Wallisellen

Das Gotteshaus wird zum Kinosaal

Wallisellen hat kein eigenes Kino. Abhilfe gegen den Mangel an grossen Leinwänden kommt von unerwarteter Seite: Die reformierte und die katholische Kirche laden sechs Mal zum Filmabend im Gotteshaus ein.

Am Dienstagabend wird wird in der reformierten Kirche nicht gepredigt, sondern über das Filmemachen gefachsimpelt.

Am Dienstagabend wird wird in der reformierten Kirche nicht gepredigt, sondern über das Filmemachen gefachsimpelt. Bild: Balz Murer

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Wallisellen hat rund doppelt so viele Einwohner wie die Nachbarsgemeinde Dietlikon, doch Filmfans schauen rund ums Glattzentrum trotzdem in die Röhre. Während in Dietlikon mit dem «Pathé» seit Jahren ein Multiplex-Kino inklusive Parkhaus die neusten Streifen aus Hollywood zeigt, müssen die Wallisellerinnen und Wallisellen dazu über die Gemeindegrenze pilgern oder gleich mit dem Zug nach Zürich fahren.

In dieser Situation in die Bresche springen seit Jahren zwei Organisationen, von denen man es nicht unbedingt erwarten würde: Die reformierte und die katholische Kirche organisieren seit über zehn Jahren Leinwand und Soundanlage, um auch im eigenen Dorf Kinovergnügen zu ermöglichen.

Leben am Abgrund

Unter dem Titel «Film ab...» geht es am Dienstag um 19 Uhr in der reformierten Kirche wieder los. Insgesamt sechs Filme zeigen die beiden Kirchgemeinden jeweils an ausgewählten Daten bis im nächsten März. «Wir haben dieses Jahr das Thema Heimat ausgesucht», erklärt Ulrike von Allmen, die in der Sozialdiakonie der reformierten Kirche arbeitet. «Dabei haben wir versucht, ein wenig Ausgewogenheit miteinzubringen. Wir zeigen einen Dokumentarfilm, einen Spielfilm, ernstere, aber auch unterhaltsamere Streifen und auch jüngeres sowie älteres Material.»

Ausgerechnet die alten Filme seien jeweils mit einer herausfordernden Organisation verbunden. «Bei alten Filmen ist es oft nicht einfach herauszufinden, wer inzwischen die Lizenz besitzt. Das verursacht relativ viel Arbeit.»

Den Auftakt am Dienstag macht der Film «Der Wildheuer» des inzwischen pensionierten Filmemachers Beat Bieri. Er widmet sich darin den rund 100 Wildheuern, die noch heute in den Urner Alpen ökologisch wertvolle Trockenwiesen auf einer Fläche von etwa 350 Hektaren offen halten. Das besondere an diesen Trockenwiesen ist, dass sie zu steil sind, um Vieh darauf weiden zu lassen, während sie sich gleichzeitig trotzdem als Heuwiesen nutzen lassen.

Die Wiesen sind aber oft an abschüssigenen, abgelegenen Orten zu finden. Gefährlich ist der Beruf deshalb, weil sich das frisch geschnittene Gras bei einem allfälligen Sturz wie eine Rutschbahn verhält. Bei den teilweise fast senkrecht liegenden Hängen wird ein Sturz so schnell zu einem ernstzunehmenden Risiko.

Wildheuer Sepp Gisler, quasi der Protagonist von Bieris Film, kam just so im Sommer 2016 zu Tode. Davor hat Bieri ihn und seine Familie, die auf über 1000 Meter über Meer lebt, für rund eineinhalb Jahre begleitet. Der Regisseur gewährt Einblicke in das karge Leben dieser Bergbauern, die um ihre Existenz kämpfen.

Kirchenbank statt Kinosessel

«Ich freue mich persönlich sehr auf diesen berührenden Film», sagt von Allmen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es von Allmen und ihrer Kollegin Lucia Reinecke von der katholischen Kirche gelungen ist, den Regisseur zum Filmabend einzuladen. Er wird über seine Zeit als Filmemacher erzählen, aber auch über die Beziehung zur porträtierten Familie, welche gemeinsam mit ihm entschieden hat, das Werk trotz des tragischen Todes von Sepp Gisler zu vollenden und zu zeigen.

Für die Vorführung wird dort, wo normalerweise der Pfarrer predigt, eine grosse Leinwand installiert. Statt auf Kinosesseln wird das Publikum auf den Kirchenbänken Platz nehmen. Indes, in den speziellen Genuss, Kino in einem Gotteshaus erfahren zu können, wird man nach dieser Saison wohl so bald nicht mehr kommen. Sobald nämlich der Neubau des reformierten Kirchgemeindehauses fertig ist, soll der Filmabend wieder darin stattfinden.

An folgenden Daten werden in der reformierten Kirche Wallisellen Filme gezeigt: 11. September, 16. Oktober, 13. Novemer, 15. Januar, 19. Februar, 19. März. Genaueres Programm unter:www.zh.ref.ch/wallisellen oder www.kath.ch/wallisellen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 16:49 Uhr

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