Bülach

Betrüger muss Schweiz verlassen

Als Betrüger und «Maskenmann» machte R.S. Schlagzeilen. Nach der 15-monatigen Freiheitsstrafe muss er die Schweiz für zehn Jahre verlassen. Vor Gericht sorgte er nochmals für Kopfschütteln.

Am Bezirksgericht Bülach bezeichnete sich der Betrüger mehrfach als «Grenzläufer  zwischen Zivil- und Strafrecht».

Am Bezirksgericht Bülach bezeichnete sich der Betrüger mehrfach als «Grenzläufer zwischen Zivil- und Strafrecht». Bild: Paco Carrascosa

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Gespannt warteten die Zuschauer am Bezirksgericht Bülach auf das Auftreten des Beschuldigten. Dieser hatte nämlich bereits einmal landesweit für Aufsehen gesorgt. 2016 ging R.S. in Bülach mit einer Sturmhaube über dem Kopf auf einen Reporter der Fernsehsendung «Kassensturz» los, als dieser ihn mit einer seiner Betrugsmaschen konfrontieren wollte. Mit den Worten «Ich verhafte Sie, im Namen des Volkes», schaffte es R.S. zu beachtlicher Bekanntheit, zumal in einigen Medien sein vollständiger Name genannt wurde. Dies dürfe in Zukunft nicht mehr geschehen, forderte der Anwalt des Beschuldigten am Mittwoch vor dem Bülacher Bezirksgericht gleich als Erstes.

Zwar blieb der grosse Auftritt von R.S. diesmal aus, doch die von ihm gebotene Mischung aus Eloquenz und Verstocktheit war zumindest irritierend. Befragte ihn der Richter zu seinem Privatleben oder seinen Schulden, verwies er auf die Akten oder quittierte die Frage mit einem lapidaren «Dazu möchte ich mich nicht äussern».

«Sehe mich als juristischen Grenzläufer»

Gesprächiger wurde der Deutsche erst, als der Richter ihn mit der umfangreichen Anklageschrift konfrontierte. Dem Mann wird unter anderem mehrfacher gewerbsmässiger Betrug zur Last gelegt. Nebem dem Betrieb einer betrügerischen Autovermietung handelte er mit Occasionsautos (der ZU berichtete). Er kaufte gebrauchte Autos auf, fälschte die Angaben zu Modell, Jahrgang oder Kilometerstand und verkaufte sie überteuert weiter – insgesamt 19-mal. So ertrog er total 16000 Franken. Ob er einsehe, dass dies nicht der im Gesetz vorgegebenen Handlungsweise entspreche, wollte der Richter wissen. «Ich anerkenne das», antwortete R.S, um dann zum wiederholten Male zu erklären, er sei zwar kein Jurist. «Doch ich war der Auffassung, mein Handeln war juristisch grenzwertig korrekt.» Mehrfach bezeichnete er sich als Grenzläufer zwischen Zivil- und Strafrecht. Immerhin sei in den Verträgen gestanden: «Alle Angaben ohne Gewähr.»

Aus Rache Bienenvölker getötet

Darauf angesprochen, weshalb er in Wasterkingen 22 Bienenvölker getötet habe, verwies R.S. zuerst erneut auf die Akten. Der Richter hakte nach, wollte wissen, weshalb er die Tiere derart leiden liess. R.s. räumte ein, aus Rache gehandelt zu haben. weil der Imker zuvor seine Völker vernichtet habe. Der Mann habe behauptet, diese seien krank gewesen seien, was aber überhaupt nicht gestimmt habe. R.S. führte aus, die Aktion gegen seine Bienen sei politisch motiviert gewesen: «Ich weiss schon, welcher Partei der Imker angehört.»

«Bin froh, wieder in mein Land zu kommen»

Das Gericht verhandelte den Fall im abgekürzten Verfahren. Dieses ist möglich, wenn die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe weniger als fünf Jahre Gefängnis beträgt und sich die beschuldigte Person in wesentlichen Punkten übereinstimmend mit der Staatsanwaltschaft zeigt. Das Bezirksgericht Bülach musste deshalb lediglich überprüfen, ob R.S. die Anklageschrift anerkennt. «Das Gericht hat sich dabei schwergetan», erklärte der Vorsitzende nach längerer Beratung. «Um es in den Worten des Beschuldigten auszudrücken, es war ein Kantenläufer.» Man habe sich aber letztlich durchgerungen, den Urteilsvorschlag zu genehmigen.

Damit wurde R.S. unter anderem wegen des gewerbsmässigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Hat er diese abgesessen, wird er die Schweiz für zehn Jahre in Richtung Deutschland verlassen müssen. Er hat die Verfahrenskosten zu tragen. «Ich bin froh, wieder in mein Land zu kommen», hatte R.S. dem Richter zuvor erklärt. Am Ende bat er noch um das Gehör des Staatsanwalts. Das hier sei kein salomonisches Urteil: «Salomon hätte anders entschieden.»

Erstellt: 15.01.2020, 15:38 Uhr

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