Auto

Der Provokateur wird praktisch

Der BMW X4 gibt sich in der zweiten Generation noch etwas aufgeblasener. Das provoziert, hat für den Fahrer aber ungeahnte Vorteile. Endlich hat das Dickschiff mit dem Coupé-Dach richtig Platz für die ganze Familie.

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Die Mittelfinger fliegen einem zu, wie die bösen Blicke. Vor allem von den Radfahrern. Und so richtig verdenken kann man es ihnen nicht. Sage und schreibe 1,92 Meter breit ist der neue kleinere Coupé-Dach-SUV von BMW, der X4. Das sind noch einmal 4 Zentimeter mehr als beim vor vier Jahren vorgestellten Vorgänger. Die Massenverdrängung, sie ist also erheblich, die Strassen, sie kommen einem hinter dem Steuer schmal vor. Von den Parkplätzen gar nicht zu reden. In der blauen Zone wirkt der X4, als hätte sich ein Wallross in einen Hundekorb gesetzt.

Die neuen, grösseren Dimensionen, sie haben aber auch Vorteile. Bei praktisch unveränderter Höhe sind 8 Zentimeter in der Länge dazugekommen, 5 Zentimeter beim Radstand. Und siehe da. Im Fond wird es jetzt richtig luftig um die Knie, und das Dach drückt auch nicht auf den Scheitel. Der Kofferraum wächst um 25 auf 525 Liter. Der X4, er ist seiner ganzen Erscheinung zum Trotz richtig praktisch geworden.

Die Optik bleibt freilich Geschmackssache. Insgesamt wirkt die zweite Generation noch aufgeblasener, im doppelten Wortsinn, versteht sich. Aber sie ist auch konturierter, wie ein Bodybuilder in der Wettkampfphase. Ob elegant oder nicht – der X4 erinnert an den ehemaligen Wrestler und heutigen Hollywood-A-Liga-Schauspieler Dwayne «The Rock» Johnson, der in seiner HBO-Serie «Ballers» in über seine Muskelberge gespannten Massanzügen herumläuft.

Die Charakteristik dieses Autos ist ansonsten unverändert. Innen gibt es den typischen BMW-Chic, luxuriöse Materialien, inszeniert mit deutscher Nüchternheit. Das Navigationssystem mit seiner Sprachbedienung ist mit das Beste auf dem Markt, die digitale Instrumentierung wird durch ein riesiges Head-up-Display ergänzt. Alles lässt sich einstellen, wie es dem Fahrer passt, und in Profilen abspeichern. Fahrer 1, Fahrer 2, Fahrer 3 – wird man nach dem Anlassen gefragt. Fahrer 1! Das Testfahrzeug, ein 30i, bewegt sich im Mittelfeld des Motorenprogramms. Der Vierzylinder stemmt 252 PS auf die vier Räder – oder besser Walzen – und beschleunigt bei Bedarf in 6,3 Sekunden auf Tempo 100. Mehr Leistung braucht in diesem Fahrzeug eigentlich kein Mensch. Dass BMW unter den sechs angebotenen Aggregaten freilich auch etwas kräftigere vorhält, zeigt die kluge Kundenorientierung.

Den Durchschnittsverbrauch für die Testmotorisierung gibt BMW mit 7,2 Litern an, wir messen in der Praxis einen guten Liter mehr. Die Fahrcharakteristik lässt sich in Programmen einstellen, mit veränderten Kenn­linien von Gaspedal und Schaltung. Praktisch: Im Eco-Modus informiert ein Zeichen im Head-up-Display, wann man den Fuss getrost vom Gas nehmen kann, um etwa mit der exakt richtigen Geschwindigkeit innerorts einzurollen. Und dann ist auch noch ein Wort zur Abgasreinigung zu verlieren: Der X4 hat auch in den Benziner-Varianten einen Partikelfilter verbaut, eine Massnahme zur Erfüllung der neuen, strengeren Abgasvorschriften.

Wer aber nur Öko-Fahrten machen will, der sitzt falsch im X4, der erstaunlich scharf ums Eck geht, euphorisch herausbeschleunigt und sein Gewicht weg­­mogelt wie ein Taschenspieler.

SUV-Feeling, Coupé-Feeling und Family-Feeling, wer so viele Gefühle in einem Auto wiederfinden will, der muss das auch mit dem Gefühl tun, sich etwas leisten zu wollen. 59‘900 Franken kostet schon die Basisversion. Den gefahrenen BMW X4 xDrive 30i gibt es ab 65‘900 Franken, wobei der Preis bei der Konfiguration einen kräftigen Antritt hat und schnell in die Nähe der Sechsstelligkeit klettert.

Auf eine detaillierte Liste der vielen Annehmlichkeiten sei hier verzichtet und dafür noch von der Gestensteuerung erzählt. Ein paar Kreise vor dem Armaturenbrett gedreht und schon wird der Sound aus den Premiumboxen ordentlich laut und lässt einen allen Ärger vergessen. Je nach Situation kann man die Kreise auch mit dem Mittelfinger drehen.

Erstellt: 21.09.2018, 18:30 Uhr

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