Liberale Hoffnungsträgerin führt bei slowakischer Präsidentenwahl

Die Bürgerrechtlerin und Rechtsanwältin Zuzana Caputova hat die erste Runde der Wahlen für sich entschieden. Es kommt zu einer Stichwahl.

Vor slowakischen Medien erklärte sie ihren Erfolg als Ergebnis eines gesellschaftlichen Wunsches nach Veränderung: Zuzana Caputova. (16. März 201)

Vor slowakischen Medien erklärte sie ihren Erfolg als Ergebnis eines gesellschaftlichen Wunsches nach Veränderung: Zuzana Caputova. (16. März 201) Bild: Joe Klamar/AFP

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Für viele Slowaken verkörpert Zuzana Caputova die Hoffnung auf einen politischen Wandel in ihrem Land. Die bis vor Kurzem noch relativ unbekannte Rechtsanwältin könnte von der anhaltenden Unzufriedenheit über die Regierung profitieren und zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt der Slowakei aufsteigen.

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl holte Caputova am Samstag mit Abstand die meisten Stimmen. Mit 40,6 Prozent der Stimmen erreichte die 45-jährige Liberale einen deutlichen Vorsprung vor EU-Kommissar Maros Sefcovic. Die Vize-Vorsitzende der erst 2017 gegründeten Partei Progressive Slowakei war als Aussenseiterin angetreten und erlebte in den vergangenen Wochen einen kometenhaften Aufstieg in dem Umfragen. Ende März geht sie nun als Favoritin in die Stichwahl gegen den von der Regierungspartei Smer-SD unterstützten Kandidaten Sefcovic, der seit Jahren als EU-Vizekommissionspräsident in Brüssel tätig ist.

Wahl von Mord beeinflusst

Das Präsidentenamt in der Slowakei hat weitgehend zeremonielle Bedeutung, ein Wahlsieg Caputovas wäre dennoch ein bedeutendes Signal. Die Wahl stand unter dem Eindruck der Ermordung des Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten vor gut einem Jahr. Der 27-Jährige Kuciak hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und der slowakischen Regierung recherchiert. Die nach seinem Tod veröffentlichten Enthüllungen erschütterten das Vertrauen der Slowaken in ihre Regierung und führten zum Rückritt von Ministerpräsident Robert Fico.

«Die Slowakei steht am Scheideweg, was das Wiedererlangen des Vertrauens der Öffentlichkeit angeht», sagte Caputova am Samstag bei ihrer Stimmabgabe. Die 45-Jährige hatte sich an den Protesten nach Kuciaks Ermordung im vergangenen Jahr beteiligt.

Im Wahlkampf setzte sich Caputova für den Kampf gegen die Korruption und für einen politischen Wandel ein. Ausserdem kämpft sie seit Jahren für mehr Umweltschutz, befürwortet das Recht auf Abtreibung und setzt sich für die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare ein. «In den Augen der Wähler ist sie die Antwort auf unsere derzeitigen Probleme», sagte der Politologe Grigorij Meseznikov AFP.

Support vom Vorgänger

Die Bürgerrechtlerin und Rechtsanwältin wird auch vom scheidenden Präsidenten Andrej Kiska unterstützt. «Zuzana Caputova ist genau die Person, die die Slowakei aus der Krise führen kann», sagte er nach der ersten Wahlrunde.

Caputova wurde in der slowakischen Hauptstadt Bratislava geboren und verbrachte ihre Kindheit im nahegelegenen Pezinok. Nach einem Jura-Studium schloss sie sich der Bürgerrechtsorganisation Via Iuris an. Sie leitete eine erfolgreiche Kampagne gegen die Ansiedlung einer riesigen Mülldeponie in Pezinok. 2013 urteilte das Oberste Gericht des Landes zugunsten der Einwohner, die sich jahrelang gegen die Deponie gewehrt hatten, und annullierte die Baugenehmigung.

Der Fall führte auch zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, der mehr Transparenz bei solchen Projekten anmahnte. Caputova erhielt für ihr Engagement einen der wichtigsten Preise für Umweltschutz, den Goldman Environmental Prize. Beobachtern zufolge kann die Bürgerrechtlerin vor allem auf den Rückhalt liberaler Grossstädter zählen. Bei den konservativeren Landbewohnern kommt sie hingegen weniger gut an.

Caputova selbst betrachtet ihre geringen Kenntnisse der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik als ihre grösste Schwäche. «Ich werde da auf meine Berater vertrauen müssen», sagte sie. Auch Pünktlichkeit zähle nicht zu ihren Stärken. Caputova hat zwei Kinder im Teenager-Alter. Sie ist geschieden. Sie lebt mit dem Musiker und Fotografen Peter Konecny zusammen. (chk/sda)

Erstellt: 17.03.2019, 14:52 Uhr

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