Zum Hauptinhalt springen

Hunderte Touristen nach Erdbeben in Indonesien evakuiert

Die Zahl der Toten nach dem schweren Beben vor Lombok ist auf mindestens 142 gestiegen. Es gibt keine Hinweise auf Schweizer Opfer.

Hunderte Touristen verlassen Lombok. Video: Tamedia/AFP

Nach dem zweiten schweren Erdbeben vor der indonesischen Insel Lombok innerhalb einer Woche ist die Zahl der Toten auf mindestens 142 gestiegen. Mehrere hundert Menschen wurden nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde vom Montag verletzt. Auch die Nachbarinsel Bali ist betroffen, dort gab es mehrere hundert Verletzte. Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern. Am Montag gab es immer wieder kräftige Nachbeben.

Die Insel Lombok wurde am Sonntag erneut von einem schweren Beben erschüttert.
Die Insel Lombok wurde am Sonntag erneut von einem schweren Beben erschüttert.
Fred Dufour, AFP
Die Zahl der Toten ist auf 555 gestiegen.
Die Zahl der Toten ist auf 555 gestiegen.
Fred Dufour, AFP
Ein Einkaufszentrum in Denpasar, Bali.
Ein Einkaufszentrum in Denpasar, Bali.
Sonny Tumbelaka, AFP
1 / 23

Das Beben am Sonntagabend hatte eine Stärke von 7,0. Es folgten zahlreiche Nachbeben. Demnach folgten auf den schweren Erdstoss zwei Nachbeben, eines davon mit einer Stärke von 5,4. Erst vor einer Woche waren bei einem Erdbeben der Stärke 6,4 auf der Ferieninsel 17 Menschen getötet worden.

Nach dem erneuten Erdbeben in Indonesien könnte die Zahl der Toten weiter steigen. (Video: Reuters)

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntagabend erschüttert. Das Zentrum des Bebens lag rund 18 Kilometer nordöstlich von Lombok im Meer, in etwa 15 Kilometern Tiefe. Die grössten Schäden gab es an der Nordküste. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Süden und der Westen, wo sich die meisten Urlauber aufhalten, ist weniger betroffen.

Tsunami-Warnung wieder aufgehoben

Die indonesischen Behörden gaben eine Tsunami-Warnung aus, hoben diese aber nach kurzer Zeit wieder auf. Die Behörden hatten die Menschen aufgefordert, sich vom Meer zu entfernen. «Bitte gehen Sie zu einem höher gelegenen Ort», sagte Dwikorita Karnawati, Leiterin der indonesischen Wetter- und Geophysikbehörde, einem lokalen Fernsehsender. Die Menschen sollten dabei «ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen».

Erdbeben der Stärke 7,0 in Indonesien. Video: Reuters

Meerwasser überflutete zwei Dörfer mit einer Höhe von zehn und 13 Zentimetern, wie Karnawati bekanntgab. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde ging davon aus, dass zahlreiche Gebäude in Lomboks Hauptort Mataram beschädigt worden seien. Die meisten Häuser seien mit nicht besonders widerstandsfähigem Material gebaut worden.

Keine Hinweise auf Schweizer Opfer

Es gibt aktuell keine Hinweise auf Schweizer Opfer, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Montag auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA mitteilte. Die Schweizer Vertretung in Jakarta steht mit den zuständigen lokalen Behörden sowie mit mehreren Dutzend Schweizer Bürgerinnen und Bürgern in der betroffenen Region in Kontakt, welche Schwierigkeiten haben, die erdbebenbetroffene Region zu verlassen.

Gemäss dem EDA vorliegenden Informationen sind aktuell Häfen sowie Flughäfen vor Ort offen. Es kommt jedoch aufgrund der hohen Nachfrage an verschiedenen Stellen zu Wartezeiten bei der Ausreise aus dem erdbebenbetroffenen Gebiet.

Schweizer Staatsangehörigen, die durch das Erdbeben blockiert sind, empfiehlt das EDA, sich mit dem Reiseveranstalter und/oder der Reiseversicherung in Kontakt zu setzen und sich zusätzlich über die Medien, das Hotel, den Reiseveranstalter oder durch Bekannte auf dem Laufenden zu halten. Den Anweisungen der lokalen Behörden ist Folge leisten.

Schweizer Staatsangehörigen, die eine Reise in die betroffenen Gebiete planen, empfiehlt das EDA, sich beim Reiseveranstalter erkundigen, ob Reise wie geplant durchgeführt werden kann. Wer nicht über ein Reisebüro gebucht hat, kann sich in den internationalen und lokalen Medien ein Bild machen oder sich bei Touristenbüros oder Hotels vor Ort erkundigen.

Zwei für den Montag geplante internationale Konferenzen mit Ministern aus Nachbarländern zu den Themen regionale Sicherheit und Terrorabwehr auf Bali und Lombok wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt. Alle bereits angereisten Gäste seien sicher und unversehrt, hiess es von offizieller Seite.

