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Neue Quarantäneregeln des BundesratsBuchungen von Fernreisen ziehen an

Der Bundesrat hat die Vorgaben für die Liste mit Risikoländern gelockert. Das macht sich im Buchungsverhalten der Reisewilligen bemerkbar.

Die Sehnsucht der Schweizerinnen und Schweizer nach Sonne, Strand und Meer bleibt trotz der Corona-Krise ungebrochen.
Die Sehnsucht der Schweizerinnen und Schweizer nach Sonne, Strand und Meer bleibt trotz der Corona-Krise ungebrochen.
Foto: Gemunu Amarasinghe (AP)

Allein bei Hotelplan haben seit Mitte März rund 100000 Kunden ihre Reise wegen der Corona-Krise storniert. Die Folgen für den Reiseveranstalter sind verheerend: Der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende Oktober) ist um 65 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen ist tief in die roten Zahlen gerutscht.

«Es handelt sich um das schlechteste Ergebnis in der 85-jährigen Firmengeschichte», sagte Gruppenchef Thomas Stirnimann am Dienstag. Genaue Angaben zum Verlust machte die Migros-Tochtergesellschaft nicht. Hotelplan-Schweiz-Chef Tim Bachmann sprach aber von «mehreren Jahresgewinnen».

Interesse an exotischen Destinationen steigt

Bei dieser düsteren Ausgangslage ist jeder Hoffnungsschimmer willkommen. Das Verhalten der Kunden ist ein solcher. Hotelplan stellt fest, dass die Buchungen von Fernreisen wieder leicht anziehen. Beliebte Ferienziele bei den Kunden sind aktuell die Kanarischen Inseln, die Malediven oder Costa Rica.

Ein verstärktes Kundeninteresse an weit entfernten Reisezielen beobachtet auch Konkurrent DER Touristik Schweiz, zu dem Kuoni und Helvetic Tours gehören. «Eine leichte Tendenz zeigt sich vor allem für Reisen in die Dominikanische Republik, auf die Seychellen, die Kanarischen Inseln sowie Destinationen am Roten Meer», heisst es bei DER.

Grund ist, dass am 29. Oktober neue Regeln für die Liste mit Risikoländern in Kraft getreten sind. Es gelten nur noch Länder als Risikogebiete, die schlimmer von der Pandemie betroffen sind als die Schweiz selbst. Das hat dazu geführt, dass die Zahl der aufgelisteten Länder von beinahe 60 auf neu 4 geschrumpft ist.

Es müssen sich nur noch Reisende automatisch für zehn Tage in eine Quarantäne begeben, die aus Andorra, Armenien, Belgien und der Tschechischen Republik zurückkehren. Die grosse Unbekannte bleiben für die Reisebranche aber die hohen Fallzahlen in der Schweiz, die im Ausland zu Einschränkungen gegenüber Schweizern führen.

So verschärfen die Seychellen ab kommenden Montag die Regeln für Touristen aus der Schweiz. Schweizer müssen sich ab diesem Zeitpunkt neu sechs Nächte in Quarantäne begeben, wenn sie einreisen.

Kunden buchen kurzfristig

Beschleunigt hat sich der Trend zu kurzfristigen Buchungen. Verglichen mit dem Geschäftsjahr vor Corona hat bei Hotelplan die Zahl der Reservierungen, die einen Tag vor Antritt der Reise erfolgen, um fast die Hälfte zugenommen.

Zudem sagte Schweiz-Chef Bachmann: «Wenn ein Kunde von uns bereits heute eine Reise für Südafrika im März buchen möchte, kommen wir diesem Wunsch natürlich nach. Wir empfehlen aber, möglichst kurzfristig zu reservieren.» Das ermögliche eine höhere Planungssicherheit.

Bei DER Touristik Schweiz ist zu erfahren, dass die Kunden «sehr spontan» buchen – nicht aber ohne sich vorher über mögliche Unwägbarkeiten wie sich ändernde Einreisebestimmungen informiert zu haben. Das persönliche Gespräch am Telefon oder direkt in den Reisebüros gewinne deshalb an Bedeutung.

31 Kommentare
    Ruth Meier

    Natürlich brauchen die armen Länder das Geld von den Touristen. Dennoch kann ich nicht verstehen, warum die meisten Länder die Schweiz nicht auf eine Quarantäne-Liste setzen. Es gibt kein Land, das mehr Neuinfektionen pro 1.000 Einwohner hat als die Schweiz! Wir toppen problemlos die USA!

    Man spricht so viel von Moral in diesen Tagen. Hier kann ich keine erkennen, denn jeder glaubt, er/sie würde das Virus nicht weitertragen während die Schweizer behilflich sind, das Virus weltweit zu verbreiten!