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Super Size Me!

Platzangst braucht man im VW Tiguan nicht zu haben. Wer es aber üppiger mag, der findet im Allspace 20 Zentimeter mehr Fahrzeuglänge und eine versenkbare dritte Reihe. Der Entscheid für die Extragrösse ist aber mit Bedacht zu fällen.

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Dass die Amerikaner und ihr riesenhafter Präsident eine Schwäche für alles Grosse haben, muss man niemandem erklären. Auch nicht VW. In den USA rollt der Tiguan längst in einer Langversion mit 20 Extrazentimetern zu den Kunden. Den SUV, so wie man ihn in Europa kennt, gibt es dort zwar auch. Er aber trägt den Beisatz Limited. Ganz nach dem Motto «Bigger is better» – und was kleiner ist, das ist limitiert.

Natürlich gibt es auch auf dieser Seite des grossen Teichs Freunde grosser Autos, und darum hat VW den Tiguan in seinen US-Ausmassen mit dem Beisatz Allspace auch auf den europäischen Markt gebracht. Die Argumentation dazu lautet deutsch-nüchtern: Man wolle Familien mit dem Bedarf nach einem Siebenplätzer ein Angebot im SUV-Segment machen. Das nämlich gibt es bei VW sonst noch nicht.

Sieben Plätze, die hat der Tiguan Allspace, wenn man die optionale dritte Sitzreihe ordert, zumindest auf dem Papier. In der Praxis sind die im Kofferraumboden versenkbaren Sitze dann aber mehr eine Notlösung. Als Erwachsener küsst man seine Knie und wird kaum länger als 10 Minuten in dieser Pose ausharren wollen. Um ein paar F-Junioren ans Auswärtsspiel mitzunehmen, mag der Tiguan Allspace indes taugen.

Unbestritten mehr Platz gibt es für den Warentransport. 145 Liter beträgt das Plus bei aufrechter zweiter Reihe im Vergleich zum kürzeren Tiguan, 760 bis 1920 Liter stehen insgesamt zur Verfügung. Sind die Gepäckraumabdeckung und die dritte Sitzreihe im Ladeboden versenkt, grüsst ein gigantischer Hohlraum. Der Ladeboden ist trotz aller Faltteile eben, aber mit vielen Furchen durch­zogen – lauter Schlünde, bereit, Kleinteile zu verschlucken.

Hinter dem Steuer machen sich die auf 4,7 Meter gestreckte Fahrzeuglänge und der längere Radstand recht deutlich bemerkbar. Das Rangieren im Parkhaus erfordert mehr Präzision, oft bleibt nur, einmal mehr vor- und zurückzusetzen. Und in Kurven drücken die 1,7 Tonnen dahin, wo man nicht hinwill. Obschon die Fahrzeugbreite unverändert ist, hat man subjektiv den Eindruck, ein echtes Dickschiff zu bewegen, der normale Tiguan fährt sich deutlich handlicher.

Die Kunden dieser XL-Version dürfte das nicht stören, sind sie doch bereit, für die Extrazentimeter tiefer in die Tasche zu greifen. Während die Preise beim Tiguan bei 30‘700 Franken beginnen, kostet der Allspace mindestens 36‘350 Franken. Für unseren Testwagen mit dem 150 PS starken Zweiliter-Dieselmotor, mit 7-Gang-DSG und Allradantrieb ist dann bereits auch ein dickes Portemonnaie nötig: Diese Spitzenversion kostet in der Version Highline ab 49'750 Franken; mit allen Extras summiert sich der Preis auf rund 60‘000 Franken.

Dass dafür einiges geboten wird, sei nicht verschwiegen. Etwa eine topmoderne digitale Instrumentierung mit virtuellem Cockpit, die gängigen Assistenzsysteme, bequeme, gut verarbeitete Ledersitze und eine Soundanlage, die vor dem Konzertsaal nicht zu kapitulieren braucht. Cockpit und Bedienung sind typisch Tiguan und typisch VW. Will meinen: keine Überraschungen, keine Extravaganzen, dafür eine ausgereifte Ergonomie. Alles nüchtern und mit etwas viel Hartplastik verpackt.

Tiguan oder Tiguan Allspace? Wer vor dieser Frage steht, sollte nicht emotional, sondern praktisch entscheiden. Wer keine ausufernden Transportbedürfnisse hat, ist mit dem Tiguan im Alltag besser bedient. In Europa lässt man dem Auto nun einmal weniger Platz als in den USA: Strassen, Parkplätze, Garageneinfahrten – alles ist eine Nummer kleiner. Wer ein grosses Auto fährt, hat bald nur noch mit den visuellen und akustischen Helferchen zu tun, und da kommt keine Freude auf. Auch das weiss VW übrigens. Pläne, auch den gigantischen US-SUV Atlas in Europa einzuführen, hat der Konzern wiederholt dementiert. 35 Zentimeter länger als der Tiguan Allspace und 10 Zentimeter breiter, ist er dafür definitiv zu gross.

Erstellt: 27.07.2018, 19:49 Uhr

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