Winkel

12 Millionen Franken für Wildtiere

Der Kanton plant auf dem Gebiet der Gemeinde Winkel eine 100 Meter breite, begrünte Autobahnüberführung. Auf dem 12,5-Millionen-Franken teuren Bauwerk könnten Wildtiere und Fussgänger die A51 sicher queren.

Im Kanton Zürich gibt es bereits mehrere Wildtierüberführungen, so wie diese über die A4 in Affoltern am Albis. Foto: Baudirektion Kanton Zürich

Im Kanton Zürich gibt es bereits mehrere Wildtierüberführungen, so wie diese über die A4 in Affoltern am Albis. Foto: Baudirektion Kanton Zürich Bild: Baudirektion Kanton Zürich

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Will sich ein Reh aus Winkel mit einem Artgenossen aus Oberhasli treffen, steht es vor einem unüberwindbaren Hindernis: der eingezäunten Autobahn. Die A51 führt mitten durch den gemeinsamen Lebensraum der Wildtiere, von Fachleuten als Wildtierkorridor ZH 7 bezeichnet. Dieser erstreckt sich über die Gemeinden Winkel, Bachenbülach, Niederhasli sowie Oberglatt und verbindet die Wälder westlich von Embrach mit jenen westlich von Rümlang. Seit längerem möchte der Kanton dieses Gebiet wieder vernetzen. Nun liegt ein Vorprojekt für eine Wildtierüberführung mit Fussgängerpassage vor. Das Bauwerk soll 300 Meter südlich des römischen Gutshofs in Winkel gebaut und rund 100 Meter breit werden.

Gegen Inzucht

Die Überführung würde es ermöglichen, dass sich Wildtiere über grössere Distanzen bewegen können, um Nahrung, Fortpflanzungspartner oder Aufzuchtsorte für ihre Jungen zu finden. Als Zielgruppe bezeichnet der Kanton Wildschwein, Reh, Feldhase, Dachs, Iltis und Luchs. Wenn deren Lebensraum zerstückelt sei, könne sich die genetische Vielfalt reduzieren, und es komme zu Inzucht, schreibt das Amt für Verkehr in einer Vorstudie aus dem Jahr 2013. Bereits damals wurden Varianten und Standorte für eine Wildüberführung erarbeitet.

Heute bestehen im Umfeld des Wildtierkorridors vier schmale Brücken für den Landwirtschaftsverkehr und für Fussgänger. Sie können von Wildtieren zwar benutzt werden, sind aber gemäss Kanton für die grossräumige Vernetzung der Tiere ungeeignet. Die geplante breite Überführung und ihre unmittelbare Umgebung würden deshalb mit einem Mosaik aus Gehölzen, Magerwiesen und anderen Massnahmen tierfreundlich gestaltet. Auch Erholungssuchende sollen sie nutzen können. Am Rand ist ein, von einer dicken Hecke abgegrenzter, Fussweg projektiert. Dieses tierfreundliche Bauwerk möchte sich der Kanton etwas kosten lassen. Eine grobe Schätzung geht von 12,5 Millionen Franken aus.

Lieber oben- als untendurch

In der Schweiz gibt es zahlreiche Wildtierüberführungen. Sie führen meist über Autobahnen, da diese wegen der Einzäunung und des Verkehrsaufkommens für Wildtiere unüberwindbar sind. Wie Thomas Maag von der Medienstelle der Baudirektion des Kantons Zürich sagt, werden genügend grosse Überführungen von den Tieren sehr schnell und gut angenommen. «Das haben Messungen und Beobachtungen mit Fotofallen gezeigt.» Unterführungen seien weniger beliebt, auch wenn sie gross genug dimensioniert sind. Im Zürcher Unterland ist derzeit ausser in Winkel auch eine Überführung beim Ausbau der Schaffhauserstrasse im Hardwald bei Bülach geplant.

Baubeginn im Jahr 2022

Die Bevölkerung darf sich gemäss Strassengesetz noch bis am 12. August zum Vorhaben äussern. «Die Gemeinde Winkel wird das Projekt genau prüfen und dem Kanton eine fundierte Rückmeldung machen», sagt Gemeindeschreiber Manfred Hohl auf Anfrage. Weil man die Unterlagen erst vor kurzem erhalte habe, sei es noch nicht möglich gewesen, das Projekt im Detail zu prüfen: «Grundsätzlich denken wir, dass das Anliegen unterstützungswürdig ist. Und die kommunalen Behörden müssen sich an die raumplanerischen Vorgaben von Bund und Kanton halten», sagt Hohl. Für Winkel bedeute das Projekt einerseits, dass die Anstösser wertvolles Kulturland verlieren werden. «Das bedauern wir», sagt Hohl. «Andererseits wird eine neue Fusswegverbindung geschaffen. Sie macht das Naherholungsgebiet rund um den Flughafen für die Winkler Bevölkerung attraktiver.»

Bis Herbst 2020 soll dem Kantonsrat ein konkretes Projekt vorliegen. Ziel ist es, im Frühling 2022 mit dem Bau beginnen zu können Die Bauzeit beträgt ein Jahr. Allerdings räumt der Kanton im technischen Bericht ein, dass es zu Verzögerungen kommen könnte. Das Projekt tangiert Fruchtfolgeflächen, bei denen vorab Einigungen mit den Grundeigentümern gefunden werden müssen. Auf dem betroffenen Armeegelände müssten zudem Munitionsteile geräumt werden. Was das zeitlich und finanziell bedeuten würde, könne zum heutigen Zeitpunkt nur schwer abgeschätzt werden.

Im Juni 2018 wurde der betreffende Autobahnabschnitt fertig saniert. Thomas Maag erklärt, weshalb man die Wildtierüberführung nicht während der Sanierung gebaut hat. «Die Vorstudie zu sämtlichen Landschaftsverbindungen im Kanton und die Priorisierung der Projekte wurden erst Ende 2014 abgeschlossen. So verfügte man bei Beginn der Sanierung der A51 über kein festgesetztes Projekt.» Da mit der Instandsetzung nicht länger zugewartet werden konnte, entschieden Bau- und Volkswirtschaftsdirektion, die Wildtierüberführung in Winkel vom Sanierungsprojekt zu trennen.

«Den Verkehrsteilnehmenden entsteht durch den Bau der Wildtierüberführung kein Nachteil», sagt Maag. Die A51 könne während der Bauarbeiten normal vierspurig befahren werden. Lediglich einzelne nächtliche Sperrungen werden notwendig sein.

Erstellt: 18.07.2019, 16:47 Uhr

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