Zürich

Das Wandern ist des Strickers Lust

Um den nimmermüden Wanderer Hannes Stricker zu interviewen, nimmt man am besten gemeinsam ein Stück Weg unter die Füsse. Auch den Kanton Zürich hat er per pedes erkundet.

Hannes Stricker hat sich einen Namen als Autor von Wanderführern gemacht. Die Sehenswürdigkeiten malt er gleich unterwegs.

Hannes Stricker hat sich einen Namen als Autor von Wanderführern gemacht. Die Sehenswürdigkeiten malt er gleich unterwegs. Bild: Gabriele Spiller

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Zügig geht Hannes Stricker den Weg vom Bahnhof Winterthur zum Römerholz an. In ähnlichem Tempo ist er beim Rekognoszieren seiner Routen unterwegs und schafft dann «bequem», gleich zwei Routen an einem Tag an­zuschauen.

«Diese zeitsparende Methode habe ich erstmals beim Erkunden der Tessiner Touren angewendet», erzählt er, «ich stiess dann allerdings an Grenzen, als es abends plötzlich dunkel wurde und ich im Mondschein vom Monte Tamaro zur Alpe di Neggia absteigen musste.» Da brauchte es für sein neustes Werk «Zürich zu Fuss, durch Stadt und Land» vergleichsweise nur einige Spaziergänge.

Aquarelle als Markenzeichen

Wer das denkt, unterschätzt den Aufwand, den der Autor von mittlerweile zehn Wanderführern betreibt. Sein Markenzeichen sind die liebevoll in Aquarell gemalten Landschaften und die akribisch gezeichneten Wanderprofile, mit denen er die Bücher ausstattet. Selbst die Texte sind von Hand geschrieben. Die meiste Arbeit macht jedoch die Recherche seiner praktischen Tipps: Alle Sehenswürdigkeiten, Gaststätten, Schifffahrtsgesellschaften und Schwimmbäder auf dem Weg listet er mit Öffnungszeiten und Telefonnummer auf. So konnte er die – wenige Wochen nach dem Erscheinen notwendige – zweite Auflage von «Zürich zu Fuss» bereits aktualisieren.

Seine Frau Lisbeth spürt schon am Abend vorher, dass es ihn am nächsten Tag auf eine neue Route zieht. Er geht dann früh ins Bett, um im Morgengrauen den Zug zu besteigen. Er wollte längst aufhören, sagt der 76-Jährige, aber seine Fans lassen ihn nicht. Gespräche wie dieses absolviere er für die kleinen Buchläden, betont er, die seine Werke erfolgreich verkaufen, aber bekanntermassen von den Internet-Bestellmöglichkeiten bedrängt werden.

Wegzeit dreifach überprüft

Auch er hat zwar Internet, fährt aber lieber nochmals an einen Ort, um sich einer Wegabzweigung zu vergewissern. Sein jüngster Sohn, eines von fünf Kindern und elf Enkelkindern, generiert auf dem Computer die Streckenprofile, die er zeichnerisch überträgt. «Die Wanderzeit überprüfe ich dreifach», erklärt er, «ich messe meine eigene Zeit, notiere die Wegweiserangaben und vergleiche mit der Computerberechnung.»

Bisher habe er nur im Glarnerland «grausam Mühe gehabt», die auf den Wegweisern angegebene Zeit einzuhalten. Dafür kommen auch bei ihm, wenn es dumm läuft, noch Blasen vor. Meist dann, wenn er schlechte Schuhe erwischt hat oder es sehr heiss ist.

Vom Bodensee zum Atlantischen Ozean

«Zürich zu Fuss» umfasst 32 Wanderungen, in der Region zum Beispiel bei Neftenbach, Kyburg, Irchel, Oberembrach, Winterthur und Mörsburg sowie im Tösstal. «Es ist vielleicht etwas gemein, aber ich mache fast keine Rundtouren», gibt er zu. «Es ist befriedigender, eine längere Strecke zu einem entfernteren Ort zu wandern als im Kreis.» Und ein Hauch von Ökologie schwinge auch mit. Das erste Buch verfasste der ehemalige Lehrer, um den ständigen Anfragen von Kollegen, wohin sie ein schönes Schulreisli unternehmen könnten, Herr zu werden. Sein Organisationstalent war schon früh bekannt.

Der Bestseller ist das Winterwanderbuch im Appenzellerland. Am liebsten hat er jedoch das Pilgerbuch. Von der Schweiz über Frankreich ist er nach Galicien gezogen. Vom Bodensee, wo er in Kesswil wohnt, bis zum Atlantischen Ozean. Der Frage nach der Religiosität weicht er zögerlich aus. Er bevorzugt die Pilgerwege wegen der guten Infrastruktur, der kulturellen Höhepunkte und der spannenden Begegnungen. Gerade wenn man im Freien beim Malen sei, ergäben sich hoch interessante Gespräche mit Einheimischen, vor allem Kindern oder alten Leuten.

Pilgern ist Selbsttherapie

«Und da wird man dann schon ein bisschen geformt, zum Beispiel, wenn einen eine ­alte Frau bittet, in Santiago für sie zu beten und eine Kerze anzu­zünden.» Einen Pfarrer, einen Arzt und einen Psychologen hat er um kurze Beiträge zu «Pilgern bringt’s» gebeten.

Der Psychologe hat die Erfahrungen für ihn auf den Punkt gebracht: Pilgern ist Selbsttherapie. So tritt er den nächsten Pilgerpfad an, den Luzerner Weg, einen historischen Zugang zum Camino. Wie weit er in der gegebenen Zeit kommen wird, weiss er noch nicht. Hauptsache, es sind Ferien und keine Recherche.

Erstellt: 27.04.2015, 16:51 Uhr

Informationen zum Buch

Zürich zu Fuss
108 Seiten, 58 Aquarelle, 18.50 Franken.
Im Buchhandel oder www.verlagambach.ch erhältlich.

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