Winterthur

«Es soll schmecken und gesund sein»

In einem Lehrbuch erklärt der Sportlehrer und Gesundheitsberater Willi Stänz aus Winterthur die Grundlagen der «neuen Ernährungslehre».

Sportlehrer Willi Stänz (57) geht mit gutem Beispiel voran: Er isst ein Frischkorngericht.

Sportlehrer Willi Stänz (57) geht mit gutem Beispiel voran: Er isst ein Frischkorngericht. Bild: Johanna Bossart

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Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Lehr- und Arbeitsbuch gekommen?
Willi Stänz: Es ist mein Wunsch, dass die Schule exaktes Wissen über richtige Ernährung vermittelt. Ernährung, die der Gesundheit zuträglich ist. Als ich die Möglichkeit hatte, an der Lehrpersonenkonferenz der Berufsschulen des Kantons Zürich meine Vorstellungen dar­über zu präsentieren, sagte ich mir, gesprochene Worte verflüchtigen sich, ich will was Physisches nach­legen. So entstand die Idee für ­ das Arbeitsheft.

Sie lehnen Gekochtes zugunsten von Rohkost ab, weil anschliessend die Zahl der Leukozyten im Blut ansteigen würde — wie zur Abwehr von Krankheitserregern, schreiben Sie.
Der Anstieg der weissen Blutkörperchen bei Verzehr von Gekochtem deutet tatsächlich auf eine Abwehrreaktion des Immunsystems hin. Wird frische Rohkost vor Gekochtem genossen, bleibt diese Reaktion aus. Schon Dok­tor Bircher-Benner verordnete frische Rohkost als Heilkost in seiner Praxis. Doktor Bruker empfahl Gesunden, mindestens ein Drittel der täglichen Verzehrmenge roh zu geniessen bei übriger Vollwerternährung. Dabei ­ soll der Gemüseanteil zwei Drittel, der Früchteanteil ein Drittel betragen.

Diese «neue Ernährungslehre» von Bircher-Benner ist aber schon über 100 Jahre alt.
Es gibt eben nichts Neueres! ­Und die modernen Empfehlungen stützen sich auf die noch ältere Ernährungslehre nach Justus von Liebig. Da geht es nur um die drei Nährstoffe Kohlenhydrate, Fett und Proteine sowie Salze.

Was ist Ihre wichtigste Aussage in der Ernährungsbroschüre?
Essen soll schmecken u n d gesund sein. Beides ist nötig, damit wir uns Gutes tun. Das erreichen wir mit einer der Gesundheit zuträg­lichen Ernährung. Eine sol­che ist möglichst naturbe­lassen. Doktor Bruker schreibt: ­«Essen Sie nichts, wofür Wer­bung gemacht wird.»

Wie stehen Sie zu der Gegenposition, dass Vollwertkost nicht pauschal für jeden empfehlenswert ist?
Da kommt mir spontan das Verträglichkeitsproblem in den Sinn. Frische Rohkost und Vollkornbrote sind nicht die Ursache von Unverträglichkeiten wie Blähungen, Beschwerden, Windabgang. Unverträglichkeiten werden verursacht durch gleichzeitigen ­Verzehr von raffinierten Kohlen­hydraten wie Fabrikzucker und Auszugsmehlprodukten, dazu gehö­ren der Kristallzucker genauso wie der Ahornsirup sowie alle Weiss- und Ruch­mehle. Sobald alle raffinierten Kohlen­hydrate vom Speiseplan gestrichen werden, bleiben auch die Unverträglichkeiten weg.

Kommen Sie mit Ihrer Lehre denn bei Ihren Schülern an? Schliesslich raten Sie ihnen, von lieben Gewohnheiten wie dem Schoggidrink am Morgen und der Pizza am Mittag abzuschwören.
Die neue Ernährungslehre ist ­logisch, nachvollziehbar und einfach. Das stösst bei den Lernenden auf offene Ohren, auch Skepsis, immer auf Interesse. Die Jugend­lichen sind mehrheitlich inter­essiert an dem, was ihnen gut tut. Das heisst nicht, dass sie die Ernährung gleich umstellen. Essen ist Gewohnheitssache, und Gewohnheiten lassen sich nicht leicht ändern. Viele Jugend­liche sind experimentierfreudig und offen für Neues.

Als Alternative zu Tee, Kaffee, Alkohol raten Sie, Wasser zu trinken, gegebenenfalls mit Zitronenschnitzen. Ist das nicht ein wenig asketisch?
Asketen verzichten auf Genuss. Genuss scheint mir ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Doch sollen Genussmittel nicht als Nahrungsmittel, Stimmungsaufheller und Stimulans gebraucht werden – wer geniesst, über­treibt nicht. Genuss verlangt Zeit, ­Musse und Achtsamkeit. Diese Fähigkeiten beobachte ich nur selten. Ich selber bin da keine Ausnahme, leider.

Wie kommen Sie mit Ihren Tipps innerhalb der Familie an?
Meine Familie isst, was ich ­zubereite. Frische Rohkost und das Frischkorngericht, je nach Zu­taten, mit unterschiedlicher Be­geis­terung. Wenn andere in der Familie kochen, dann auch schon mal nicht vollwertig. ­Meine Toch­ter nahm mir das Versprechen ab, das Thema Ernährung für ein Jahr aus unseren Gesprä­chen zu verbannen, was mir nicht durchgehend gelang. (zuonline.ch)

Erstellt: 13.01.2016, 14:03 Uhr

Das Lehrbuch

«In Bestform mit richtiger Ernährung», Willi Stänz, 30 Seiten, Fr. 12.80. Zu bestellen bei willistaenz.ch

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