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Irak vertreibt Kurden von Flughafen und Ölquellen

Truppen der irakischen Regierung und verbündete Milizen haben in der Ölregion Kirkuk rasche Geländegewinne erzielt. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

Irakische Truppen und kurdische Peschmerga-Kämpfer liefern sich schwere Gefechte. (19. Oktober 2017)
Irakische Truppen und kurdische Peschmerga-Kämpfer liefern sich schwere Gefechte. (19. Oktober 2017)
Khalid Mohammed/AP, AFP
Irakische Truppen und kurdische Peschmerga-Kämpfer liefern sich schwere Gefechte. (19. Oktober 2017)
Irakische Truppen und kurdische Peschmerga-Kämpfer liefern sich schwere Gefechte. (19. Oktober 2017)
Khalid Mohammed/AP, AFP
Am 9. Oktober hatte Vizepräsident Iyad Allawi allerdings vor Bürgerkrieg gewarnt. Er rief die Kurden und die mit seiner Regierung verbündeten und vom Iran unterstützten Milizen zur Zurückhaltung auf. Falls die irakischen Volksmobilmachung-Milizen in Kirkuk einmarschieren, würden «alle Möglichkeiten zur Vereinigung beschädigt» und «gewaltsamen Konflikten» die Tür geöffnet.
Am 9. Oktober hatte Vizepräsident Iyad Allawi allerdings vor Bürgerkrieg gewarnt. Er rief die Kurden und die mit seiner Regierung verbündeten und vom Iran unterstützten Milizen zur Zurückhaltung auf. Falls die irakischen Volksmobilmachung-Milizen in Kirkuk einmarschieren, würden «alle Möglichkeiten zur Vereinigung beschädigt» und «gewaltsamen Konflikten» die Tür geöffnet.
AP Photo/Hadi Mizban, Keystone
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Angesichts auf Kirkuk vorrückender Regierungstruppen haben irakisch-kurdische Kämpfer ihre Stellungen am Internationalen Flughafen der Stadt aufgegeben. Das irakische Militär hat laut eigenen Angaben in der Nähe von Kirkuk auch zwei grosse Ölfelder eingenommen. Die Soldaten hätten die Felder North Oil Company und Baba Gurgur von kurdischen Kämpfern erobert, teilte das Militär am Montag mit.

Zivilisten flohen in grosser Zahl aus der von beiden Seiten beanspruchten Stadt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP heute weiter beobachtete. Polizisten an einem Kontrollposten im Norden erklärten, kurdische Familien machten sich auf den Weg nach Erbil im autonomen Kurdengebiet.

Kurden geben Turkmenen-Viertel auf

Zuvor hatten Regierungstruppen ein Industriegebiet und ein Kraftwerk südlich von Kirkuk eingenommen. In die Stadt selbst drangen sie zunächst nicht vor. Dort bezogen jedoch vom Staat geduldete schiitisch-arabische Milizen Stellung.

Die Kurden der Stadt stehen den sogenannten Volksmobilisierungskräften mit grossem Misstrauen gegenüber. Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi hatte kurz zuvor versichert, die PMF blieben ausserhalb der Stadt. Ein AP-Reporter beobachtete Milizionäre in turkmenischen Gebieten im Westen der Stadt, die zuvor von kurdischen Truppen aufgegeben worden waren.

Ölfelder und Flughafen: Irak meldet die Einnahme von weiten Teilen Kirkuks. Video: Reuters

Tote bei Gefechten

Die irakische Armee hat ihre Geländegewinne nach eigenen Angaben grösstenteils kampflos erzielt. Bei Zusammenstössen von Peschmerga-Kämpfern und Milizionären von Hachd al-Chaab in der Nacht auf Montag sind nach Angaben eines kurdischen Vertreters allerdings zehn Peschmerga getötet und 27 weitere verletzt worden. Die Zahlen betreffen aber nur einen Frontabschnitt, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

Medienberichten zufolge sind die irakischen Sicherheitskräfte auch in die bislang von Kurden kontrollierte Stadt Tus Churmatu vorgerückt. Auch die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria berichtete, irakische Sicherheitskräfte hätten Positionen in Tus Churmatu eingenommen.

Schutz der Bürger

In mehreren Tweets verkündete Premierminister Abadi, er wolle Sicherheit in Kirkuk zusammen mit den Bewohnern und den kurdischen Kräften herstellen. Priorität sei es, die Bürger zu schützen, die er aufrief, mit seinen Truppen zusammenzuarbeiten. Noch Stunden zuvor hatte der Irakische Sicherheitsrat den Kurden vorgeworfen, Kräfte mit Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nach Kirkuk zu bringen. Dies sei eine «Kriegserklärung».

Das türkische Aussenministerium hat dem Irak seine Hilfe im Kampf gegen die PKK angeboten. «Wir sind zu jeder Art von Kooperation zur Beendigung der PKK-Präsenz auf irakischem Boden bereit», teilte Ankara mit.

Der Gouverneur Kirkuks, Najmiddin Karim, rief die Bürger der Region derweil dazu auf, sich zu bewaffnen und die Provinz zu verteidigen. Das Ziel der Offensive sind Rudaw zufolge eine Militärbasis, der Flughafen im Westen der Stadt sowie die Ölfelder, die von den Kurden kontrolliert werden. Die Seite berief sich auf den Sicherheitsrat der Autonomieregion Kurdistan.

Kirkuk von irakischer Armee übernommen

Kirkuk und die nahe gelegenen Öl-Felder werden seit 2014 von kurdischen Peschmerga-Kämpfern kontrolliert. Sie übernahmen die Region, nachdem die irakische Armee vor dem anrückenden IS floh.

Die Millionenstadt Kirkuk mit ihren überwiegend kurdischen Einwohnern gehört aber nicht zur autonomen Kurdenregion, in der im vergangenen Monat ein Unabhängigkeitsreferendum abgehalten wurde.

Mit dem Vormarsch reagiert Iraks Zentralregierung auf das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum der Kurden. Diese hatten sich im September in einer Volksabstimmung mit grosser Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Die irakische Regierung lehnt das Referendum ab. Bagdad versucht nun, die Region zu isolieren.

Das US-Verteidigungsministerium forderte beide Seiten auf, eine weitere Eskalation in der Region zu vermeiden. Die USA haben sowohl die irakische Armee als auch die Peschmerga im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen ausgerüstet.

sda/AFP/AP/chk/rub

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