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«Wie ist es, wenn auf dich geschossen wird?»

Beim Massaker von Las Vegas sind bislang mindestens 59 Menschen ums Leben gekommen. Darunter auch Kriegsveteran Chris Roybal.

Zehn Monate nach dem Massaker von Las Vegas mit 58 Toten hat die Polizei kein Motiv für die Tat gefunden: Sheriff Joe Lombardo präsentierte in Las Vegas den Abschlussbericht. (3. August 2018)
Zehn Monate nach dem Massaker von Las Vegas mit 58 Toten hat die Polizei kein Motiv für die Tat gefunden: Sheriff Joe Lombardo präsentierte in Las Vegas den Abschlussbericht. (3. August 2018)
John Locher, Keystone
Führte ein unauffälliges Leben: Der Täter Stephen Paddock.
Führte ein unauffälliges Leben: Der Täter Stephen Paddock.
Courtesy of Eric Paddock via AP
Konzertbesucher gehen in Deckung.
Konzertbesucher gehen in Deckung.
David Becker/Getty Images, AFP
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Eine Konzertveranstaltung in Las Vegas wird zur Horrornacht, als plötzlich Schüsse fallen. Mindestens 59 Menschen kommen nach Polizeiangaben ums Leben, 527 weitere werden verletzt. Der mutmassliche Schütze, ein 64-jähriger Mann, hatte aus dem 32. Stock eines Hotels das Feuer auf das Publikum eröffnet. Zu den bereits identifizierten Opfern zählt auch Christopher Roybal, ein Afghanistan-Veteran.

Er war mit seiner Mutter in Las Vegas, die am Anfang noch verzweifelt nach ihrem Sohn suchte – und wenig später traurige Gewissheit hatte.

Ausgerechnet in seinem letzten öffentlichen Eintrag auf Facebook ging es um die Frage: «Wie ist es, wenn auf dich geschossen wird?» Das war im Juli:

«Eine Frage, die mir viele Menschen gestellt haben», fuhr der 29-jährige Roybal fort. Und seine Antwort lautete damals: «Es ist ein Albtraum, dem man niemals entkommen kann. Da helfen keine Drogen, keine Therapien und Drinks mit deinen Kriegsveteranen.»

Überlebende des Massakers berichten

Mehr Glück als Roybal hatten diese Augenzeugen, die der Nachrichtenagentur AP berichteten, wie sie die Minuten der Attacke erlebten – aber auch geliebte Menschen verloren.

Es war kurz nach 22 Uhr, als eine 21-Jährige ihre Eltern anrief: «Sie schiessen auf uns! Menschen brechen zusammen. Ich liebe euch!», sagte sie. Ihre Eltern rannten zu ihrem Auto und fuhren so schnell wie möglich von La Habra in Kalifornien nach Las Vegas. Seine Tochter und eine Freundin konnten sich retten, sie versteckten sich bis zum frühen Morgen in einem Badezimmer in einem nahegelegenen Hotel, wie der Vater sagt. Menschen, mit denen sie sich zuvor beim Konzert angefreundet hätten, hätten die Nacht aber nicht überlebt, sagt die 21-Jährige.

Ein Krankenpfleger aus dem US-Staat Tennessee wurde tödlich von den Kugeln getroffen, wie seine Arbeitsstätte, das Henry County Medical Center in Paris, mitteilte. Seine Frau, eine Ärztin, die ihn zum Konzert begleitete, überlebte. Ihr Ehemann habe ihr das Leben gerettet und seines verloren, sagte sie dem Nachrichtensender WZTV in Nashville. Ihr Mann sei der warmherzigste und freundlichste Mensch gewesen, den sie jemals getroffen habe. Ein Freund des Paares sagte der Zeitung «The Paris Post-Intelligencer», der Mann habe seine Frau von den Schüssen abgeschirmt, als er tödlich getroffen wurde.

«Es war entsetzlich»

Ein College-Student und seine Freundin waren in der Nähe der Bühne, als sie Knallgeräusche hörten. «Ich dachte, es sei eine Art Feuerwerk», sagt der 21-Jährige aus Kalifornien. Dann sei aber klar gewesen, dass jemand schiesse. «Es dauerte lang. Mindestens zehn Minuten.» Die Knallgeräusche stoppten, dann begannen sie wieder. Chaos erfasste das Publikum, Menschen fingen an zu rennen und versuchten, Schutz in den Hotels am berühmten Las Vegas Strip zu finden. «Wir entschlossen uns, zum MGM zu laufen», sagte der Mann. Dort seien seine Mutter und sein Bruder gewesen. Zusammen mit ihnen und seiner Freundin habe er mehrere Stunden in einem Zimmer gekauert, bis Entwarnung gegeben wurde.

In der Dunkelheit konnte die ersten Sekunden niemand sagen, was die knallenden Geräusche waren. «Wir konnten nicht sagen, wo es herkam», sagt ein 33 Jahre alter Augenzeuge aus Newport Beach, der das Konzert mit seiner Freundin besuchte. Es sei klar geworden, was passiere, als die Musiker die Bühne verlassen hätten. «Es war entsetzlich. Wir sind einfach losgelaufen und wir haben Menschen mit Blut auf ihren Shirts gesehen», sagte er. Er habe zunächst nicht gewusst, wie viele Menschen getötet wurden, erst am nächsten Tag habe er auf einem Fernseher in der Hotel-Lobby gesehen, dass es mehr als 50 waren.

«Er wird überleben»

Ein Immobilienmakler und Vater von drei Kindern aus Alaska war in der Nähe der Bühne, als die ersten Schüsse fielen, wie einer seiner Freunde, die ihn zum Konzert begleiteten, sagte. Der Mann sei mehrfach getroffen worden, habe aber überlebt. «Er ist gerade aus dem Operationssaal gekommen und er wird überleben», sagte der Freund.

Zwei Kanadier kamen bei der Attacke ums Leben. Einer von ihnen war ein 23-jähriger Lehrling aus Maple Ridge in British Columbia, wie der TV-Sender CBC berichtete. «Wir hatten nur ein Kind», sagten seine Eltern dem Sender. Ihr Sohn habe das Festival mit seiner Freundin besucht. Eine 28-Jährige aus Alberta wurde nach Behördenangaben ebenfalls getötet. Kanadas Premierminister Justin Trudeau verurteilte die Tat in einer Stellungnahme als «sinnlosen und feigen Gewaltakt».

AP/roy

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