Spielplatz-Blog

Helden im Strandbad

Ich (36, männlich) halte es keine 5 Minuten im 13 Grad kalten Zürichsee aus. Meine Töchter (5 und 7) bringen es locker auf 30 Minuten. Hallo?

Sieht kalt aus, ist es auch: Die Tafel im Strandbad Männedorf zeigt 13 Grad Wassertemperatur an. Bild: Kurt Heuberger

Ich gebe zu, ich bin ein Warmschwimmer. Das bedeutet: wenn ein See nicht mindestens 20 Grad Wassertemperatur hat, gehe ich nicht hinein. Und all jenen, die nun dazu ansetzen wollen, mir zu erklären, dass ein kaltes Bad durchblutungsfördernd sei, möchte ich sagen: ist mir egal. Ich mag es einfach nicht, wenn es kalt ist. Das bedeutet auch, dass ich normalerweise nicht vor Mitte Juni im Zürichsee schwimmen gehe. Erst dann erreicht mein «Hausgewässer» nämlich in der Regel die von mir gewünschte Wohlfühltemperatur.

Am Auffahrtswochenende war ich mit der Familie und Freunden erstmals in der Badi. Genauer gesagt: Im Strandbad Männedorf. Der Zürichsee bot zu diesem Zeitpunkt knackige 13 Grad an. Nicht im Traum dachte ich daran, ins Wasser zu gehen. Mein Plan war auf der Liegewiese die Sonne zu geniessen, mit den Kindern herumzutoben und allenfalls ein Glacé zu essen.

Aber dann kam der Gruppendruck. Oder genauer gesagt: der männliche Gruppendruck. Zwei Freunde forderten mich dazu auf, mit ihnen in den See zu springen. Da beschloss ich für einmal kein Warmschwimmer zu sein.

Wir stürzten uns tatsächlich ins kalte Nass. Es war schrecklich. Ich zog ein paar (kurze) Runden und floh schnell wieder zurück an Land. Aber immerhin. Entgegen meiner 20-Grad-Regel war ich im See gewesen. Ich fühlte mich in diesem Moment sehr männlich. Mit stolz geschwellter Brust marschierte ich deshalb zurück, um auf dem Liegeplatz vor meiner Frau mit dieser Heldentat zu prahlen.

Als ich bei meinem warmen, rettenden Badetuch ankam, sah ich aus dem Augenwinkel heraus meine beiden Töchter (5 und 7) im genauso kühlen Kinderbecken herumtollen.

Und wissen sie was? Die zuckten nicht mal mit der Wimper wegen dieser 13 Grad.

Und wissen sie was noch? Die kamen für geschlagene 30 Minuten nicht mehr aus dem Wasser heraus!

Fazit: Wir Männer sind (manchmal) hart - aber unsere Töchter sind viel härter.

Martin Steinegger

Erstellt: 22.05.2015, 11:36 Uhr

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