Auto

Der nächste Versuch im Nischenmarkt

Der Seat Ibiza TGI hängt nicht sehr direkt, dafür aber wortwörtlich am Gas. Der mit CNG betriebene Kompakte ist im Betrieb günstig, spart CO2, gibt keine Veranlassung zur Reichweitenangst und ist dennoch ein Nischenprodukt.

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Man muss nur zwei Statistiken übereinanderlegen, um das Problem zu erkennen. Acht der zehn umweltfreundlichsten Autos mit Verbrennungsmotor, die der VCS in der aktuellen Autoumweltliste aufzählt, fahren mit CNG. Der Ausdruck steht für «Compressed Natural Gas» – in der Schweiz getankt, ist es ein Gemisch von Erdgas und Biogas, mit einem Biogasanteil von im Schnitt 25, mindestens aber 10 Prozent. Die zweite Statistik stammt vom Verband der Importeure Auto Schweiz, und sie besagt, dass im laufenden Jahr nur 0,2 Prozent aller zugelassenen Autos mit CNG fahren.

Das bittere Fazit lautet also: Gasautos sind umweltfreund­licher, aber sie werden nicht ­gekauft. Und das, obschon sie im Betrieb dank des Gaspreises bis zu 40 Prozent günstiger sind.

Wie kommt das? Mit dieser Frage haben wir uns dem Seat Ibiza TGI (88 g CO2/km) angenähert, dem neben Mii und Leon dritten Gasfahrzeug in der Palette der spanischen VW-Tochter. Am Design, so viel vorweg, kann es nicht liegen. Den TGI erkennt man nur am Schriftzug – oder wenn man unter den Tankdeckel schaut. ­Alles andere ist wie gehabt – also voller Bügelfalten. Reichweitenangst, wird schnell klar, braucht man nicht zu haben. Im Gegenteil. Zum Gastank, der 13 Liter CNG fasst, kommt beim Ibiza der re­guläre 40-Liter-Benzintank. Die ­Gesamtreichweite wächst auf fast 1200 Kilometer, das reicht, um von Zürich ohne Stopp nach Aarhus (DK) zu fahren. Wer die Vorteile des Gaskonzepts voll nutzen will, steht allerdings alle 250 bis 300 Kilometer an der Tanke. Und nicht an irgendeiner. Rund 150 Gastankstellen gibt es in der Schweiz. Das Netz im Mittelland ist damit dicht genug und die Tankstellensuche im Navigationssystem des Ibiza quasi vorkonfiguriert. Bei leerem Gastank fragt das Auto nach jedem Anlassen, ob es zur nächstgelegenen Gastankstelle leiten soll.

Das Tankprozedere selbst ist denkbar simpel: Zapfhahn anschliessen, die luftdichte Verbindung abwarten, Knopf drücken, warten, das Ganze versorgen. Ein praktischer Nachteil ist, dass man mit dem Tankdeckel zur Säule parkieren und also allenfalls erst wenden muss. Dann aber sind da die Ängste. Medienberichte über Unfälle mit Gasfahrzeugen bleiben im kollektiven Gedächtnis hängen, auch wenn sich die Automobilverbände und die Erdgaslobby bemühen, mit Fakten die Sicher­heit des Konzepts zu widerlegen, das statistisch gesehen nicht mehr Risiken birgt als die Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Liegt es am Ende daran, dass die Gasfahrzeuge nicht auf Touren kommen? Im Alltag mit dem Ibiza TGI hat man die Sicherheits­bedenken jedenfalls schnell vergessen. Was einen eher beschäftigt, ist die Fahrcharakteristik. Der Einliter-Dreizylinder des TGI ist, ob nun Gas oder Benzin eingespritzt wird, in tieferen Touren eine ziemliche Mimose und säuft schnell ab. Da muss man sich erst umgewöhnen, die Drehzahl auf über 2000 Touren halten – schaltfaul solle man also nicht sein. Dann fährt sich der TGI, der in 12,1 Sekunden Tempo 100 erreicht, doch noch einigermassen flott.

Wer auf die Umwelt und den Preis schaut, soll sich daran nicht stören. Auch, weil er für ab 22‘550 Franken ein ausgereiftes Fahrzeug erhält, mit einem guten Raumkonzept und einer recht fortgeschrittenen Serienausstattung – Sportfahrwerk, sechs Lautsprecher, Leder-Multifunktionslenkrad, Klimatronic und 17-Zoll-Felgen inklusive. Da der neue Ibiza wie der Polo auf dem modularen Querbaukasten A0 aufbaut, kann sich Seat aus dem VW-Regal bei Konnektivität und Assistenten ungeniert bedienen. Was man im Ibiza vermisst, ist eher eine analoge Annehmlichkeit: die Haltegriffe über den Türen. Ein Argument gegen den Gasantrieb ist auch das nicht.

(zuonline.ch)

Erstellt: 14.09.2018, 18:50 Uhr

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