. Mit Erfolg. Vom belächelten Aussenseiter ist der 37-jährige Bürgermeister von South Bend, Indiana, zu einem gefährlichen Konkurrenten geworden, ein Star, ein Liebling der Medien und der grossen Geldgeber.

In Iowa, wo im Februar die Vorwahlen beginnen, führt er vor allen anderen Kandidaten die Umfragen an. Und er sammelt Geld. Viel Geld. Deutlich mehr, als einem bis vor einem Jahr völlig unbekannten Bürgermeister einer mittleren Grossstadt zugetraut worden wäre.

Die anderen Demokraten werfen Buttigieg seine Nähe zu Spendern vor

Das macht seine Mitkandidaten nervös. Es schien, als wollten sie ihn in dieser Debatte nicht ungeschoren davon kommen lassen. Die erste Angriffswelle fährt Elizabeth Warren, die Senatorin aus Massachusetts. Sie empört sich über Kandidaten, die sich lieber auf Spendenveranstaltungen rumtrieben, als mit echten Leuten zu reden. Sie findet, Demokraten müssten sich in dieser Hinsicht von den Republikanern abgrenzen.

Buttigieg verteidigt sich. Er nehme Geld von jedem, sagt er später. Die Aufgabe, Trump zu besiegen sei so gross, dass ihm jeder Unterstützer willkommen sei – egal ob Student oder Millionär.

Warren präzisiert ihre Kritik. Buttigieg habe kürzlich ein Spendendinner in einem Weinkeller veranstaltet, sagt sie. Dort habe jede Flasche 900 Dollar gekostet. Sie dagegen habe vor Jahren schon eine Entscheidung getroffen: «Milliardäre in Weinkellern sollten sich nicht den nächsten Präsidenten aussuchen dürfen.»

Buttigieg sagt, er sei der einzige Kandidat, der «kein Millionär» ist

Buttigieg holt zum Gegenangriff aus. Er sei der «einzige Kandidat auf der Bühne, der kein Millionär oder Milliardär ist», sagt er. Warren sei hundertmal reicher als er. Warren stelle moralische Hürden auf, die sie selbst nicht überspringen könne. Ausserdem finanziere sie einen Teil ihrer jetzigen Kampagne mit Geld aus früheren Kampagnen, in denen sie Geld von reichen Leuten nahm.

Jetzt reden alle durcheinander. Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota setzt sich durch. Sie stehe nicht auf dieser Bühne, um sich diesen Streit anzuhören. Bernie Sanders mischt sich ein. Er sei stolz, dass er kein Geld von den Reichen bekomme. Joe Biden, Obamas Vize-Präsident und laut Umfragen Spitzenreiter im Kandidatenfeld, habe Geld von 44 Milliardären genommen, sagt Sanders. Buttigieg bisher nur von 39. «Ich bin gespannt, ob Du es mit Joe aufnehmen kannst», stichelt er.

So geht es hin und her. Milliardäre in Weinkellern – das wird zu einem geflügelten Wort in dieser Debatte. Amy Klobuchar stellt Buttigiegs Befähigung in Frage, die USA zu führen. Er habe nur Erfahrung als «lokaler Amtsträger». Stattdessen lobt die moderate Kandidatin ihre beiden Senatskollegen Sanders und Warren für ihre Arbeit im Senat. Sie hätten die Erfahrung, die es im Oval Office brauche. Beide Kandidaten stehen für linke Positionen.

Buttigieg bringt seine Homosexualität ins Spiel

Buttigieg wirkt leicht verzweifelt, er bringt seine sexuelle Orientierung ins Spiel. Wenn Klobuchar über die Fähigkeit reden wolle, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen, dann solle sie doch mal versuchen, 80 Prozent der Wähler von South Bend hinter sich zu bringen – als «gay dude», ein schwuler Typ im erzkonservativen Indiana. Klobuchar lächelt das weg. Buttigieg sei nur einmal landesweit angetreten, als er demokratischer Parteichef werden wollte. Er habe die Wahl mit 20 Prozentpunkten Abstand verloren, sagt Klobuchar. Punkt für sie.

Die Senatorin scheint alles daranzusetzen, Buttigieg das Leben schwer zu machen. In den Umfragen liegt er deutlich vor ihr. Beide konkurrieren um die gleichen Wählergruppen.

Die Debatte dreht sich auch um Klima, Wirtschaft, Aussenpolitik und Gesundheit. Die Unterschiede zwischen den Kandidaten liegen oft nur im Detail. Kandidaten wie Warren, 70, und Sanders, 78, müssen sich für ihr hohes Alter rechtfertigen. Warren etwa wird gefragt, ob es ein Problem wäre, als älteste Person überhaupt ins Weisse Haus einzuziehen. Ihre Antwort: «Ich wäre auch die jüngste Frau, die je ins Amt eingeführt wird.»

In den kommenden Wochen wird sich das Kandidatenfeld weiter sortieren

Der Ton in dieser Debatte ist schärfer als in den bisherigen TV-Runden. Die Vorwahlen in Iowa Anfang Februar rücken näher. Am «Supertuesday» Anfang März wird in vielen Bundesstaaten gleichzeitig gewählt.

Danach werden 40 Prozent aller Delegiertenstimmen für den Parteitag im Juli festgelegt sein. Deshalb sind die kommenden Wochen für Kandidatinnen wie Senatorin Klobuchar entscheidend. Sie muss aus ihrem Umfrageloch herauskommen. Mit Buttigieg im Feld wird ihr das jedoch kaum gelingen, derzeit würden sie nur vier Prozent der demokratischen Wähler unterstützen.

Andererseits müssen sich Sanders und Warren allmählich entscheiden, wie lange sie ihren gegenseitigen Nichtangriffspakt noch aufrechterhalten wollen. Beide liegen inhaltlich eng beieinander, sprechen ähnliche Wählerschichten an. Keiner von beiden hat es bisher geschafft, Biden gefährlich zu werden. Erst wenn einer von ihnen aussteigt, wird das Rennen wirklich interessant. Bis dahin ist noch alles offen.

Erstellt: 20.12.2019, 10:07 Uhr

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