Winterthur

Besetztes Stefanini-Haus wurde geräumt

Seit einer Woche haben mehrere junge Leute ein Haus an der Steinberggasse besetzt. Weil sie ein Ultimatum verstreichen liessen, kam die Polizei heute mit einem Räumungskommando.

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Aus den Lautsprechern eines Hauses an Steinberggasse tönt laute Hiphop-Musik – «Fuck the Police» von N.W.A. Bei den zahlreichen Schaulustigen an der Ecke zur Obergasse bricht lautes Gelächter aus. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite, am Haus Nummer 8, weht ein schwarzes Banner leicht im Wind. «Kurswechsel von Seiten der Terresta AG, Steibi 8 (...) Die Häuser denen, die drin wohnen», steht in grossen Lettern drauf. Unten in der Gasse stehen rund 20 Polizisten in schwerer Montur, einer hat eine Kettensäge in der Hand, ein anderer ein grosses Brecheisen.

Die Beamten wurden aufgeboten, um das besetztes Haus zu räumen. Um kurz vor 15 Uhr ist es dann soweit: Die Polizei sperrt die Steinberggasse grossräumig ab und dringt mit einem Spezialkommando ins Gebäude vor. Wie Peter Gull, Mediensprecher der Stadtpolizei Winterthur auf Anfrage mitteilt, habe sich zum Zeitpunkt der Räumung niemand mehr im Gebäude aufgehalten.

Das Haus ist eines von Bruno Stefaninis Altstadthäusern und wird von dessen Immobilienfirma Terresta AG verwaltet. Seit rund sechs Jahren stehen die zwei Wohnungen leer, der Laden im Erdgeschoss ist seit vielen Jahren vermietet, wie Markus Brunner, Geschäftsführer der Terresta, heute Morgen vor Ort sagte.

Sympathisanten versammelten sich vor dem Haus

Von der Besetzung sei man völlig überrascht worden, sagt Brunner. «Ein Mann, der sich Herr Steinberger nannte, hat uns letzten Donnerstag angerufen und uns mitgeteilt, dass man die beiden Wohnungen besetzt halte.» Man habe sie daraufhin mündlich und schriftlich aufgefordert, das Haus freiwillig zu verlassen und am Montag bei der Polizei Anzeige wegen Hausfriedensbruchs eingereicht. Die Besetzer erhielten eine Frist bis heute Donnerstagmittag, um das Haus zu verlassen. Diese liessen sie aber ungenutzt verstreichen. Wie viele Personen sich genau im Gebäude befanden, kann Brunner nicht sagen. Laut Nachbarn sollen es zwei Frauen und zwei Männer gewesen sein, laut Auskunft der Stadtpolizei Winterthur geht man davon aus, dass sich zeitweise bis zu acht Personen in den Wohnungen aufhielten.

Stattdessen versammelten sich heute um 10 Uhr rund 30 Sympathisanten vor dem Haus. «Wir wollen denen von der Polizei und der Verwaltung zeigen, dass die da drin nicht allein sind und sie sich auch mit uns beschäftigen müssen, wenn sie das Haus räumen wollen», sagt einer knapp. Weiter Auskunft geben oder seinen Namen nennen will er nicht. Auf einem Flugblatt, das die Sympathisanten verteilten, nennt «Familie Steinberger» ihre Beweggründe für die Besetzung. «Es ist wirklich fragwürdig, ob nach einem solch langen Leerstand genau zu diesem Zeitpunkt der Besetzung renoviert werden soll.»

Weiter bemängeln sie, dass neu renovierte Wohnungen der Terresta zu sehr teuren Preisen auf den Markt kommen. Als Beispiel nennen sie die Steinberggasse 3 und 5. Brunner hält dagegen, dass man diese beiden Objekte nicht vergleichen könne: «Bei der Hausnummer 3 und 5 mussten wir eine Totalsanierung vornehmen, weil die Bausubstanz in einem extrem schlechten Zustand war.» Das habe man an der Hausnummer acht aber nicht vor, sondern wolle die Immobilie lediglich ans Fernwärmenetz anschliessen und Bäder und Küchen erneuern.

Besetzer haben eine zusätzliche Türe eingebaut

Um 11 Uhr kamen Brunner und der für die Liegenschaft zuständige Stefan Angele von der Terresta in Begleitung von zwei Polizisten in zivil vorbei. Mit ihrem Schlüssel öffneten sie die Haupteingangstüre im Erdgeschoss – und kehrten wenig später unverrichteter Dinge wieder zurück. «Wir konnten nicht reingehen – die Besetzer haben eine zusätzliche Türe eingebaut.» Während die Sympathisanten weiter ausharrten, zogen Polizei und Verwalter wieder von dannen.

Erstellt: 02.09.2015, 18:18 Uhr

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