Lombok erneut von Erdbeben erschüttert. Video: Tamedia/Leserreporter

TCS hilft Mitgliedern

Der Touring Club Schweiz (TCS) evakuierte 12 seiner Mitglieder von der kleinen Insel Gili vor Lombok nach Bali per Helikopter. Für weitere TCS-Mitglieder werde eine Rückreise in die Schweiz oder eine Weiterreise organisiert, teilte die Organisation mit. Der TCS stehe mit 35 seiner Mitglieder, welche sich in der Gefahrenregion aufhalten, in Kontakt. Alle seien wohlauf. Für die Mitglieder werde eine möglichst baldige Rückreise in die Schweiz oder eine Weiterreise organisiert. Die Flughäfen Lombok und Denpansar seien offen und es herrsche Normalbetrieb.

Zweites Unglück binnen kurzer Zeit

Erst vor einer Woche hatte auf Lombok die Erde gebebt. Die Erschütterungen hatten eine Stärke von 6,4. Mehr als ein dutzend Personen waren bei dem Erdbeben ums Leben gekommen und Tausende Häuser waren beschädigt worden.

In Indonesien kommt es häufig zu Erdbeben, weil der Staat am sogenannten Pazifischen Feuerring liegt. Dort gibt es besonders viele Vulkane. Auch starke Erdbeben treten häufig auf und lösen zum Teil Tsunamis aus. Nach dem jüngsten Beben war zunächst eine Tsunami-Warnung ausgelöst worden; diese wurde aber nach kurzer Zeit wieder aufgehoben.

Panik in der Bevölkerung

In Mataram sorgte das Erdbeben für Schrecken. «Alle rannten sofort aus ihren Häusern, jeder war in Panik», sagte ein Einwohner der Nachrichtenagentur AFP. Eine 47-jährige Frau berichtete, dass als Folge des Bebens der Strom ausgefallen sei.

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien - meist ohne Licht, weil durch das Beben auch zahlreiche Stromleitungen gekappt waren. «Wir sammeln uns hier im Dunkeln ohne Strom. Jeder ist draussen im Freien», sagte der Distriktchef von Nord-Lombok, Najmul Akhyar. Viele Schulen blieben am Montag geschlossen, weil nicht klar war, ob die Gebäude noch sicher sind. Patienten seien aus dem grössten Krankenhaus der Stadt in Sicherheit gebracht worden.

Das Beben war auch in rund 100 Kilometern Entfernung auf der bekannteren Nachbarinsel Bali zu spüren. Dort rannten Urlauber in Panik aus ihren Hotels. Nach Medienberichten wurden das Gebäude des internationalen Flughafens Ngurah Rai sowie zwei Einkaufszentren in der Stadt Ubud, die im Inselinneren liegt, beschädigt. Der Flugbetrieb ist nach Angaben der Behörden von dem Beben aber nicht beeinträchtigt. Indonesiens Präsident Joko Widodo versprach den Opfern finanzielle Hilfe.

Hunderte Touristen evakuiert

Hunderte Urlauber wurden von den benachbarten Gili-Inseln mit Booten in Sicherheit gebracht. 200 Touristen aus dem In- und Ausland seien bereits evakuiert worden, sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho, am Montag. Rund 700 weitere Menschen warteten noch auf ihre Evakuierung.

Der Erdstoss war auch auf den Gili-Inseln und auf Bali zu spüren. Auf den Gili-Inseln gab es nach Angaben eines Vertreters der dortigen Rettungskräfte mindestens einen Toten und mehrere Verletzte. Mehrere Hotels wurden beschädigt.

Die Touristen wurden nach Lombok gebracht, von dort aus wollten die meisten die Insel dann mit dem Flugzeug Richtung Heimat verlassen. Es gab auch Urlauber, die innerhalb einer einzigen Woche gleich zwei schwere Beben miterlebten.

Die von Korallenriffen umgebenen Gili-Inseln liegen einige Kilometer vor der Nordwestküste von Lombok. Die drei kleinen Inseln sind vor allem bei Rucksacktouristen und Tauchern beliebt.

500 Wanderer von aktivem Vulkan gerettet

Erst vor einer Woche hatte sich 50 Kilometer nordöstlich von Mataram ein Beben ereignet. Die Erschütterungen hatten eine Stärke von 6,4. Nach dem ersten Erdstoss gab es zwei weitere starke Beben sowie mehr als hundert Nachbeben. Viele Bewohner waren damals im Schlaf überrascht worden.

17 Menschen kamen ums Leben, über 350 Personen wurden verletzt. Hunderte Gebäude und ein Krankenhaus wurden damals im Erdbebengebiet zerstört. Mehr als 500 Wanderer mussten von dem aktiven Vulkan Rinjani gerettet werden, wo sie nach dem Erdbeben zunächst festgesessen hatten. Unter ihnen waren auch annähernd 200 Touristen aus dem Ausland, darunter etwa zwei Dutzend Deutsche.

Video: Wanderer kommen mit Schrecken davon

Nach dem ersten Erdbeben steckten hunderte Touristen auf dem aktiven Vulkan fest – darunter Schweizer. Nun konnten alle geborgen werden. Video: Tamedia/AP

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde, oder es brechen Vulkane aus. Lombok ist die kleinere Nachbarinsel von Bali. Lange Zeit galt sie als Geheimtipp für Leute, denen Bali zu touristisch geworden war. Inzwischen sind aber auch dort viele Urlauber unterwegs.

sda/afp/ij/fal/chk/sep

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch