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Interpol-Präsident ist verschwunden

Der chinesiche Präsident der internationalen Polizei-Organisation wird vermisst. Die französische Justiz hat eine Untersuchung eingeleitet.

War Ende September nach China aufgebrochen: Von Interpol-Präsident Meng Hongwei fehlt seither jede Spur. (Archivbild)
War Ende September nach China aufgebrochen: Von Interpol-Präsident Meng Hongwei fehlt seither jede Spur. (Archivbild)
Jeff Pachoud, Reuters

Der Präsident der internationalen Polizei-Organisation Interpol wird vermisst. Meng Hongwei sei auf einer China-Reise verschwunden, wie es aus Ermittlerkreisen heisst. Seine Frau hatte die Behörden alarmiert. Meng wird demzufolge seit Ende September vermisst. Seine Familie habe ihn seitdem nicht mehr kontaktieren können. Der Interpol-Präsident ist auch Chinas stellvertretender Minister für öffentliche Sicherheit.

Der französische Sender Europe 1 berichtete, dass Meng nicht mehr von sich habe hören lassen, seit er Frankreich Ende September für eine Reise nach China verlassen habe. Interpol teilte auf Anfrage mit, man sei sich der Medienberichte über das «angebliche Verschwinden» von Meng Hongwei bewusst. «Dies ist eine Angelegenheit für die zuständigen Behörden in Frankreich und China.» Für die Führung der Alltagsgeschäfte von Interpol sei Generalsekretär Jürgen Stock verantwortlich. Das Generalsekretariat werde sich nicht näher zu der Angelegenheit äussern. Interpol ist die wichtigste internationale Polizeiorganisation der Welt, ihr Sitz ist Lyon. Die 192 Mitgliedstaaten tauschen über Interpol unter anderem Informationen zu gesuchten Personen aus.

Der 64-Jährige lebt mit Frau und Kindern ebenfalls in Lyon, wie der «Independent» berichtet.

Der Hauptsitz von Interpol befindet sich in Lyon. (Archivbild) Bild: Keystone
Der Hauptsitz von Interpol befindet sich in Lyon. (Archivbild) Bild: Keystone

Auch aus China noch keine Hinweise

Auch in China gab es zunächst keine Hinweise, was mit Meng Hongwei geschehen sein könnte. Wegen der Ferienwoche um den Nationalfeiertag sind alle Ministerien und Behörden geschlossen. Wenn aber in der Vergangenheit höhere Mitglieder der Regierung aus der Öffentlichkeit verschwunden sind, hatte das häufig etwas mit Ermittlungen wegen Korruption oder anderer Disziplinarvergehen in der Partei zu tun. Die Betroffenen werden dann während der Ermittlungen an einem geheimen Ort praktisch unter Hausarrest gesetzt – meist ohne Kontakt zu ihrer Familie. Häufig dauert es dann auch längere Zeit, bis die Partei, die über ihre Disziplinarkommission als erste ermittelt, eine Mitteilung zur Untersuchung macht.

Was aber Meng Hongwei widerfahren sein könnte, war am Freitag völlig offen. Er war 2016 als erster Chinese zum Präsidenten von Interpol gewählt worden. Menschenrechtler hatten besorgt auf die Personalie reagiert: Amnesty International warf China damals vor, schon lange zu versuchen, Interpol für die Fahndung nach Dissidenten und Aktivisten zu benutzen.

Der Interpol-Präsident wird immer für vier Jahre gewählt und steht dem Exekutivausschuss der Organisation vor. Dieses Gremium wacht über die Umsetzung der Entscheidungen der jährlichen Generalversammlung der Organisation.

SDA/oli/fal

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