Überfall auf Nordkorea-Botschaft – CIA unter Verdacht

Zehn Männer stürmten in die nordkoreanische Vertretung in Madrid. Sie stahlen Computer und Handys. Der Fall ist politisch hochbrisant.

Die Angreifer suchten möglicherweise Informationen über ihn: Kim Hyok-chol, Ex-Botschafter Nordkoreas in Spanien und Vertrauter von Machthaber Kim Jong-un.

Die Angreifer suchten möglicherweise Informationen über ihn: Kim Hyok-chol, Ex-Botschafter Nordkoreas in Spanien und Vertrauter von Machthaber Kim Jong-un. Bild: Reuters

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Falls der Verdacht bestätigt wird, haben die USA ein grosses Problem, das die Abrüstungsgespräche mit Nordkorea noch schwieriger machen wird. Die CIA steht unter Verdacht, in einen spektakulären Überfall auf die nordkoreanische Botschaft in Madrid verwickelt gewesen zu sein. Wie die Zeitung «El País» unter Berufung auf spanische Geheimdienstkreise berichtet, waren am vergangenen 22. Februar zehn maskierte Männer mit echt aussehenden Schusswaffen in das Botschaftsgebäude Nordkoreas im Norden Madrids eingedrungen.

Die Angreifer sollen acht Botschaftsangestellte gefesselt, geschlagen und befragt haben. Dabei stülpten sie den Opfern Tüten über den Kopf. Die Männer hielten sich etwa zwei Stunden in der Botschaft auf, ehe sie mit gestohlenen Computern, Datenträgern und Handys verschwanden. Schliesslich verliessen sie mit zwei Botschaftslimousinen den Tatort. Die Autos wurden später in der Nähe aufgefunden. Bei mindestens zwei der zehn Angreifer gibt es offenbar Verbindungen zum US-Geheimdienst. Aufgrund von Aufnahmen von Überwachungskameras wurden mehrere Personen identifiziert.

Vertrauter von Kim Jong-un war Botschafter in Madrid

Das Ziel des Überfalls könnte gewesen sein, Informationen über den ehemaligen Botschafter Nordkoreas in Spanien, Kim Hyok-chol, zu beschaffen. Kim Hyok-chol war 2017 nach Nukleartests des nordkoreanischen Regimes des Landes verwiesen worden. Heute gehört er zu den wichtigsten Vertrauenspersonen von Machthaber Kim Jong-un. Massgeblich beteiligt war Kim Hyok-chol an der Vorbereitung des Gipfels zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump Ende Februar in Vietnam. Der Überfall auf die nordkoreanische Vertretung in Madrid ereignete sich nur wenige Tage vor dem Gipfeltreffen in Hanoi. Das macht den mutmasslichen Agentenkrimi noch brisanter.

Schauplatz eines mysteriösen Überfalls: Die Botschaft Nordkoreas in Madrid. Foto: Reuters

Medienberichten zufolge stellten die spanischen Ermittler rasch fest, dass es sich beim Überfall auf die nordkoreanische Botschaft nicht um eine Aktion von gewöhnlichen Kriminellen handeln kann. Die Operation sei perfekt durchgeführt worden, als ob eine «militärische Zelle» dahintergestanden sei. Die gestohlenen Gegenstände wiesen zudem auf geheimdienstliche Interessen hin. Medien, die sich auf Sicherheitskreise berufen, berichten, dass «die Geheimdienste der USA die Aktion geplant haben, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit anderen Geheimdiensten oder Partnern».

Falls die CIA tatsächlich in den Vorfall verwickelt ist, haben die Amerikaner nicht nur mit Nordkorea ein Problem, sondern auch mit Spanien. Die unerlaubte US-Aktion auf spanischem Boden könnte zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Madrid und Washington führen. Die Amerikaner bestreiten eine Verwicklung in den Fall. Gemäss spanischen Quellen soll dies aber nicht auf überzeugende Weise geschehen sein. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.03.2019, 20:46 Uhr

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