Zum Hauptinhalt springen

25 Fischarten überwinden Kraftwerk

Seit einem halben Jahr passieren die Fische das Kraftwerk Eglisau via neue Treppe oder neuen Lift. Bevor sie auf der anderen Seite weiter flussaufwärts schwimmen,landen sie in einem Zählbecken. Nach einem halben Jahr Betrieb berichten die Verantwortlichen, wie es läuft.

Ricardo Mendez, Fischwanderexperte der Axpo, und die Fischer Kurt Oberholzer aus Eglisau und Peter Demuth aus Glattfelden (von links) zählen die Fische beim Kraftwerk auf der Schweizer Seite des Rheins.
Ricardo Mendez, Fischwanderexperte der Axpo, und die Fischer Kurt Oberholzer aus Eglisau und Peter Demuth aus Glattfelden (von links) zählen die Fische beim Kraftwerk auf der Schweizer Seite des Rheins.
Katja Büchi

Die Treppe oder den Lift nehmen? Diese Frage stellt sich wohl so manch einer mehrmals täglich. Treppen steigen bietet den Vorteil von gratis Fitness, im Lift muss man sich dafür nicht anstrengen. Beim Kraftwerk in Eglis­au stehen gar die Fische im Rhein vor dieser Entscheidung: Um das Kraftwerk zu über­win­den, können sie auf der Schweizer Seite die Fischtreppe hochschwimmen oder auf der deutschen Seite den Fischlift nehmen.

Ricardo Mendez, Fischwanderexperte der Axpo, erklärt, wie die Fische sich für eine der beiden Varianten entscheiden: «Grundsätzlich folgen strömungslie­bende und starke Fische der stärks­ten Strömung und benutzen eher die Fischtreppe. Schwimm­schwache oder sogenannt stillwasserliebende Fische bevorzugen eher den Fischlift.»

Dass auf den beiden Uferseiten unterschiedliche Lösungen für die Fischaufstiegshilfen gewählt wurden, hat mit den topogra­fischen Gegebenheiten zu tun: «Der Grund für den Bau des Lifts war, dass auf deutscher Seite aufgrund der engen Platzverhält­nisse und steilen Uferhänge die Realisierung einer Treppe nicht möglich war», sagt Mendez.

Die beiden Fischaufstiegs­hilfen sind seit April dieses Jahres in Betrieb (der ZU berich­tete). Seither läuft die Erfolgskontrolle, für die die Fische auf beiden Flussseiten in Zähleinrichtungen (Becken und Reuse) geleitet werden. Bevor sie auf der anderen Seite des Kraftwerks wieder frei im Rhein schwimmen, werden sie von Hand gezählt, und ihre Art sowie Grösse werden festgehalten.

Funktionstüchtigkeitder Aufstiegshilfen prüfen

Die Leerung der Becken findet ein­mal täglich statt. «Dass die ­Fische einige Zeit dort drin liegen, stellt für sie kein Problem dar. Wichtig ist, dass die Zähl­einrichtungen gross genug angelegt sind», sagt Mendez. Dieser Aspekt sei beim Bau berück­sichtigt worden. Zudem werde an Tagen, an denen der Andrang der Fische besonders gross ist, nach Bedarf das Becken auch mehr als einmal pro Tag geleert.

Das Zählen und Notieren der Eckdaten der Fische dient ­gemäss Mendez der Erfolgskon­trolle: «Durch das Erfassen der Fischwanderung überprüfen wir die Funktionstüchtigkeit der ­Anlage.» Dabei sei beispiels­weise eine grössere Anzahl Barben und Schneider ein Indikator dafür, dass die Fischgängigkeit bei den Aufstiegshilfen gewährleistet sei. Konkrete Referenzwerte, ab wann die Fischtreppe als erfolgreich gilt, kann der Experte nicht nennen, da die Methode zur Auswertung noch nicht definiert ist.

Die Anzahl Fische pro Tag ist sehr unregelmässig: «Es können an einem Tag keine, fünf oder auch 200 sein», sagt Mendez. Für genauere Angaben müsse die De­tail­analyse abgewartet werden, die voraussichtlich im Sommer 2018 bereit sein wird. «Aber wir haben schon 25 der erwarteten 28 Fischarten nachgewiesen.»

Unterstützung beim Zählen von lokalen Fischern

Vor der Inbetriebnahme der ­neuen Anlage im April bat die ­Axpo an einer Informationsveranstaltung lokale Fischervereine um Unterstützung bei der Auszählung. Dort dabei war auch der Sportfischerverein Glattfelden. Vereinspräsident Peter Demuth sowie sein Vereinskollege Kurt Oberholzer sind nun alle drei ­Wochen für sieben Tage an der Reihe, täglich die Fische zu zählen.

«Das dauert je nach Anzahl zwischen 40 Minuten und etwas mehr als einer Stunde», berichtet Demuth. Dabei nehmen sie ­jeden Fisch einzeln aus der ­Reuse, eruieren die Art, vermessen ihn und halten diese Informationen schriftlich fest.

Da ihr Fischrevier ganz in der Nähe des Kraftwerks ist, ist die Aufgabe für die beiden Fischer­ besonders spannend. «Ich helfe mit, weil ich Inter­esse am Fisch habe und ich wissen wollte, welche Arten man hier so sehen kann», erzählt Ober­holzer.

Ein Höhepunkt war für ihn sicherlich, als er eines Tages eine Äsche im Lift vorfand: «Ich habe nur noch gestaunt, weil es immer heisst, die gäbe es in unserem Revier nicht mehr.» Demuth fügt an: «Auch die vier Welse und der Hecht, die alle über einen Meter gross waren, waren eindrücklich.»

Die Zählvorrichtungen beim Eglisauer Kraftwerk sind lediglich für die einjährige Erfolgskontrolle eingebaut. Wenn das Monitoring abgeschlossen ist, können die Fische selber direkt via Treppe oder Lift rüberschwimmen, ohne zuerst in einem Zählbecken zu landen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch