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Trump bezeichnet Kavanaugh als «perfekten Mann»

Trumps Richterkandidat soll auch eine frühere Kommilitonin sexuell belästigt haben. Der US-Präsident verteidigt seinen Mann fürs Oberste Gericht.

Er soll vor Jahrzehnten unter Alkoholeinfluss eine junge Frau genötigt haben: Richterkandidat Brett Kavanaugh. (Archivbild)
Er soll vor Jahrzehnten unter Alkoholeinfluss eine junge Frau genötigt haben: Richterkandidat Brett Kavanaugh. (Archivbild)
Keystone
Der neue Richter am Obersten Gericht soll als 17-Jähriger versucht haben, die 15-jährige Christine Ford zu vergewaltigen.
Der neue Richter am Obersten Gericht soll als 17-Jähriger versucht haben, die 15-jährige Christine Ford zu vergewaltigen.
AP Photo/J. Scott Applewhite
Kavanaugh steht auch wegen seiner konservativen Haltung zum Abtreibungsrecht in der Kritik: Seine erste Senatsanhörung wurde von Protesten begleitet.
Kavanaugh steht auch wegen seiner konservativen Haltung zum Abtreibungsrecht in der Kritik: Seine erste Senatsanhörung wurde von Protesten begleitet.
Michael Reynolds, Keystone
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Der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für den Supreme Court, Brett Kavanaugh, gerät durch weitere Missbrauchsvorwürfe schwer unter Druck. Eine zweite Frau beschuldigt Kavanaugh, dass er sie vor vielen Jahren sexuell belästigt haben soll.

Eine frühere Kommilitonin Kavanaughs von der Universität Yale sagte dem Magazin «The New Yorker», Kavanaugh habe sich Anfang der 80er Jahre bei einer Studentenparty im Beisein von anderen plötzlich vor ihr ausgezogen und ihr seinen Penis ins Gesicht gestreckt. Kavanaugh wies das umgehend zurück. Es meldete sich noch dazu ein prominenter Anwalt zu Wort, der behauptet, auch er habe eine Mandantin, die schwere Anschuldigungen gegen Kavanaugh erhebe.

Kavanaugh weist weiterhin alle Vorwürfe zurück

Die ranghöchste Vertreterin der oppositionellen Demokraten im Justizausschuss des US-Senats, Dianne Feinstein, forderte angesichts der neuen Anschuldigungen «eine sofortige Verschiebung jeglicher weiterer Beratungen in Verbindung mit der Nominierung von Brett Kavanaugh».

Die Bundespolizei FBI müsse die Anschuldigungen untersuchen und dem Ausschuss einen «vollständigen und objektiven Bericht» vorlegen, hiess es in einem am Sonntagabend (Ortszeit) veröffentlichten Schreiben an den republikanischen Ausschussvorsitzenden Chuck Grassley.

Trump hatte Kavanaugh als Richter für den Supreme Court, das höchste US-Gericht, vorgeschlagen. Kurz vor der geplanten Entscheidung des US-Senats über die Personalie kamen aber heftige Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit: Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford beschuldigte ihn, er habe 1982 am Rande einer Schülerparty versucht, sie zu vergewaltigen. Ein Jugendfreund von Kavanaugh, Mark Judge, sei damals mit im Raum gewesen. Judge beteuerte, von einem solchen Vorfall nichts zu wissen.

Nach tagelangem Gezerre wurde schliesslich für Donnerstag eine Anhörung von Kavanaugh und Ford vor dem Justizausschuss des Senats angesetzt. Die beiden sollen dort zu der Sache aussagen. Feinstein forderte, auch diese Anhörung abzusagen.

Verleumdungskampagne?

Die neuen Vorwürfe von der Studentenparty an der Universität Yale im akademischen Jahr 1983/1984 stammen von der heute 53-jährigen Deborah Ramirez. Kavanaugh wies Ramirez' Vorwürfe – wie schon jene von Ford – umgehend zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnete er die Vorwürfe als «Verleumdung, schlicht und einfach». Er freue sich darauf, am Donnerstag vor dem Senat zu den Anschuldigungen auszusagen und seinen «guten Namen» zu verteidigen.

Auch das Weisse Haus sah sich zu einer Stellungnahme bemüssigt und bezeichnete die Anschuldigungen als «koordinierte Verleumdungskampagne der Demokraten, um einen guten Mann zu zerstören». Man stehe voll hinter Kavanaugh. Auch der US-Präsident meldete sich erneut zu Wort.

Trump: Anschuldigungen «völlig politisch»

Donald Trump hält die gegen Kavanaugh erhobenen Belästigungsvorwürfe für «völlig politisch» motiviert. Die Anschuldigungen zählten zu den «unfairsten, ungerechtesten Dingen», die einem Bewerber widerfahren könnten, sagte Trump am Montag in New York.

Dagegen verteidigte der US-Präsident seinen Wunschkandidaten für das Oberste Gericht als «perfekten Mann mit einer untadeligen Vergangenheit».

Besetzung des Richterpostens ist grosses Politikum

Die Vorwürfe gegen den Richterkandidaten sind Gegenstand einer heftigen parteipolitischen Auseinandersetzung. Die Demokraten haben grosse Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, Kavanaughs Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern und Kavanaugh verhindert werden könnte.

Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht der USA auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben.

Als Reaktion auf Ramirez' Vorwürfe forderten die Demokraten, den weiteren Prozess zur Berufung Kavanaughs zu unterbrechen und die Angaben der Frau vom FBI untersuchen zu lassen.

Doch es kommen noch weitere Anschuldigungen hinzu. Der Anwalt der Porno-Darstellerin Stormy Daniels, Michael Avenatti, twitterte in der Nacht zu Montag, er vertrete eine weitere Frau, die «glaubwürdige Informationen» gegen Kavanaugh und dessen Schulfreund Mark Judge habe.

Es gehe dabei um Hauspartys Anfang der 80er Jahre, bei denen Kavanaugh, Judge und andere daran beteiligt gewesen seien, Frauen mit Alkohol abzufüllen oder unter Drogen zu setzen, damit diese Frauen dann von mehreren Männern hintereinander missbraucht werden konnten.

Der US-Senat müsse Kavanaugh dazu befragen, forderte Avenatti - ohne seine Anschuldigungen zu untermauern und ohne zu erklären, welche Rolle Kavanaugh bei alldem genau gespielt haben soll. Avenatti vertritt die Porno-Darstellerin, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heisst und die behauptet, 2006 mit Donald Trump Sex gehabt zu haben.

SDA/TA/NN

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