Auto

Scharf kombiniert

Als «radikalen Kombi» bezeichnet Peugeot den neuen 508 SW. Der flache Franzose mit dem Säbelzahngesicht dürfte vor allem wegen seines Designs und des sportlichen Fahrgefühls auf Gegenliebe stossen.

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Kombis stehen derzeit im Schatten der umjubelten SUV, dabei sind die praktischen Station Wagons gerade in Westeuropa nach wie vor sehr beliebt. Das meistverkaufte Modell hierzulande ist mit dem Skoda Octavia ein Kombi, aktuell sind in den Schweizer Top Ten nur drei SUV vertreten. Verständlich also, dass einige Hersteller den Kombi weiterhin pflegen – gerade auch im lukrativen Flottengeschäft ist diese Karosserievariante nach wie vor sehr gefragt.

Das weiss auch Peugeot, obschon Generaldirektor Jean-Philippe Imperato betont: «Bei den SUV sind wir die Nummer 1 in Europa.» Dennoch: Auf den neuen 508 SW sind die Franzosen besonders stolz. «Als radikaler Kombi ist der neue 508 SW das Juwel unserer Produktfamilie», sagt Imperato. «Er ist genauso bissig und verblüffend wie die Limousine und veranschaulicht auf perfekte Weise unsere Ambition, der beste Grossserienhersteller zu werden.» Zufrieden verweist der Peugeot-Chef auf die Shortlist der Finalisten zur Wahl des «Autos des Jahres» 2019, wo der neue 508 SW durchaus Chancen auf den Titel hat.

Doch radikaler Kombi – wie ist das zu verstehen? Das gleichermassen elegante wie auch aggressive Design des Mittelklassewagens mit dem markanten Säbelzahngesicht hat bereits in der Stufenheckversion für Furore gesorgt. Die Version SW steht dem in nichts nach: Sie ist für einen Kombi extrem flach, nutzt aber den Innenraum gut aus. So sollten Fondpassagiere zwar beim Einsteigen besser den Kopf einziehen, doch im Innern angekommen, dürfen sie ihn hoch erhoben tragen – Platz gibt es nämlich trotz der geringen Fahrzeughöhe von 1,42 Metern genug.

Der Clou: Die tiefe Oberkante der rahmenlosen Fenster lässt das Fahrzeug noch flacher erscheinen, als es ohnehin schon ist. Die Proportionen werden dadurch sehr sportlich. Der Kombi ist ausserdem vier Zentimeter länger als die Limousine, was vollumfänglich den Fondpassagieren und dem Kofferraum zugutekommt. Dieser misst zwar 30 Liter weniger als im Vorgängermodell, ist aber dank einer um sechs Zentimeter niedrigeren und um 2,4 Zentimeter breiteren Ladekante im Vergleich zur Limousine sehr gut zugänglich und bietet mit 530 Litern ausreichend Platz. Mit umgeklappten Rücksitzen wächst das Volumen auf konkurrenzlose 1780 Liter an.

Dass der Kofferraumboden auf Wunsch mit edlem Zebrano-Holz ausgelegt und die Ladebodenkante optional aus Edelstahl gefertigt ist, verdeutlicht die Richtung, in die Peugeot mit dem 508 SW strebt: nach oben, zu den selbst ernannten Premiumherstellern. Das zeigt sich auch im Innenraum, wo fein abgestepptes Leder die vielfach verstellbaren Sitze mit Massagefunktion bespannt, wo hauchdünnes Holzfurnier das Armaturenbrett überzieht und wo an technischer Ausstattung vorhanden ist, was die Autoindustrie heute zu bieten hat. Etwa den neuen Nachtsichtassistenten mit integriertem Notbremssystem oder den Lane Positioning Assist, der das Fahrzeug nicht nur automatisch in der Spur hält, sondern es darin auch noch am rechten oder linken Rand positioniert; praktisch, wenn beispielsweise in der Stadt die Fahrräder vorbeidrängen.

Auch das Cockpit ist ziemlich radikal – das kennt man von Peugeot bereits. Das extrem kleine, tief angeordnete Lenkrad und die perfekt im Blickfeld angebrachten Instrumente sind Gewöhnungssache, haben aber durchaus ihren Reiz. «Dieses i-Cockpit wird kritisiert und bewundert», sagt Produktmanager Bernard Hesse und verweist auf inzwischen fünf Millionen zufriedene Kunden. Als Fahrer fühlt man sich darin auf jeden Fall gut aufgehoben, der Blick kann auf der Strasse bleiben, das kleine Volant liegt gut in den Händen und die sehr direkte Lenkung erschliesst sich einem bald. Das Fahrgefühl ist dadurch sportlich, obwohl der Mittelklassekombi keineswegs straff abgestimmt ist.

Die Antriebspalette ist die gleiche wie in der Limousine: Drei Dieselmotoren mit 1,5 oder 2 Litern Hubraum und 130, 160 oder 180 PS stehen zur Wahl, dazu gibt es zwei 1,6-Liter-Benziner mit 180 oder 225 PS. Der Kombi wird Ende nächsten Jahres zusätzlich als Plug-in-Hybrid angeboten werden, der eine rein elektrische Reichweite von maximal 50 Kilometern schaffen soll. Ob diese Variante dann über Allradantrieb verfügen wird, will Produktmanager Hesse noch nicht verraten, lässt aber diese Möglichkeit immerhin durchblicken. Alle herkömmlichen Motorisierungen sind ausschliesslich mit Front­antrieb erhältlich.

Auch wenn derzeit alles nach SUV schreit: Der neue 508 SW dürfte dank des aussergewöhn­lichen Designs, der cleveren Raumnutzung und des knackigen Fahrverhaltens durchaus gute Chancen bei den Käufern haben. Hauptmarkt für Peugeot ist übrigens China, und dort geht der neue 508 nur als verlängerte Limousine an den Start; Kombis werden in China nicht gekauft. Hiesige Interessenten für den neuen 508 SW müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Der hübsche Franzose gelangt erst im Juni zu Preisen ab 38‘900 Franken in den Verkauf.

Erstellt: 04.01.2019, 10:01 Uhr

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