Gesundheit

Eine neue Waffe bei chronischen Wunden

Für ein langwieriges und schmerzhaftes Leiden gibt es innovative Behandlungsmethoden. Der Dermatologe Christian Busch stellt in Winterthur eine Stosswellentherapie gegen Beingeschwüre vor.

Soeben eingetroffen: Christian Busch arbeitet mit dem Gerät, mit dem er schon in der Uniklinik Tübingen chronische Wunden heilte.

Soeben eingetroffen: Christian Busch arbeitet mit dem Gerät, mit dem er schon in der Uniklinik Tübingen chronische Wunden heilte. Bild: Marc Dahinden

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Auf unglaubliche 400 bis 500 Millionen Franken jährlich schätzt Dr. med. Christian Busch die Kosten, die im Zusammenhang mit chronischen Wunden in der Schweiz anfallen.

Das Erste seiner Art

Der Oberarzt Dermatologie an den Pallas-Kliniken hat soeben sein neues Behandlungsgerät erhalten, das nun in Winterthur steht: CellSonic® heisst die Maschine, die mittels Stosswellentherapie Geschwüre, in der Regel sogenannte offene Beine, heilt. Busch hat damit ausführliche Erfahrungen an der Universitätsklinik Tübingen gesammelt und dokumentiert.

Das Gerät für die Extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) ist das erste seiner Art in der Schweiz, soll aber an anderen Standorten der Pallas-Kliniken ebenfalls eingeführt werden. Christian Busch erhofft sich davon eine schnelle und unkomplizierte Behandlung auch «hoffnungsloser» Fälle. Seine 81-jährige «Lieblingspatientin» musste 50 Jahre mit der schmerzhaften, nässenden Wunde leben, bis ihr Problem nach nur vier kurzen ­Behandlungen gelöst war.

«Eine ‹gerechte› Krankheit»

Die Wahrscheinlichkeit, an einem offenen Bein zu erkranken, liegt in der Schweiz bei 1:100. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen liegt die Häufigkeit bei 2,5:100. Immerhin: «Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, es ist eine ‹gerechte› Krankheit», sagt Busch ironisch. Was man auf den Fotos seiner Fallbeispiele allerdings erkennt, ist, dass Männer länger zuwarten, bis sie ihre Krankheit einem Arzt vorstellen.

«Es wird wenig in der Richtung geforscht, da die Industrie kein grosses Interesse an der Vorbeugung hat.» Dr. med. Christian Busch, Dematologe

Das Vollbild von Beingeschwüren beobachtet der Arzt bereits zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, dann beginnt oft ein langer Leidensprozess. Bei Krampfadern, einer sehr häufigen Vorstufe von Beingeschwüren, wölben sich die dunkelroten «Schläuche» sichtbar unter der Haut.

«Rosten» von innen

Es ist ein mechanisches Problem, wie Busch erörtert. Die Venenklappen schliessen nicht mehr richtig, und durch den Druck verlässt Flüssigkeit das Gefäss und sammelt sich im Gewebe. Das Hämoglobin aus dem ausgetretenen Blut oxidiert dann im Körper, der Mensch «rostet» sozusagen von innen.

Die «chronisch venöse Insuffizienz», die zu Krampfadern führt, sowie deren Sym­pto­me versucht man durch Kompressionsstrümpfe zu verbessern – und durch die operative Entfernung der erkrankten Venen als Ultima Ratio zu behandeln. «Seit 100 Jahren die gleiche Methode», führt der Arzt aus, «es wird wenig in der Richtung geforscht, da die Industrie kein grosses Interesse an der Vorbeugung hat.»

Neueste Forschung deute dar­auf hin, dass es sich bei Venenleiden wahrscheinlich um Störungen im Reparaturprozess der Zellen in der Gefässwand handelt. Personen, die viel stehen müssen, kennen das Gefühl der schweren Beine, aber auch durch langes Sitzen kann man in der Leiste den venösen Rückfluss behindern, was die Krampfaderentstehung begünstigt.

Das Flaschenhalsphänomen

«Es beginnt im Knöchelbereich», sagt Busch und zeigt Bilder rotgeäderter Füsse, «die Partie rund um den Knöchel wird hart, wir sehen derbes, vernarbtes Gewebe.» Das ist das Flaschenhalsphänomen. Meist innen am Knöchel, wo der Druck am höchsten ist, platzt die Haut auf und bildet die offenen Wunden. Sie schmerzen hochgradig und verheilen nicht mehr von allein.

Als Forscher in einer Universitätsklinik kennt Busch vor allem die schlimmen Fälle und die Ausnahmen. Auch andere Gefässerkrankungen, Tumore oder sogar Zinkmangel können zu offenen Geschwüren führen. Einer der grössten Kostenposten im Gesundheitswesen, Arbeitsausfälle, Frühberentungen und jahrelange Spitex-Betreuung, könnte seiner Ansicht nach jedoch durch geeignete Therapien vermieden werden. «Vor allem aber könnte man die Lebensqualität verbessern und jahrzehntelange Schmerzen umgehen.» ()

Erstellt: 17.02.2016, 14:44 Uhr

Zur Person

Dr. med. Christian Busch wurde in Halle/Saale geboren und studierte von 1999 bis 2006 Medizin an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Er war Doktorand im Anatomischen Institut, Abteilung Experimentelle Embryologie, und schloss die Promotion mit summa cum laude ab. Facharzt für Derma­tologie und Venerologie wurde er im April 2012. Seit 2007 ist er Projektleiter im Forschungsprogramm der Tübinger ­Medizinischen Fakultät. Er kam im August 2015 in die Schweiz.

Informationen

Weitere Informationen zur Behandlung bei Dr. med. Christian Busch finden Sie unter www.pallas-kliniken.ch oder direkt bei seiner Praxis: Pallas-Kliniken, Gertrudstrasse 1, Winterthur, Tel. 044 501 27 80.

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