Zum Hauptinhalt springen

Gemeindeversammlung NürensdorfBöse Überraschung für Wasserleitungsbesitzer wider Willen

An der einzigen Gemeindeversammlung dieses Jahres in Nürensdorf standen zwar die öffentlichen Finanzen im Vordergrund. Viel mehr Emotionen gabs allerdings wegen einer Wasserleitung.

Der Leitungsersatz in einer Quartierstrasse kommt einen nichts ahnenden Hausbesitzer in Birchwil teuer zu stehen. Die Wasserleitung gehört nämlich nicht der Gemeinde, sondern ihm selber, worüber er nie ins Bild gesetzt wurde.
Der Leitungsersatz in einer Quartierstrasse kommt einen nichts ahnenden Hausbesitzer in Birchwil teuer zu stehen. Die Wasserleitung gehört nämlich nicht der Gemeinde, sondern ihm selber, worüber er nie ins Bild gesetzt wurde.
Themenbild: Marcel Bieri

Zügig und ziemlich unbeeindruckt von allen Erschwernissen und Unwägbarkeiten sind in Nürensdorf fast alle politischen Pendenzen für dieses Jahr abgehakt worden. Innert einer Stunde hat Gemeindepräsident Christoph Bösel (SVP) am Mittwochabend die erste und einzige Gemeindeversammlung 2020 durchgepeitscht. Er beendete die Veranstaltung sodann mit den unfreiwillig komischen, weil in zweifacher Hinsicht treffenden Worten: «Die Luft ist langsam dick hier drinnen, wir müssen jetzt aufhören.»

Mit gebührendem Abstand haben sich die Nürensdorfer Stimmberechtigten am Mittwoch zur Rechnugsabnahme und zugleich Budgetversammlung in der Turnhalle des Schulhauses Ebnet getroffen.
Mit gebührendem Abstand haben sich die Nürensdorfer Stimmberechtigten am Mittwoch zur Rechnugsabnahme und zugleich Budgetversammlung in der Turnhalle des Schulhauses Ebnet getroffen.
Foto: Christian Wüthrich

Das stimmte einerseits aus Covid-Überlegungen und andererseits auch aufgrund der Stimmungslage. Hatten zum Schluss doch zwei Bewohner aus Birchwil mächtig Dampf abgelassen. Aber der Reihe nach.

Steuerfuss bleibt bei 90 Prozent

Zunächst standen die Gemeindefinanzen im Fokus. Der Rückblick auf 2019 zeigte ein Loch von gut 400’000 Franken in der Laufenden Rechnung, während der Ausblick auf 2021 dagegen ein sechsmal grösseres Defizit erwarten lässt mit minus 2,4 Millionen Franken. Dennoch hält Nürensdorf am tiefen Steuerfuss von 90 Prozentpunkten fest.

Kritik gabs nur an einer vom Gemeinderat als «gebunden» deklarierten Investition von 870’000 Franken in die Heizungsanlage des Schulhauses Hatzenbühl. Da sei beim Vorgehen der Exekutive gehörig etwas schiefgelaufen, befand die Rechnungsprüfungskommission, schluckte den Ärger aber runter. Eigentlich hätte dieses Projekt den Stimmberechtigten nämlich separat zur Beurteilung vorgelegt werden müssen, wurde moniert.

Weiter wurden die Kreditabrechnung für den Umbau des Werkgebäudes wie auch die Revision des Anschlussvertrages mit Illnau-Effretikon im Bereich Zivilschutz diskussionslos genehmigt.

Riesenfrust wegen Leitungsschaden

Emotionen kamen erst recht auf, als die traktandierten Geschäfte der Versammlung vorüber waren. Dann trat ein Eigenheimbesitzer aus Birchwil ans Mikrofon und reklamierte über die aus seiner Sicht irreführende Praxis der Gemeinde beim Umgang mit Wasserleitungen, wenn es um die Besitzverhältnisse geht.

So hat der 83-jährige gebürtige Birchwiler, der einst für die Zivilgemeinde engagiert war, sein Leben lang nie mitgekriegt, dass die Wasserleitung in der Quartierstrasse vor seinem Haus nicht der Gemeinde, sondern ihm selbst gehört. Ergo musste der sichtlich empörte Mann zuletzt die ganzen Kosten von rund 22’000 Franken für den Ersatz der geborstenen Leitung selber berappen. Das sei doch nicht in Ordnung, zumal im Grundbuch nichts über diese besonderen Besitzverhältnisse vermerkt sei. In seiner öffentlichen Anfrage wollte er nochmals Gewissheit vom Gemeinderat, ob das wirklich rechtens sei. Zugleich forderte er: «Ich will, dass die Gemeinde diese Kosten übernimmt.»

Ganz am westlichen Ortsrand von Birchwil im Gebiet «Hintere Reben» (Sackgasse in Bildmitte) gehört die Wasserleitung in der Quartierstrasse nicht der Gemeinde, sondern gerichtlich bestätigt den Anrainern selbst. Daher müssen sie auch die Kosten eines Rohrbruchs selber tragen.
Ganz am westlichen Ortsrand von Birchwil im Gebiet «Hintere Reben» (Sackgasse in Bildmitte) gehört die Wasserleitung in der Quartierstrasse nicht der Gemeinde, sondern gerichtlich bestätigt den Anrainern selbst. Daher müssen sie auch die Kosten eines Rohrbruchs selber tragen.
Bild: Google Maps

Doch die zuständige Bauvorsteherin der Gemeinde, Yvonne Guggenbühler (SVP), ging nicht darauf ein. Sie las nüchtern die Fakten vor, wonach die ominöse Wasserleitung tatsächlich privat und nicht im Besitz der Gemeinde sei, was auch das Baurekursgericht so bestätigt habe. «Ich habe noch nie von so einem dummen Gerichtsentscheid gehört», konterte ein Nachbar des Betroffenen.

Gemeindepräsident Bösel versuchte derweil zu beschwichtigen und entschuldigte sich sogar: «Uns war es nicht angenehm, ihnen hierfür eine Rechnung zu schreiben. Es tut mir auch von Herzen leid, aber wir müssen alle gleichbehandeln.»