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Hunderte Vermisste nach Schiffsunglück auf Jangtse

Nach dem Kentern eines chinesischen Passagierschiffs auf dem Fluss Jangtse werden Hunderte Insassen vermisst. Nur wenige der 458 Personen an Bord konnten gerettet werden.

Rettungshelfer auf dem Kiel des gekenterten Schiffes im Jangtse
Rettungshelfer auf dem Kiel des gekenterten Schiffes im Jangtse
Keystone

Aus dem gekenterten Touristenschiff konnten gemäss den Behröden 14 Überlebende gerettet werden. Darunter waren drei Personen, die in einer Luftblase im Rumpf des umgekehrten Schiffes ausgeharrt hatten. Bergungstrupps hatten zuvor ein Loch in den Schiffsrumpf geschnitten, um die drei Personen erreichen zu können. Taucher versuchten, zu weiteren Personen im kieloben liegenden Schiff vorzudringen. aus. Die Einsatzkräfte gingen Klopfgeräuschen aus dem Rumpf nach. Es könnte mehrere Luftblasen in dem Schiff geben, wo Überlebende ausharrten, meinten Experten. Obwohl ein kleiner Teil des knapp 77 Meter langen Rumpfs aus dem Jangtse ragte, kamen die Bergungsarbeiten im nach wie vor schlechten Wetter nur mühsam voran. Starker Wind und Regen behinderten die Arbeiten. Rund 150 Schiffe und mehr als 3000 Helfer beteiligten sich nach Angaben der Lokalzeitungen an der Rettungsaktion, darunter 140 Taucher. Koordiniert wurden sie von Ministerpräsident Li Keqiang persönlich. Sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, wäre der Untergang die grösste Schiffskatastrophe in China seit fast 70 Jahren. Keine Zeit für Notsignal Zu den wenigen Geretteten zählten laut Nachrichtenagentur Xinhua der Kapitän und der Chefmaschinist, die zur Befragung in Polizeigewahrsam genommen wurden. Ihren Angaben zufolge sei das Schiff am Montagabend in einen plötzlich aufgekommenen Wirbelsturm geraten. Es sei "innerhalb von ein oder zwei Minuten" gesunken, zitierte Xinhua den Kapitän. Es blieb demnach keine Zeit mehr, einen Notruf abzusetzen. Alarm schlugen erst sieben Insassen, nachdem sie ans Ufer schwimmen konnten. Ein Überlebender erzählte Xinhua, er habe sich durch ein Fenster gezwängt, als das 76,5 Meter lange Schiff kenterte. Erst im Morgengrauen habe er an einem Ast geklammert das Ufer erreicht. Der 43-jährige Reiseleiter Zhang Hui, der das Unglück ebenfalls überlebte, berichtete Xinhua, dass ein Regensturm am Montagabend kurz nach 21 Uhr dem Schiff schwer zu schaffen machte: "Das Regenwasser strömte an der rechten Schiffsseite herunter, viele Passagierkabinen wurden geflutet", sagte er. Demnach rann das Wasser selbst noch durch geschlossene Fenster. Eine halbe Stunde später kenterte das Schiff. Nicht überladen An Bord der "Dongfangzhixing" ("Stern des Ostens") befanden sich laut der Zeitung "People's Daily" 406 chinesische Touristen, fünf Reiseleiter und 47 Besatzungsmitglieder. Die meisten Passagiere sollen zwischen 50 und 80 Jahre alt sein. Erste Ermittlungen ergaben Xinhua zufolge, dass das Schiff nicht überladen war. Auch hätten sich ausreichend Rettungswesten an Bord befunden. Viele der Reisenden dürften im Schlaf überrascht worden sein. Der Jangtse ist mit rund 6300 Kilometern der längste Fluss Chinas. An der Unglücksstelle soll er etwa 15 Meter tief sein. Der "Stern des Ostens", der Platz für mehr als 500 Menschen hat, war auf dem Weg vom ostchinesischen Nanjing (Nanking) Richtung Südwesten in die Millionenmetropole Chongqing. Das Schiff sank gegen 21.28 Uhr Ortszeit. Unglücke diesen Ausmasses sind in der Volksrepublik ungewöhnlich. Das bislang schlimmste Schifffahrtsunglück ereignete sich 1948. Damals explodierte ein Dampfer, mehr als 1000 Menschen starben

SDA

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