Pilates

Mit Bedacht in Topform bringen

«Es ist der Geist, der den Körper formt», sagte Joseph Pilates vor 80 Jahren. Das von ihm entwickelte Training muss man kon­zen­triert und ruhig ausführen, um einen beweglichen Körper zu erhalten.

Auf dem Reformer, einem von Joseph Pilates entwickeltem Gerät, sind Dutzende von Ausführungsvarianten möglich.

Auf dem Reformer, einem von Joseph Pilates entwickeltem Gerät, sind Dutzende von Ausführungsvarianten möglich. Bild: Daniel Aeschlimann

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Die Bewegungen sind fast nicht sichtbar. Von einem kräftezehrenden Training kann nicht die Rede sein, wenn man das subtile Anspannen des Beckenbodens von aussen betrachtet. Für die Person, die die Übung ausführt, bedeutet es jedoch höchste Aufmerksamkeit. Sie liegt auf einer Bodenmatte und zentriert sich, indem sie ihr Powerhouse ansteuert. Ihre Körpermitte ist jetzt stabilisiert und aktiviert.

Den eigenen Körper wahrzunehmen, haben viele Menschen verlernt. Beruflich müssen sie lange stehen, stundenlang vor dem Computer sitzen oder monotone Arbeiten ausführen. Das belastet den Organismus einseitig. Erst wenn sich Schmerzen, meist im Schulter- und Nackenbereich oder Rücken, einstellen, werden sie hellhörig. Oft soll dann der Arzt Wunder wirken und sofort abstellen, was Fehlhaltungen über Jahre herbeigeführt haben. In der Physiotherapie merkt man erst, wie unbeweglich man geworden ist und welche «einfachen» Übungen sich nicht mehr ohne Anstrengung ausführen lassen.

Trainer der Tänzer

Der Deutsche Joseph Pilates (1883–1967) war selbst ein kränkelndes Kind, stärkte aber seinen Körper durch viel Sport, Gymnastik, Bodybuilding und Skifahren ebenso wie Yoga und Zen-Meditation. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau ging er nach Grossbritannien und wurde dort nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs interniert. Seine Mitgefangenen leitete er täglich zu einem ganzheitlichen Trainingsprogramm an, und es heisst, dass sie dermassen gestärkt sogar die Spanische Grippe von 1918 überstanden.

1923 wanderte Pilates in die USA aus und gründete im Gebäude des New York City Ballet sein erstes Studio. Vom Choreografen George Balanchine erhielt er den Auftrag, die Tänzer zu trainieren. Bald gehörten auch Hollywood-Stars zu seiner Kundschaft, denn die aufrechte Körperhaltung sorgt als Nebeneffekt für eine schlanke Silhouette. «Nach 10 Stunden fühlen Sie sich besser, nach 20 Stunden sehen Sie besser aus, und nach 30 Stunden haben Sie einen ganz neuen Körper», warb Pilates.

Für jeden seiner Klienten entwickelte er ein individuelles Programm. Er war auch der Meinung, dass man seine Methode nicht schulen könne, und bildete selbst keine Trainer aus. Erst einzelne Schüler machten sich an anderen Orten selbstständig. Als Pilates 84-jährig starb, hatte er die Weiterführung seiner Arbeit nicht geregelt.

Begriff nicht geschützt

Auch der Schweizerische Pilates- Verband informiert, dass der Begriff hierzulande nicht geschützt sei und quasi jeder Pilates-Training anbieten könne. Dies geschieht in einer Vielzahl von Kursen, in Fitnessstudios, Erwach­senenbildungsstätten und bei Personal Trainer. Dabei ist interessant, dass Einsteigern zunächst einführende Einzelstunden auf den Pilates-Geräten empfohlen werden, um ein Gefühl für die Bewegungskoordination zu entwickeln. Die Arbeit auf der Matte sah Pilates eher für Fortgeschrittene, die ihre Körperspannung und die erforderliche Flankenatmung bereits unter Kontrolle haben. Da die vollständige Kon­zen­tra­tion auf sich selbst ein wichtiger Bestandteil des Trainings ist, läuft bei einer klassischen Pilates-Stunde auch keine Musik.

Wer Erfahrung mit Körpertraining, insbesondere (Hatha-)Yoga, Stretching, Body Balance oder Feldenkrais hat, wird Elemente wiedererkennen und die Methode schnell erlernen. Für das Selbststudium gibt es DVD und gut bebilderte Bücher, die auch beim Üben daheim unterstützen können. Am Ende dürfte jeder ­anerkennen: Etwas regelmässige Bewegung ist besser als gar keine. Und Pilates ist eine sanfte Methode, die fast überall und in Eigenregie praktiziert werden kann.

Erstellt: 20.05.2015, 09:06 Uhr

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