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Wo bitte soll die Harfe hin?

Kann eine Familie mit drei Kindern auf Dauer in einer Wohnung mit viereinhalb Zimmern leben? Ja. Aber es macht keinen Spass.

Während langer Zeit haben wir die Sache mit dem Platz vor uns hergeschoben. Eine Wohnung mit viereinhalb Zimmern reicht für eine fünfköpfige Familie, haben wir uns gesagt. Wir selber hatten in der Kindheit auch kein eigenes Zimmer, haben wir uns gesagt. Die grösseren Wohnungen sind sowieso viel zu teuer, haben wir uns gesagt.

Und jetzt? Fünf Menschen leben auf etwa 100 Quadratmetern. Wir haben drei Schlafzimmer, zwei Nasszellen, ein Wohnzimmer und eine Küche. Das Büro haben wir ins Schafzimmer gepfercht. Ein Graus für jeden Feng-Shui-Berater. Und der Horror für meine Frau.

Die Kinder gehen in die Schule, sie werden älter. Mit dem Älterwerden wachsen die Bedürfnisse. Und es wächst der Platzbedarf. Der Nachwuchs hat nämlich Hobbys. Gottseidank hat sich meine Älteste für eine Geige entschieden und nicht für ein Schlagzeug. Der Lärm ist dabei nicht das Problem. Den verursacht auch die Geige. Es fehlt am Platz. Ich überlege mir derzeit Strategien, um meiner Zweitgeborenen die Harfe auszureden, auf der sie dereinst spielen will. Wo bitte soll das Teil hin?

Kinder basteln, spielen, toben und laden gerne «Gschpänli» zum Spielen ein. Kurzum: Es wird immer enger bei uns. Deshalb verlieren die am Anfang dieses Textes formulierten Parolen ihre Zugkraft. Oder deutlicher: Es handelt sich längst um reine Phrasendrescherei. Der Bauch weiss das längst, nur das Hirn wehrt sich noch.

Schon bald schauen wir uns eine grössere Wohnung an. Ich denke, dass das Hirn dem Bauch dann endgültig folgen wird.

Martin Steinegger

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