US-Kongress stuft Massaker an Armeniern als Völkermord ein

Nach dem Repräsentantenhaus stimmt auch der US-Senat für die Resolution. In der Schweiz hat 2013 nur der Nationalrat, nicht aber der Bundesrat den Genozid anerkannt.

Die Entscheidung dürfte für neuerliche Spannungen zwischen Washington und Ankara sorgen. Foto: Keystone

Die Entscheidung dürfte für neuerliche Spannungen zwischen Washington und Ankara sorgen. Foto: Keystone

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Der US-Kongress hat die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord eingestuft. Der Senat beschloss am Donnerstag einstimmig eine entsprechende Resolution, die bereits im Oktober vom Repräsentantenhaus beschlossen worden war. In den vergangenen Wochen war die Resolution im Senat drei Mal gescheitert.

Nach armenischer Darstellung wurden zwischen 1915 und 1917 im überwiegend muslimischen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen christliche Armenier getötet. Die Türkei räumt den Tod von 300'000 bis 500'000 Armeniern ein, weigert sich aber, die Massaker als Völkermord anzuerkennen, obwohl dieser unter Historikern weltweit weitgehend als unumstritten gilt.

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier, die als Unterstützter des christlichen russischen Zarenreiches verdächtigt wurden, systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden.

Bundesrat anerkannte Völkermord nicht

Als erstes grosses europäisches Land stufte Frankreich 2001 die Massaker offiziell als Genozid ein. In der Schweiz erkannte der Nationalrat 2003 die Massaker an den Armeniern als Völkermord an, nicht aber der Bundesrat. 2015 erkannte auch der österreichische Nationalrat den Völkermord an den Armeniern an, und ein Jahr später tat dies auch der deutsche Bundestag, was eine schwere diplomatische Krise mit der Türkei auslöste.

Als das US-Repräsentantenhaus Ende Oktober für die Armenien-Resolution stimmte, führte dies zu scharfem Protest aus Ankara. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete den Vorwurf des Völkermordes als «die grösste Beleidigung unseres Volkes». (step/sda)

Erstellt: 12.12.2019, 21:08 Uhr

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