Flughafen

1000 Sanitätseinsätze allein am Flughafen

Seit zehn Jahren stellt Schutz & Rettung der Stadt Zürich­ die Rettungskräfte am Flughafen Kloten. Dass der Airport grosse Feuerwehrfahrzeuge braucht, ist internationale Vorschrift – für die Sanität hingegen gilt kein solches Gesetz.

Von ihrem Stützpunkt am Flughafen aus fahren die Sanitäter von Schutz & Rettung Zürich jedes Jahr 1000 Einsätze auf dem Areal des Airports. Gleichzeitig rücken sie vom Flughafen aus auch in den Norden der Stadt Zürich aus.

Von ihrem Stützpunkt am Flughafen aus fahren die Sanitäter von Schutz & Rettung Zürich jedes Jahr 1000 Einsätze auf dem Areal des Airports. Gleichzeitig rücken sie vom Flughafen aus auch in den Norden der Stadt Zürich aus. Bild: Foto: Schutz & Rettung Zürich

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Am 14. November hat der Flug­hafen Zürich im grossen Stil den Ernstfall geübt. Bombenexplosion in einem Bus, so war das Szenario skizziert. Trainiert haben nebst der Kantonspolizei und den umliegenden Spitälern auch die Mannschaften von Schutz & Ret­tung der Stadt Zürich (SRZ). Deren Rettungskräfte sind seit zehn Jahren auch für den Flug­hafen zuständig. Materiell ist man am Flughafenstützpunkt gut aufgestellt: Erst vergangene Woche hat SRZ in der Haupthalle der Wache Flughafen das erste von sieben neuen Flugfeldlöschfahrzeugen eingeweiht.

Während der Vierachser zweifelsohne der Star des Anlasses war, interessierte sich kaum jemand für die Ambulanz, die, zugegeben, neben dem 48-Tönner etwas gar klein anmutete. Dabei war sie nicht bloss zu Dekorationszwecken hingestellt worden: Schutz & Rettung, das beinhaltet auch die Notärzte. Gemäss Medienstelle von SRZ sind am Flughafen derzeit tagsüber vier Rettungswagen besetzt, in der Nacht sind es noch drei. Pro Fahrzeug sind zwei Rettungs­sanitäter eingeteilt.

Was eine Flughafenfeuerwehr bieten muss, ist gesetzlich vorgeschrieben: Je nach Grösse der Flugzeuge legt die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO genau fest, wie viele Fahrzeuge mit welcher Spritzleistung vorhanden sein müssen. Mit dem Airbus A-380 ist Kloten in die höchste Kategorie aufgestiegen (Kategorie 10), was diese Ansprüche angeht. Nun könnte man anneh­men, dass für die Ambulanzen eine ähn­liche Vorschrift gelten mag – doch dem ist nicht so. «Theoretisch, rein rechtlich, könnte ein Flughafen sogar ganz ohne­ eigene Sanität betrieben werden», sagte SRZ-Direktor Hans­peter Fehr am Rande der Medienveranstaltung. Zwar muss bei einem Grossereignis (etwa einer Flugzeugkatastrophe) eine Notfallrettung gewährleistet werden – die Sanität könnte dabei aber auch ausserhalb des Flughafens stationiert sein.

Zwingend nötig

In Kloten stehen die Ambulanzen indessen auf Platz bereit. Der vor zehn Jahren abgeschlossene (und erst kürzlich per 2018 um weitere 5 Jahre verlängerte) Vertrag zwischen der Flughafen ­Zürich AG und SRZ definiert die Leistung einfach: Bereitstellung von Ambulanzfahrzeugen durch ausgebildete Rettungskräfte und Sicherstellung der Einsatzbereitschaft für die Bewältigung eines Grossereignisses rund um die Uhr während 365 Tagen im Jahr. Wie Urs Eberle, Mediensprecher von SRZ, ausführt, ist das auch zwingend nötig. «Schon alleine die Einsatzzahlen am Flug­hafen verdeutlichen, dass ein Standort am Flug­hafen zwingend sichergestellt werden muss, um die Einhaltung der Interventionszeiten gewährleisten zu können.»

Dass beispielsweise 10 bis 15 Minuten reichen müssen, um Rettungskräfte vor Ort zu haben, ist ein allgemeiner Qualitätsanspruch, den der Kanton Zürich beziehungsweise der Interverband für Rettungswesen definiert – ob am Flughafen oder sonst wo. Nur müssen an einem Flug­hafen komplexe Sicherheitsprozedere eingehalten werden. Eine externe Ambulanz, also etwa vom Spital­ Bülach oder nur schon von Kloten aus, hätte schlicht viel zu lange. Und gemäss Eberle sind es jeweils um 1000 Einsätze pro Jahr (19 pro Woche), die allein auf dem Flughafengebiet geleistet werden. «Bei einer Gesamtzahl von etwa 37 000 Einsätzen ist das ein Anteil von 2,7 Prozent.»

Neue Wache bis 2020

Dass die Ambulanzen in abseh­barer Zeit vom Flughafen abge­zogen werden könnten, ist aus Sicht von Schutz & Rettung ausgesprochen unwahrscheinlich. Man steckt gerade mitten in der Planung des Neubaus der Wache auf dem Flughafenareal, die 2020 bezogen werden soll – von Feuerwehr und Rettungsdienst.

Aber auch für die Flughafen Zürich AG, die für das SRZ- Gesamt­paket jährlich immerhin 21 Millionen Franken zahlt, kommt ein Abbau der Sanitätsleistung nicht infrage. Man sei mit dem aktuellen Service sehr gut aufgestellt, sagt Sprecherin Raffaela Stelzer. Auch sie gibt zu bedenken, dass eine entsprechende Dienstleistung von umlie­genden Spitälern aus zwar möglich, allerdings nur mit wesent­lich längeren Einsatz­zeiten zu bewerkstelligen wäre.

Was aber ist mit der Sicht des Steuerzahlers? Denn letztlich gehört Schutz & Rettung der öffentlichen Hand, entsprechend hätte das Zürcher Stadtparlament es in der Hand, den Dienstleistungsvertrag mit dem (immerhin ausserhalb der poli­tischen Gemeinde befindlichen) Flughafen einseitig aufzukünden. Doch auch dieses Szenario erachtet Urs Eberle als kaum realis­tisch. Er erinnert daran, dass der Gemeinderat der Stadt 2007 mit 95 zu 2 Stimmen den Verträgen sehr deutlich zugestimmt hatte. «Durch die Zusammenlegung der Rettungsorga­nisationen der Stadt und des Flughafens konnten Synergien geschaffen werden, sowohl in monetärer als auch qualitativer Hinsicht.» Durch die gemein­same Nutzung der Ressourcen würden sich die Vorhalteleis­tungen auch für die Stadt Zürich verringern, und das bei einer verbesserten Qualität. «Eine Streichung hätte kaum positive Auswirkungen auf das Budget der Stadt Zürich­», sagt Eberle. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.01.2018, 21:49 Uhr

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