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Putin gibt umstrittene Krim-Brücke für Zugverkehr frei

Die Strassenverbindung in der Meerenge von Kertsch wurde bereits im Mai 2018 eröffnet. Nun verbinden auch die Schienen das russische Festland mit der Halbinsel.

Die Eröffnung wurde live am TV übertragen: der russische Präsident Putin in der Führerkabine. (23. Dezember 2019)
Die Eröffnung wurde live am TV übertragen: der russische Präsident Putin in der Führerkabine. (23. Dezember 2019)
Keystone

Mit einer Zugfahrt auf der längsten Brücke Russlands und Europas gab am Montag der russische Präsident Wladimir Putin den Bahnverkehr zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim frei. Die EU und die USA kritisieren das Bauwerk als illegal, weil die von Russland annektierte Krim seit 1954 völkerrechtlich zur Ukraine gehört. Bevölkert ist sie allerdings mehrheitlich von Menschen mit russischen Wurzeln.

Das russische Staatsfernsehen zeigte am Montag in einer Live-Sendung, wie Putin zuerst beim Lokführer in der Kabine stand. «Pojechali» – «Los geht's», sagte er. Eine echte «Schönheit» sei die Brücke, die erstmals seit 2014 nun wieder Bahnfahrten auf die Krim ermöglicht.

Die Ukraine, die den Zugverkehr von ihrem Kernland aus nach der militärischen Besetzung von 2014 durch russische Truppen eingestellt hatte, verhängte Sanktionen gegen die Baufirmen. Putin dagegen zeigte sich überglücklich, weil hier mit Talent und beharrlicher Zielstrebigkeit gezeigt werde, «dass Russland in der Lage ist, solche Infrastrukturprojekte auf Weltniveau umzusetzen». «Das ist nicht nur die grösste Brücke Russlands, sondern von ihrer Ausdehnung her auch die grösste Brücke in Europa», betonte Putin.

Das Bauwerk in der Meerenge von Kertsch – zwischen Schwarzem und Asowschem Meer – ist 19 Kilometer lang. Die Kosten werden mit 228 Milliarden Rubel (rund 3,6 Milliarden Franken) angegeben. Den Autobahnteil der Brücke hatte Putin bereits im vergangenen Jahr eröffnet.

Mit Arbeitern trank der Kreml-Chef in einem Speisewagen Tee, während der Zug von Kertsch zur russischen Halbinsel Taman fuhr. «Das ist ein grosses Ereignis», sagte Putin am Bahnhof. Nach mehr als vier Jahren Bauzeit für die Gleise rollen nun auch die ersten Züge pünktlich vom russischen Kernland auf die Halbinsel. Das Fernsehen zeigte den Start aus St. Petersburg, wo die ersten 530 Passagiere im Zug sassen. Sie sollen in der Nacht zum Mittwoch auf der Krim ankommen.

Täglich von Moskau und St. Petersburg

Tägliche Verbindungen sind von Moskau in die Krim-Hauptstadt Simferopol und von St. Petersburg in die Schwarzmeer-Stadt Sewastopol, einem bedeutenden Stützpunkt der russischen Marine, geplant. Im Sommer sollen es mehr Züge sein. Nach Angaben des russischen Verkehrsministeriums werden später auch aus anderen Städten Verbindungen auf die bei Touristen beliebte Halbinsel eingerichtet.

Vor allem Reiseanbieter hoffen auf einen neuen Touristenboom. Die Urlauberzahlen auf der Krim waren massiv eingebrochen, nachdem die Ukraine die Zugverbindung eingestellt hatte. Auf der Krimbrücke – Strasse und Schiene – sollen im kommenden Jahr 14 Millionen Passagiere transportiert werden und 13 Millionen Tonnen Waren. Der Güterverkehr per Bahn soll erst später 2020 beginnen.

Hoffen auf wirtschaftlichen Aufschwung

Vor allem die Krim-Bewohner erhoffen sich einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die neue Verkehrsanbindung. Putin sprach von einem «sehr erfreulichen Ereignis» für die Menschen auf der Halbinsel.

In der 145-jährigen Geschichte der Eisenbahnverbindungen zur Krim habe es nur drei Unterbrechungen gegeben - zur Oktoberrevolution 1917, im Zweiten Weltkrieg zur Zeit der deutschen Besatzung dort und 2014, sagte Putin. Davor fuhren die Züge von Russland durch die Ukraine auf die Krim.

Nachdem der einstmalige ukrainische Parteichef Nikita Chruschtschow 1953 KP-Chef der gesamten Sowjetunion geworden war, wurde die Krim ein Jahr später an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angegliedert. Anlass war das 300-Jahre-Jubiläum des Vertrages von Perejaslaw von 1654, in dessen Rahmen sich der von Polen bedrängte ukrainische Kosakenstaat dem Schutz des russischen Zaren unterstellt hatte.

Nach offizieller russischer Sichtweise (auch derjenigen des ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Asarow) brach Chruschtschow damit staatsrechtlich gesehen die Verfassung der Russischen Föderation, die die territoriale Integrität des Vaterlandes zu wahren verpflichtete. Eigentlich hätten der Oberste Sowjet in Moskau und jener in Kiew zustimmen müssen.

SDA/nag

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