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328 Waffen weniger im Umlauf

Bei der freiwilligen Abgabe von Schusswaffen sind in vier Stunden 244 Schuss- sowie 84 Hieb- und Stichwaffen eingesammelt worden.

Die Fahrzeuge werden eingewiesen.
Die Fahrzeuge werden eingewiesen.
Leo Wyden
Von der Steinschlosspistole um 1800 bis zur Softair Maschinenpistole: Die Waffen die zurückgegeben wurden, waren divers.
Von der Steinschlosspistole um 1800 bis zur Softair Maschinenpistole: Die Waffen die zurückgegeben wurden, waren divers.
Leo Wyden
Mathis Philippe, Gruppenchef der Fachgruppe Waffen und Sprengstoffe, prüft die Waffen.
Mathis Philippe, Gruppenchef der Fachgruppe Waffen und Sprengstoffe, prüft die Waffen.
Leo Wyden
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99 Karabiner und Langgewehre, 29 Sturmgewehre 57, 18 Armeepistolen und -revolver, 1 privates Sturmgewehr 90, 25 private Pistolen, 9 private Revolver, 35 Jagd- und Sportgewehre, 28 Softair- und Luftgewehre sowie 84 Hieb- und Stichwaffen, 5 Sprengkapseln, rund 200 Kilogramm Munition sowie Schwarzpulver und verschiedene Feuerwerkskörper: Dies ist die Bilanz der freiwilligen Waffenabgabe vom Samstagmorgen beim Verkehrpolizeistützpunkt Bülach. Unter den Schusswaffen befanden sich zwar keine Trouvaillen, aber doch eher selten waren zwei russische Ordonanzwaffen aus dem Zweiten Weltkrieg und ein Unterhebel-Repetiergewehr, womit sicher auch Old Shatterhand gerne geschossen hätte. Der Grossteil der abgegeben Waffen waren alte Militär-Karabiner. Auch ein Sturmgewehr 90, das noch heute bei der Armee im Einsatz ist, wurde als Privatwaffe zurückgegeben. Kurt Hobel, Chef des Zeughauses Zürich sagte dazu: «Diese Waffen sind bei den Schützen sehr beliebt, aber selbstverständlich sind sie auf Einzelfeuer eingestellt.»

Das Zeughaus nahm die alten Armeewaffen entgegen und entsorgt sie auch selber. «Zwar sind diese Waffen in der Zwischenzeit im Privatbesitz, aber einmal wurden sie von der Armee abgegeben.» Deswegen beteilige sich die Armee an der Entgegennahme und Entsorgung.

Jedes Jahr ein Aktionstag

Waffen aller Art können das ganze Jahr über bei jedem Polizeiposten oder im Zeughaus abgegeben werden. Trotzdem seien solche Aktionen der freiwilligen Waffenabgabe wichtig, wie Marcel Suter, Chef Sicherheitspolizei Spezialabteilung der Kantonspolizei Zürich erklärte. «Wir haben festgestellt, dass vor allem die ältere Generation gerne solche Tagesanlässe nutzt, um alte Waffen abzugeben. Gleichzeitig wollen wir einerseits signalisieren, dass es die Möglichkeit der Waffenabgabe überhaupt gibt und andererseits motivieren, die Waffen abzugeben.» Denn jede Waffe, so auch ein Laserpointer, stelle grundsätzlich eine Gefahr dar – auch wenn an diesem Samstag keine Laserpointer abgegeben wurden.

Martin Rau aus Kloten schätzte es sehr, an diesem Aktionstag die Waffen seines Schwiegervaters abgeben zu können. «Die drei Gewehre waren jetzt 15 Jahre an einem sicheren Ort zwischengelagert. Jetzt ist es Zeit, diese abzugeben.» Verena Phillipp aus Hüntwangen hatte ein Kleinkalibergewehr, einen Karabiner und einen Kaninchentöter vom hochbetagten Vater dabei. «Meine Schwester und ich haben heute für ihn die Entsorgung übernommen», meinte sie erleichtert.

Sicherheit an erster Stelle

Die Abgabe erfolgte sehr strukturiert. Die Atmosphäre war entspannt, aber konzentriert. Es begann bereits beim Eingangstor zum Verkehrspolizeistützpunkt Bülach. Dort wurden die Autos angehalten und die Insassen darauf aufmerksam gemacht, keine Manipulationen mehr an den Waffen vorzunehmen. Beim Parkplatz warf ein weiterer Polizist einen Blick ins Auto. Wäre zum Beispiel Sprengstoff dabei gewesen, wären die Waffen- und Sprengstoffexperten des Forensischen Instituts Zürich FOR zum Einsatz gekommen.

Danach wurden die Abgabewilligen durch einen Polizisten zur Fahrzeughalle begleitet. Dort erwarteten sie die Mitarbeiter des FOR, welche die Waffen kontrollierten und sicherstellten, dass sämtliche Waffen entladen waren. Bei der Kontrolle wurden dann tatsächlich zuunterst in einem mitgebrachten Korb fünf Sprengkapseln gefunden.

Bei der nächsten Station mussten die Teilnehmer eine Verzichtserklärung für die Waffen unterzeichnen, bevor diese von der Kapo registriert und in die Transportkisten zur Entsorgung gelegt wurden.

Vor Ort waren auch Mitarbeiter der Präventionsabteilung. Sie boten nicht nur warmen Tee an, sondern hatten auch Zeit für ein Gespräch über alte Geschichten zu den abgegebenen Waffen. Ausserdem nutzten sie die Gelegenheit, den Anwesenden Hinweise über Enkeltrickbetrüger oder die Einbruchsprävention zu geben. Die Kantonspolizei bietet dazu kostenlose Beratungen zu Hause an.

Waffen werden vernichtet

Die eingesammelten Waffen werden alle unter polizeilicher Aufsicht in einer Recyclinganlage geschreddert. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Leute die Waffen vernichten und nicht verkaufen möchten, meinte Marcel Suter – dies auch bei Hinweisen, es handle sich um eine Rarität. Letztes Jahr wurden im Kanton Zürich 6624 neue Waffenerwerbsscheine ausgestellt. Da erscheinen 328 zurückgegebene Waffen als wenig.

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