Zwei weitere Festnahmen im Fall Lübcke

Nach dem Mord am hessischen Politiker werden zwei Männer der Beihilfe zur Tat verdächtigt. Derweil erhöht der Innenminister die Zahl der Rechtsextremisten.

Der Mord von Kassel: Die Ermittler suchen fieberhaft nach neuen Erkenntnissen. (Keystone/Juni 2019)

Der Mord von Kassel: Die Ermittler suchen fieberhaft nach neuen Erkenntnissen. (Keystone/Juni 2019)

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Nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben Ermittler in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Objekte durchsucht. Die Aktionen richteten sich nach Informationen von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung» gegen zwei Männer, die dem geständigen Täter Stephan E. Waffen vermittelt und verkauft haben sollen.

E. hatte in seinem überraschenden Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfügt – neben der Tatwaffe auch über eine Pumpgun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition. Er nannte Details, wie er sich diese beschafft hat und offenbarte die Verstecke.

Ermittler fanden das Gros des Schiessgeräts in einem Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers. Insgesamt handelt es sich um fünf Waffen. Nach Angaben von Stephan E. erwarb er Teile des Arsenals bereits 2014, die Tatwaffe im Jahr 2016.

Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord

Bei dem mutmasslichen Vermittler handelt es sich um einen Mann aus Kassel, der mutmassliche Verkäufer stammt aus dem Landkreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen beide im Zusammenhang mit der Tatwaffe wegen Beihilfe zum Mord. Es handelt sich um die beiden Deutschen Elmar J. und Markus H. im Alter von 64 und 43 Jahren.

Der 64-Jährige soll dem mutmasslichen Täter Stephan E. im Jahr 2016 die spätere Tatwaffe verkauft haben. Der Jüngere soll den Kontakt vermittelt haben. Ob sie über einschlägige Verbindungen in die rechtsextremistische Szene verfügen, ist bisher nicht bekannt. Zumindest bei dem Vermittler gibt es Hinweise darauf. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden NS-Devotionalien sichergestellt.

Umfeld soll intensiv ausgeleuchtet werden

Geprüft wird jetzt, ob die Waffen bereits bei vorherigen Straftaten verwendet wurden. Sie werden derzeit kriminaltechnisch untersucht. Auch gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass die beiden Männer von den Plänen von Stephan E. wussten. Beide wurden vorläufig festgenommen. Im Laufe des Tages soll über einen Haftbefehl entschieden werden.

Stephan E. hat zudem nach Angaben der Bundesanwaltschaft gestanden, selbst Waffen verkauft zu haben. Daher habe die Staatsanwaltschaft Kassel Ermittlungen gegen zwei weitere Beschuldigte eingeleitet. Ein Zusammenhang mit dem Fall Lübcke sei bislang nicht erkennbar. Daher übernehme die Bundesanwaltschaft diese Ermittlungen nicht.

Man werde sich aber sehr intensiv mit der Frage beschäftigten, in welchem Verhältnis diese Personen mit Stephan E. und den zwei anderen Männern standen, die im Zusammenhang mit der Tatwaffe festgenommen wurden. Das Umfeld dieser fünf Personen solle sehr intensiv ausgeleuchtet werden.

Zahl der Rechtsextremisten erreicht Höchststand

Die Zahl der vom Verfassungsschutz registrierten Rechtsextremisten hat einen neuen Höchststand erreicht. Die Gesamtzahl belief sich im vergangenen Jahr auf 24'100, wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts in Berlin sagte. Das sei ein Plus von 100 Menschen im Vergleich zum Vorjahr und «ein neuer Höchststand». Die Zahl gewalttätiger Rechtsextremisten habe bei 12'700 gelegen.

Insbesondere wegen der «hohen Waffenaffinität» der Szene seien die Zahlen «besorgniserregend», sagte Seehofer. In diesem Bereich bestehe eine «hohe Gefährdungslage». Einen deutlichen Anstieg registrierten die Behörden Seehofer zufolge bei den Reichsbürger. Deren Zahl stieg um 13 Prozent auf 19'000, 950 gelten als rechtsextrem. Auch sie hätten eine grosse Affinität zu Waffen. Die Reichsbürger behinderten Gerichte und Polizei und Behörden in der Arbeit.

Seehofer sprach auch über den Mord an Walter Lübcke. Nach wie vor sei nicht alles über die Hintergründe der bekannt, sagte der Innenminister. Es werde nun mit Hochdruck der Frage nachgegangen, inwieweit es ein Unterstützerumfeld gegeben habe. (fal/sz.de/afp)

Erstellt: 27.06.2019, 14:37 Uhr

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